Zuckerberg muss ein Russe sein

Die wertegetragene westliche Welt hat außenpolitisch in den letzten Jahren eine feststehende Wahrheit: Der Russe ist schuld! Wir halten das für ein Märchen und haben das an verschiedenen Beispielen dokumentiert. Anders als die Brüder Grimm müssen unsere Politdarsteller in diesen Tagen erleben, wie Märchen widerlegt und als solche entlarvt werden.

Die schlimme Giftgeschichte in Salisbury haben wir aus Versehen ja bereits als fairytale bezeichnet. Der Doppelagent Skripal und seine Tochter sollen mit Nowitschok vergiftet worden sein. Zwölf Stunden nach der Tat machte die britische Regierung offiziell Russland für die Tat verantwortlich. Bis heute weiß die Öffentlichkeit fast nichts. Weder über den angeblichen Ablauf des Geschehens noch die Wirkungsweise des „Kampfstoffs“. Von einem merkwürdigen Polizisten hören wir, der kurz nach der Tat auftauchte und seither nie wieder in der Öffentlichkeit zu hören war. In Salisbury beginnt nach vier Wochen langsam das normale Leben, sagt der Deutschlandfunk. Nur mehr wenige Geschäfte liegen in der abgesperrten Zone. An der Wohnungstürklinke des Herrn Skripal ist das meiste Nowitschok gefunden worden. Das sind so die „Fakten“, die sich aus den Medien entnehmen lassen. Es klingt wie ein James Bond billiger Machart. Dennoch haben sich Australien, die USA, Kanada, 14 EU-Staaten sowie die NATO der britischen Version angeschlossen und beschuldigen Russland. Alle wiesen Diplomaten aus, was Russland inzwischen entsprechend beantwortet hat. Ein Schritt, der in der Diplomatie schon einen hohen Stellenwert hat und zur Besorgnis Anlass geben muss. Beweise liegen keine weiteren vor. Aufgrund dieser Tatsache hätte sich niemand wundern dürfen, wenn Moskau ganz anders, viel schärfer reagiert hätte. Doch Putin zeigt sich wieder einmal besonnen. Ähnlich wie z.B. beim Abschuss eines russischen Jets durch die türkische Luftwaffe. Das Getöse veranstalten westliche Hasardeure. In der internationalen Chemiewaffenbehörde (OPCW) streiten sich beide Parteien. Experten sollen nun chemische Untersuchungen durchführen. Vermutlich streiten sie sich nachher weiter. Unstrittig ist die Aussage des Leiters des obersten Chemieprüflabors des Vereinigten Königreichs. Der sagt, die Herkunft des Nowitschok kann nicht nachgewiesen werden. Es ist dieser Stoff und er wurde in den 70er-Jahren in der Sowjetunion erfunden. Bums! Da haben wir den Salat. Die britischen Untersucher sagen, dass es keinen Beweis für die russische Urheberschaft gibt. Demnach weiß die britische Regierung mehr. Vermutlich vom Geheimdienst. Können Sie sich Beweise vorstellen, die es gibt und die so geheim sind, dass sie innerhalb von vier Wochen nirgends durchsickern? Obwohl zig Regierungen informiert wurden. Ich kann es mir nicht denken. So geheim sind sie alle nicht. Andererseits ist es erstaunlich, dass der oberste britische Chemielaborant sagen durfte, was er sagte. Es gibt jedoch keinen Anlass, ihm zu misstrauen. Das tut auch niemand in Politik und Medien. Damit ist die westliche Geschichte geplatzt. Wie soll die OPCW Beweise finden, wenn es die Briten nicht können? Es war alles nur Spaß. Dürfen die Diplomaten jetzt wieder zurück? Werden sich Merkel, Macron, May und Trump bei Putin entschuldigen? Okay, wir wollen nicht selber ein Märchen erzählen. Natürlich werden sie das nicht tun. May ist entlarvt. Sie wollte von ihrer miesen politischen Bilanz ablenken. Der Rest folgte ihr willig und fahrlässig. Denn die Darsteller des wertegetragenen Westens spielen mit unserem Leben. Das tun sie in einer Weise leichtfertig, die uns zu einem sofortigen Umsturz berechtigte.

Das zweite Beispiel dieser Tage ist das Einmischen der Russen in den US-Wahlkampf zugunsten Donalds und in alle möglichen europäischen Wahlkämpfe sowieso. In Washington gibt es mehrere Untersuchungsausschüsse und einen Sonderermittler namens Müller. Die Russen hätten gezielte Desinformation betrieben. Nun gut, was ist Wahlkampf jemals anderes gewesen? Aber das lassen wir mal beiseite. Nun kam ja kürzlich heraus, dass unsere deutschen Parteien prima mit einer Tochterfirma der Post zusammengearbeitet und Datenpäckchen gekauft haben. Natürlich alles legal, weil total anonymisiert. Was hier klappt, geht in den USA schon lange. So dürfen wir mit Recht annehmen, dass Demokraten und Republikaner das auch gemacht haben. So konnten sie ihren Wahlkampf, also die bewusste Desinformation, prima selber steuern und brauchten den Russen gar nicht. Weiterhin weitet sich gerade der sog. Facebook-Skandal aus. Statt der Daten von 50 Millionen sollen Daten von 85 Millionen Facebook-Nutzern an Cambridge Analytics gegangen sein. Natürlich ist das nicht das Ende der Geschichte. Nur die zweite Salamischeibe, die bekannt wird. Wir lernen aus beiden Geschichten eines. Daten werden zu Päckchen gemacht, mit denen Kunden ihre Zwecke verfolgen können. Firmen und Parteien können uns was andrehen. Die einen lügen über ihre Ware und die anderen über ihre Vorhaben. Die einen wollen Geld und die anderen unsere Stimme. Diese Daten über uns liefern wir selbst. Zum Beispiel, indem wir einfach leben. Dafür brauchen wir eine Adresse. Bald werde ich erleben, was ich für den Personalausweis noch alles an Daten hergeben muss. Strom und Wasser wollen wir auch und das wird registriert. Und so geht das hübsch weiter bei jedem Einkauf, der nicht bar getätigt wird. Wir haben das an vielen Stellen beschrieben. Zum 1. April wurde ein Sender Pflicht, den jeder Neuwagen hat (sog. eCall). Im Falle eines Crashs meldet der automatisch die Position und ruft Hilfe. Offiziell schläft dieser Sender und wacht nur auf, wenns knallt. Wers glaubt. Darüber hinaus verteilen wir freiwillig unsere Daten im Netz. Wir zum Beispiel hier im Blog. Andere in Facebook, Twitter und Konsorten. Kein Wunder, dass es längst Firmen gibt, die diese Daten über uns zusammenführen. Aus so einem Päckchen können Profis dann ganz viel über uns herauslesen. Und deswegen sind diese Päckchen oder auch Pakete bares Geld wert. Und was Geld bringt, damit wird gehandelt. All dies ist so klar und wird hier im Blog als gegeben behandelt. Vorläufig gibt es noch Gesetze, die dem Sammeln und Weitergeben Grenzen setzen. Im Mai soll sogar eine neue EU-Datenschutz-Richtlinie In Kraft treten. Vielleicht erschweren diese Normen das Sammeln und Weitergeben tatsächlich ein wenig. Wahrscheinlich aber treiben sie nur den Preis für die Daten in die Höhe.

Nun ist hoffentlich klar, warum Marc Zuckerberg ein Russe sein muss. Nein, immer noch nicht. Ist doch klar. Damit die Geschichte stimmt. Die Geschichte all unserer Laiendarsteller, dass der Russe an allem schuld ist.

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