Wird Sigmar fehlen?

Ich meine ja. Denn er ist ein Typ. Davon hat die SPD wahrlich nicht viele. Aus meiner Sicht hat die sechsköpfige Vertreter-Riege seit der Bundestagswahl eine ganz schlechte Figur gemacht. Sie drehten ihre Fahne in den jeweils wehenden Wind, ohne selber Akzente zu setzen. Als dann die Schulz-Nahles-Rochade scheiterte, übernahm niemand Verantwortung. Nicht einmal die, die die Parteisatzung vorsieht. Nahles sollte die Interims-Vorsitzende sein. Erst auf Druck von außen besannen sie sich im Willy Brandt-Haus. Olaf Scholz übernahm die Parteiführung aus seiner Stellvertreter-Position heraus. Ausgerechnet derjenige aus dem Sextett, der im Dezember beim Parteitag das schlechteste Wahlergebnis hatte. Doch Scholz war eine führende Position zugedacht. Er sollte schon damals Vizekanzler werden. Auch das kann ein Hinweis darauf gewesen sein, dass Sigmar nicht mehr Außenminister sein soll. Denn der ist gewöhnlich Vizekanzler. Wenn dort aber ein weniger renommierter Kopf hinsortiert wird, kann das natürlich auch der designierte Finanzminister Scholz machen. In den Medien entsteht manchmal der Eindruck, als habe das Interview nach dem Schulz-Nahles-Tauschgeschäft dem Sigmar das Genick gebrochen. Ich glaube das nicht. Vielmehr wollte Andrea Nahles Gabriel eliminieren. Sie soll die neue starke Frau sein und ist es nicht. Ein Gabriel an hörbarer Stelle schien ihr da zu gefährlich. Den Parteivorsitzenden von Gabriels Gnaden hatte Nahles erst auf ihre Seite gezogen und dann entsorgt. Schulz war fortan der große Schuldige. Eine Person, über die nicht mehr gesprochen wurde während des Mitglieder-Wahlkampfs. Somit vermieden sie, dass Nahles schlimme Rolle hätte miterwähnt werden müssen.

Doch zurück zu Gabriel. Er war ein Agenda-Mann, was ihn nicht sympathisch machte. Während seiner langen Vorsitzenden-Periode machte er keine Anstalten, die Partei oder gar die Regierungspolitik vom Schröder-Kurs entscheidend abzubringen. Gabriel war auch ein Mann der Todesindustrie. Entgegen seiner vollmundigen Ankündigung stiegen die Waffenexporte in seiner Wirtschaftsministerzeit. Er drückte die Zustimmung der SPD zur Vorratsdatenspeicherung und zu CETA durch. Unter ihm als Vorsitzenden machte die SPD die Abkehr von positiver Flüchtlingspolitik mit. Gabriel verzichtete zweimal auf die Kanzlerkandidatur. Nicht zu Unrecht, wie ich finde. Die Art und Weise, wie er Steinbrück vorzeitig ins Rennen stolpern ließ, war schlecht. Der bessere Kandidat war Steinbrück auf jeden Fall. Ebenso wie Schulz, der mit viel Zustimmung startete. Es gibt tatsächlich nicht viel, das mir an Gabriels Politik gefällt. Dennoch wird er mir fehlen, weil er was zu sagen hatte. Gabriel konnte Ideen entwickeln. Er blieb im Gespräch. Mit der türkischen Regierung zum Beispiel. Oder mit der russischen. Das ist der richtige Weg. Auch wenn die deutsche Politik eine andere ist als diejenige dieser Länder. Das hat Gabriel immer klar gesagt. Doch Kritiker warfen ihm schon den Dialog mit Putin und Lawrow vor. Mit Gabriel verlässt wieder ein kantiger Typ die große Bühne. Ähnlich wie vor vier Jahren Peer Steinbrück. Beide sind keine Sympathieträger. Beider Politik ist mir nicht sympathisch. Doch mit solchen Leuten mag ich mich wenigstens anlegen. Schlaftabletten und Windeier, wie sie jetzt die SPD führen, sind schlimmer. Erst recht, weil sie sich von einer dummen Person die Partei führen lassen wollen.

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