Das Judentum gehört nicht zu Deutschland

Stellen wir uns gemeinsam folgende Zeitungsmeldung vor: „Berlin. Der frisch gebackene Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) betont in einem Interview mit unserem Blatt, dass das Judentum nicht zu Deutschland gehört. Die hier lebenden Juden sind selbstverständlich Staatsbürger der Bundesrepublik, solange sie sich an die Regeln des Grundgesetzes halten und bspw. die Gleichstellung von Mann und Frau befürworten. Orthodoxes Judentum mit der Vormachtstellung des Mannes hat hingegen in modernen Gesellschaften keinen Platz. Deutschland ist ein christlich geprägtes Land. Seit den 60er-Jahren hat auch der Islam, eingebracht durch unsere willkommenen „Gastarbeiter“, zunehmend eine Rolle gespielt. Immerhin leben inzwischen mehrere Millionen Menschen mit islamischem Glauben in unseren Grenzen. Der jüdische Einfluss ist allenfalls marginal. Durch die bedauerliche Dezimierung der jüdischen Menschen durch das verbrecherische NS-Regime gab es lange Jahre fast keine Juden mehr in Deutschland. Zum Glück ist das durch die enge Zusammenarbeit mit dem israelischen Regime besser geworden. Jedoch stößt die Politik bei Israel wegen der Existenz der radikal-jüdischen Armee und ihrer Übergriffe auf die Nachbarländer an Grenzen. Seehofer sagte aber zu, die deutsch-jüdische Konferenz wiederzubeleben. Hierzu lud er den Zentralrat herzlich ein. Zu den etwa 20 Brandanschlägen auf Synagogen während der letzten Wochen nahm Seehofer keine Stellung. Obgleich die Strafverfolgung ihm als Bundesinnenminister natürlich am Herzen liegen sollte. Generell finden die Anschläge im politischen Berlin keinerlei Wiederhall. Allgemein werden innerisraelische Konflikte um Staatspräsident Netanyahu verantwortlich gemacht. Der neue Gesundheitsminister Spahn fügte hinzu, dass er den Ausschluss von Juden an den Tischen der Tafel verstehen kann. Es gibt eben nur ein begrenztes Nahrungsmittelangebot. Da sollen die Tafeln schon schauen, wer mehr für das Land getan hat. Spahn wiederholte seine Forderung, den Mossad, einen illegalen militärischen Ableger der Regierung in Jerusalem, endlich als Terrororganisation zu klassifizieren. Das erleichtert die schnelle Ausweisung radikal-jüdischer Jugendlicher, die sich vor allem in Berlin zu Parallelgesellschaften zu entwickeln drohen.“

Welch Aufschrei ginge durch Presse, Funk und Fernsehen! Und völlig zurecht. Wie fühlt sich denn ein Muslim, der seit Jahren hier lebt und friedlich Steuern zahlt, wenn ihn sein Innenminister als erste Äußerung wegen seines Glaubens ausschließt? Bescheiden, wenn es gut läuft. Verraten und betrogen, wenn es schlecht ausgeht. Wie kann sich jemand hinstellen und Millionen Mitbürger einfach an den Rand drängen? Jetzt zeigen die Konservativen ihre hässliche Fratze. Weil ihnen die AfD ein paar ausländerfeindliche Wählerprozente geklaut hat. Weil sie meinen, so wieder Profil zu haben. Es ist ein schlimmes Bild, das unsere Konservativen da abgeben.

Es ist doch völlig klar, dass alle drei großen monotheistischen Religionen zu Deutschland gehören. Weil es eine nennenswerte Zahl von Menschen gibt, die diese Religionen ausüben. Das war es dann aber auch. Mit der Gesellschaft oder gar dem Staat hat das nichts zu tun. Religion ist Privatsache. Zum Glück fußt unser Grundgesetz bei weitem nicht nur auf den Werten des Christentums. Wir versuchen, eine sehr viel liberalere und offenere Gesellschaft zu sein als es die Kirchen vorgeben. Die großen Feste wie Weihnachten und Ostern enthalten heidnische Elemente. Oder wo finden sie den Weihnachtsbaum bzw. den Osterhasen in der Bibel? Und wir können gut damit leben. Religionen sind doch nichts anderes als von Menschen gesammelte Gedanken zum Zusammenleben. Daran können wir glauben. Die meisten Menschen haben jedoch ein sehr viel breiteres Fundament an Erfahrungen, auf dem sie leben. Und das ist gut so. Der massenhafte Tourismus bringt jedenfalls ansatzweise Eindrücke aus der ganzen Welt ins Land. Einwanderer tun dies in viel stärkerem Maße. Eine Gesellschaft lebt. Sie ändert sich. Es gibt keine starre Leitkultur, an die sich alle ewig halten. Veränderung ist auch nötig. Die Gleichstellung von Mann und Frau ist längst nicht vollendet. Das Gleichstellen der behinderten Menschen macht nur kleine Fortschritte. Andererseits könnte Seehofer im Ruhrgebiet sehen, wie gut viele Völker zusammenleben. Die Menschen vor Ort schaffen das. Die große Politik sollte unterstützende Rahmenbedingungen setzen. Dass Teile stattdessen lieber in krimineller Weise zündeln, zeigt ihre menschenfeindliche Gesinnung. Ein Mann wie Seehofer erweist sich gleich zu Beginn als komplett ungeeignet. Wenn er nicht dieses Amt hätte, müssten wir ihn aus dem Diskurs nehmen.

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