Bundesaußenminister findet Streit auf Grundschulhof beschämend

Jaja, früher war alles besser. Wer wüsste das nicht? Wir in der Redaktion sind Durchschnittsjahrgang 1961. Zu unserer Grundschulzeit haben wir uns auf dem Schulhof niemals beschimpft. Wir gerieten nie in Streit und wahrten immer die politische Korrektheit. „Schwule Sau“ oder „Spasti“ haben wir niemals in den Mund genommen. Gezielt die offenkundigen Schwächen einer anderen haben wir keinesfalls genutzt, um den anderen fertig zu machen. Voller innerer Einkehr reflektierten wir unser Dialogverhalten. Am Abend glichen wir das dann mit den Erziehungszielen unserer Eltern ab. Bei Abweichungen trafen wir neue Zielvereinbarungen und brachten dem „Asi“ vom Morgen am kommenden Tag ein Raider mit. Die gab es damals noch. Der Aufsicht führende Lehrer hatte unseren verbalen Übergriff ins Klassenbuch eingetragen. Alles sorgfältig dokumentiert. Er las es uns vor, wenn wir noch nicht selber lesen konnten. Mit dem Fingerabdruck bestätigten wir das Anhören unseres Fehlverhaltens. Der mit Tinte beschmierte Finger wies den ganzen Schultag lang auf unser übles Verhalten hin. So wurden wir edel, hilfreich und gut.

Nach dieser märchenhaften Einleitung wollen wir kurz erzählen, was passiert ist. Mal wieder in Berlin an einer Grundschule. Wohlgemerkt, da sind die Kinder zwischen sechs und elf. Ein Mädchen mit einem jüdischen Elternteil wurde im Laufe ihrer vier Schuljahre mehrfach von Mitschülerinnen beschimpft. Wir zitieren aus dem Bericht der Berliner Zeitung:

„Diese Schule besucht auch die Tochter eines heute 41-Jährigen, der anonym bleiben möchte. „Unsere Tochter wurde von muslimischen Schülern angepöbelt, weil sie nicht an Allah glaubt“, sagt der Mann im Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Bereits seit etwa drei Jahren kommt es in der Schule zu religionsmotivierten Vorfällen, führt er aus. Zuletzt Ende Februar. Die schmächtige Tochter sei von einem Mitschüler gefragt worden, ob sie Jüdin sei, berichtet der Vater. Da ein Elternteil jüdischer Herkunft ist, habe sie das bejaht, woraufhin der Schüler das Wort „Jude“ mehrfach in bedrohlichem Tonfall wiederholt habe. (…)

Bereits vor etwa drei Jahren war dem Mädchen nach Angaben ihres Vaters Ähnliches widerfahren. Wer nicht an Allah glaube, werde verbrannt, hätte eine Mitschülerin dem Mädchen klar gemacht.“

Der letztgenannte Vorfall spielte sich rechnerisch zwingend bereits in der 1. Klasse ab. Die Schule hat jedesmal reagiert. Antisemitismus wurde Thema im Unterricht. Es gab ein angeleitetes Gespräch zwischen Schüler und Schülerin. Es gab Abstimmung im Kollegium. Die Aufsichtsbehörde wurde informiert. Ebenfalls in einem Fall die Eltern. All dies reicht dem Vater des Mädchens nicht.

„Der Vater hingegen ist da anderer Meinung. „Der Senat müsste den Schulen ein Instrumentarium anbieten, um nicht nur gegen solche einzelnen Regelverletzungen vorzugehen, sondern insbesondere solche Themen wie Toleranz, Religionsfreiheit, westliche Werte sowie das friedliche Miteinander kontinuierlich den Kindern zu vermitteln.“ Und es müsse deutlich mehr mit den Eltern gearbeitet werden.“

Wir meinen, hier wird weit übers Ziel hinaus geschossen und ein Schulhofstreit unter kleinen Kindern zu einem Politikum aufgeblasen. Unserer Ansicht nach hat die Schule mehr als genug getan. So junge Menschen plappern das nach, was ihnen Erwachsene vorerzählen. Warum geht nicht mal der Vater des Mädchens zu dem des Jungen? Warum treffen sich die Mütter nicht? Wenn das überhaupt nötig ist. Denn wie gesagt, die Schule hat besonnen und angemessen reagiert. Völlig unangemessen reagiert jedoch der Außenminister Heiko Maas (SPD). Er findet die Geschichte „unerträglich und beschämend“. Wenig belastbar, unser oberster Diplomat, wenn dies schon unerträglich ist. Stimmt schon, er ist gerade im Thema. Besuchte er doch in den letzten Tagen Israel. Maas gilt als großer Freund des Landes. Daran ließ er während des Besuches keinen Zweifel. Sein Kollege aus dem Innenressort hatte die Islamis vor wenigen Tagen ja auf den ihnen zukommenden Platz verwiesen. Wir hätten uns im zarten Alter von zehn Jahren böse erschreckt, wenn unser Verhalten den Außenminister auf den Plan gerufen hätte. Heute ereignet sich sowas. Auch die Schulsenatorin Scheeres (SPD) ist in Wallung. Die Jungen Liberalen des Berliner Stadtteils machen gleich ein Fass auf:

„Die Jungen Liberalen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg teilten mit, das vergangene Jahr habe gezeigt, dass dies kein trauriger Einzelfall im Bezirk sei. Vielmehr handele es sich um den nunmehr dritten Antisemitismus-Skandal innerhalb eines Jahres. Nötig sei nun ein Krisenstab, „der schonungslos evaluiert, an wie vielen weiteren Schulen es im letzten Jahr judenfeindliche Vorfälle gab.„ Sogar ein Krisenstab wegen unserer Stänkerei! Wir hätten uns doch nicht mehr in die Schule getraut. Heiko Maas und seine Mitempörungshelden verlieren hier jedes Maß. Hypersensibel glauben sie, ein schwerwiegendes Problem gefunden zu haben. Eben, weil es um ein jüdisches Mädchen geht. Im Artikel „Das Judentum gehört nicht zu Deutschland“ haben wir uns diese Überempfindlichkeit zunutze gemacht, um Seehofers unsägliche Äußerung einzuordnen. Die Primitivität unserer Führungskräfte ist kaum noch zu ertragen. Der Außenminister ist beschämt, weil ein kleiner Junge ein kleines Mädchen ärgert. Was macht der arme Mann bloß, wenn Lawrow ihm sagt, dass er seine Außenpolitik doof findet. Zum Beispiel wegen der Salisbury-Fairytales. Läuft er dann ins Kanzleramt und petzt bei Mutti Merkel? Mit so einem Kinderkram beschäftigt sich unsere Regierung. Wenn sie dazu Zeit hat, muss es dem Land ja prächtig gehen. Vor allem seinen Außenbeziehungen. Eine allgemeine Infantilisierung breitet sich aus, siehe „Habt Ihr auch nichts vergessen, liebe Kinder?“.

Quellen:
https://www.berliner-zeitung.de/29916888
https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/03/vorwurf-antisemitismus-schule-berlin-tempelhof.html

 

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