Braille-Kennzeichnung des Rentenausweises

Anfang Januar 2018 erhielt auch Susanne die Nachricht. Statt des bisherigen Papierfetzens gibt es im Juli mit dem neuesten Rentenbescheid einen Ausweis aus dickerer Pappe. In der Mailingliste „Amtshilfe“ kam diese Nachricht ebenfalls an. Diese Liste wird vorwiegend von blinden und sehbehinderten Menschen genutzt. Sie soll im „Behördendschungel helfen“, wie sie selber sagt. Tut sie gelegentlich auch. Ich bin seit Jahren dabei. Neben der gegenseitigen Hilfe ist auch das solidarische Stöhnen und Schimpfen ein wichtiges Element. Diesmal ging es wieder los. Warum ist dieser Ausweis nicht in Braille gekennzeichnet? Bei anderen Ausweisen wie der Gesundheitskarte geht das doch auch. Wenn alle Ausweise EC-Karten-Größe haben – wie sollen wir da noch klarkommen? Haben die uns mal wieder vergessen! Ist ja klar, wir sind auch nicht so viele. Es war schon eine ansehnliche Zahl an Mails zum Thema. Ich selber bin nicht betroffen, da ich als Beamter Pensionsempfänger und nicht bei der Deutschen Rentenversicherung gemeldet bin.
Mir fiel unsere Beauftragte für Belange der Behinderten bei der Bundesregierung ein. Einst widmeten wir Verena Bentele einen ganzen Beitrag. Susanne fischte die Mailadresse aus dem Netz und ich speicherte mir einen kleinen Mailtext ab. Ich regte an, dass sich die Beauftragte vielleicht noch hilfreich einschalten und für eine Braille-Markierung plädieren könnte, da noch Zeit bis Juli ist. Das Abspeichern erfolgte in der Erwartung, den Text mehrfach gebrauchen zu müssen. Verena enttäuschte mich nicht. Es kam keine Antwort. Am gesamten Verfahren nahm sie persönlich keinen Anteil. Beim dritten Versuch ergänzte ich meine Anfrage. Ich kündigte an, meine nächste Mail auch an die Ministerin für Arbeit und Soziales zu richten. Seinerzeit war das gerade Katharina Barley. Verenas besondere Freundin Andrea Nahles war bereits aufgerückt an die fiktive Sozi- und reale Fraktionsspitze. Es meldete sich jemand von einer interministeriellen Arbeitsgruppe. Er schlug vor, mein Anliegen als Antrag an die Schlichtungsstelle des BMAS zu richten. Ich stimmte zu und erhielt wenige Tage später eine Nachricht von dort. Die Schlichtungsstelle hatte meine Anfrage nach Braillemarkierung an die Deutsche Rentenversicherung (DRV) weitergeleitet. Die DRV hatte einen Monat Zeit zur Antwort. Nach gut einem Monat fragte ich bei der Schlichtungsstelle nach. Diese wiederum bei der DRV. Eine Antwort ist formuliert und muss noch authorisiert werden, hieß es. Wenige Tage danach kam die gute Nachricht. Der neue Rentenausweis ist kontrastreich beschriftet. Schriftgröße 8 und 10 werden verwendet. Der aufgedruckte Text ist aufs Nötige gekürzt worden. Nur eine Grafik, das Logo der DRV, ziert den neuen Ausweis. Zusätzlich zu diesem Ausweis erhalten alle Empfänger eines barrierefreien Rentenbescheids auf CD oder in Braille eine Plastikhülle. Auf ihr sind in Punktschrift die Buchstaben „RA“ gedruckt. In die Hülle passt der Ausweis natürlich genau hinein. Eine sehr praktikable Lösung, wie ich finde. Es liegt die Vermutung nahe, dass sie ursprünglich nicht daran gedacht hatten. Die Ausweise sind – mindestens zum Teil – bereits produziert. Immerhin gibt es 20 Millionen Rentner. So sind sie nachträglich auf die Hüllenlösung gekommen. Ich bin sehr froh darüber. Ein bisschen stolz auf meinen Erfolg bin ich auch. Etwas überrascht sind wir in der Redaktion, dass sich in postdemokratischen Zeiten noch etwas bewegen lässt. Frohen Mutes gab ich die Information an die „Amtshilfe“ weiter. Einer verstand die Mail nicht. Eine andere erklärte sie ihm. Einer beantwortete meine Frage, ob die Nachricht bereits in Medien des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands gebracht worden ist mit Nein. Genau von einer Teilnehmerin kam ein Dank für meine Mühen. Diese vier Mails waren alles und sind ungefähr 20 % der Anzahl an Mails zu Anfang der Geschichte. Das legt die Vermutung nahe, Meckern macht mehr Spaß als Freuen. Nun gut, auch den DBSV habe ich informiert. Dort wussten sie nichts davon und wollen mal gucken, ob sie darüber in ihren Medien berichten. Wer Tosulit liest, weiß mehr.

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