Horst muss weg!

In schöner Regelmäßigkeit forderten wir das für Thomas de Maizière. Unser Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Leider viel zu spät. Als der Name seines Nachfolgers ruchbar wurde, ahnten wir, dass wir die Tradition mit Horst Seehofer fortsetzen müssen. Der Mann ist eine Prüfung für jeden demokratisch und liberal gesinnten Zuseher des Berliner Polittheaters. Schon auf der Münchener Bühne war er meist unerträglich. Nun haben ihn seine sozialen Christen ja ins Superministerium weggelobt, damit der Söder Markus das daham machen kann. Unser Inneres ist ab sofort auch wieder offiziell unsere Heimat und wird ministeriell betreut. Ausgerechnet von einem Bayern.

Die CSU wurde ja leise kritisiert, weil sie ihre drei Kabinettsposten mit Männern besetzt hat. Der Scheuer Andreas und der Müller Gerd sind die anderen beiden. Da erfanden sie flink den Posten der Staatssekretärin für Digitales und besetzten ihn mit der Bär Dorothea. Damit war es dem Horst dann auch genug. Wie man das so macht als Ministerdarsteller, ließ er sich mit seinen Oberen aus dem neuen Ministerium abbilden. Das Bild war so hübsch, dass es wie der Wind durch alle sozialen Netzwerke eilte. Das Ministerium nahm es erstmal wieder runter von der eigenen Startseite. Zu sehen waren alle Neune. Die sahen aus wie die Mitglieder des Schützen- und Kegelvereins Großgrunzbach aus dem Bayerischen Wald. Alles Männer, Ü60, Anzug und Krawatte einschließlich Halbglatze. Eigentlich vertrauenerweckend. Ganz gewiss stehen diese Männer für Tradition und Heimat. Alles nach Recht und Gesetz sowie dem Herrgott ein Wohlgefallen. Nebenbei zeigt der Horst gleich einmal CSU-Profil. Das ist ja seine wichtigste Aufgabe bis zur Landtagswahl im Oktober. Immerhin ist er noch Vorsitzender dieser Folklorepartei.

Nun gut, wegen dieser Schmalspurleitkultur muss Horst noch nicht weg. Das würden nicht einmal wir fordern. Das – nach dem Dauersondieren – gespaltene Volk einen wollen sie ja irgendwie alle. Während die Kanzlerin das Volk ohne die mindestens 20 % Arme und Abgehängte definiert, wo es uns allen gut geht, fügt der Horst noch eine kleine Einschränkung hinzu. Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Also die hier lebenden Islamis schon. Wie das gehen soll, versteht vielleicht ein Bayer. Wir wollen hier nicht akademisch überlegen, was genau ausgesagt wird oder nicht. Wir stellen uns vielmehr das Gefühlsleben von Islamis vor. Wie wir mal gelernt haben, ist jeder, der z.B. in der Türkei geboren wird, Moslem. Per Gesetz und ohne Austrittsmöglichkeit. Nun lebt so einer hier friedlich vor sich hin. Hat mit dem Islam so viel zu tun wie der Durchschnittsdeutsche mit dem Christentum. So ein Mensch fühlt sich doch erstmal ausgegrenzt, oder? Er fühlt sich zurückgewiesen, obgleich er genauso lebt wie sein christlicher Nachbar. Die Beweggründe Seehofers sind so klar wie niedrig. Es geht um rechte Stimmen in Bayern. Alles, was dieser Mann tut, wird hierdurch motiviert. Immerhin widersprach ihm seine Chefin ausnahmsweise mal ziemlich deutlich. Doch der Tritt vors Schienbein von Millionen von Mitbürgern ist in der Welt. Ein inakzeptables Verhalten für einen Minister, der geschworen hat, Schaden vom deutschen Volk fernzuhalten. Und dazu gehören natürlich auch die Anhänger des Islams, die hier leben.

Nach diesen Ereignissen vernahm die Öffentlichkeit recht unaufgeregt, dass Seehofer bis zum Jahresende das erste Zentrum für Asylverfahren eröffnen will. Das steht auch im Koalitionsvertrag. Dort sollen die Verfahren an einem Ort wesentlich schneller abgewickelt und der Zugriff auf Abgelehnte erleichtert werden, um sie rückzuführen. Zu diesen Zentren bringen wir vielleicht mal einen Extrabeitrag. Wir sind uns selber nicht sicher, wie wir die finden. Von Seehofer ist als Innen- und Heimatminister nichts Gutes zu erwarten. Bürgerrechte kennt er nicht. Mittelgroße Minderheiten wie Frauen nur so ein bisschen. Sie gehören halt an den rechten Platz gewiesen. Ausländerfeindlich sind die CSU und ihr Chef von Grund auf. Gefährder gehören dauerhaft eingesperrt und sobald wie möglich ausgewiesen. Wobei nie jemand juristisch gesichert definiert, wie man Gefährder wird. In der Regel hängt das von der Einschätzung eines Polizisten und später eines Richters ab. So kommen wir zu der An- und Einsicht, dass Horst Seehofers Kernklientel das gleiche ist wie das von Donald Trump. Der ältere weiße Mann inländischer Herkunft. Na dann prost!

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