Trübe Tassen

Eigentlich hatten wir nicht vor, den Sondierungen auch nur ein Wort zu widmen. Interessant wird es doch allenfalls, wenn die SPD irgendwie irgendwo dagegen ist. Damit ist jedoch kaum zu rechnen. Der O-Ton unserer Kanzlerin und ihres ehemaligen Widersachers haben uns erschreckt. Gar nicht die Worte, sondern der Tonfall. Wir konnten die Kraftlosigkeit geradezu hören. Und das zu Beginn einer Legislatur.

Dass Angela Merkel keine konkreten Ideen hat, ist normal. Deshalb sind solche Verhandlungen von Hause aus nicht das Terrain, auf dem sie glänzen kann. Wenn sie glänzt, dann, wenn es gilt, stur oder ruhig zu bleiben. Das kann sie. Bei solchen Sondierungen bräuchte es Leute um sie herum. Da finden wir hörbar nur Armin Laschet. Ein Aachener, der in NRW Ministerpräsident ist, weil seine Gegnerin ihn unterschätzte und sich zu sicher war. Volker Kauder ist kein Ideengeber, sondern ein Leutnant. Er gibt Befehle nach unten, an die Fraktion, weiter. Das kann er. Jens Spahn fällt offenbar auch nichts ein außer hübschen Fotos mit Kurz aus Wien. De Maizière und von der Leyen haben ihre jeweilige Bestimmung gefunden: Bissiger Köter und strahlende Kriegsfürstin. Liebe unionierte, demokratische Christen! Wer soll was sagen? Etwa der Daniel Günter, den vor der Schleswig-Holstein-Wahl keiner kannte? Oder der rechtsradikale Kretschmer aus Görlitz? Bleibt die Strahlefrau aus Rheinland-Pfalz, die ihre Wahl gegen Dreyer aber auch verlor. Julia Klöckner glänzte einst mit dem Plan A2. Und das war nicht die Autobahn von Dortmund nach Hannover. Diese Regentin hat ihre Halbwertszeit längst überschritten. Mehr als schwach radioaktiv ist sie nicht mehr. Die Endlagersuche dürfte daher nicht schwer fallen. Eher schon die des Nachfolgers / der Nachfolgerin. Wegen dieser Lücke wurde Steini bereits Präsident.

Bei der unionierten, sozialen Christenheit sieht es nicht besser aus. Das hat aber bereits Tradition. In Seeon benehmen sie sich nicht anders als in Kreuth. Als kläffenden Köter haben sie Dobrindt auserkoren. Schon während der Jamaika-Geschichte. Scheuer hält tapfer mit. Die beiden würde ich als SPD von vornherein als Gesprächspartner ablehnen. Die sollen sich mal beim Bergwandern auspowern. Seehofer klingt genauso wie Merkel. Müde. Dass der Mann nicht mit 68 in Rente geht, kann nur an der Kraft der Machtgier liegen. Wahrscheinlich wird er Minister. Ideen haben sie in den Bergen auch nicht. Mit Ausländerfeindlichkeit versuchen sie das rechte Vakuum zu schließen, das sie gleich nach der Wahl ausgemacht hatten. Gemeinsam mit der Sachsen-CDU versuchen sie, der AfD Konkurrenz zu machen. So ein Medientheater wie Frau Storch und Frau Weidl mit Twitter kriegen die alten Bierzeltredner jedoch nicht hin. Die blöde Digitalisierung haben sie noch nicht so drauf. Die zarten Pflänzchen an SPD-Ideen zertreten sie mit ihren Wanderstiefeln, noch ehe es mit den Sondierungen losgeht.

Martin Schulz hat alles, was einem Parteiführer fehlen kann. Für Personalentscheidungen fehlt ihm jeglicher Instinkt. Da wird er regelmäßig von den alten Spitzengenossen zurückgepfiffen. Auf seinen letzten Jubelparteitag während der Kanzlerkandidatur holte er den alten Gerhard, Symbolfigur des Sozialabbaus. Ideen hat Martin auch nicht. Als ihn der Hype auf 30 % hob, kam das Arbeitslosengeld Q. Q wie Quark, an den längst keiner mehr denkt. Im Bewerbungsgespräch würden wir sagen, er hebt nicht einmal seine einzige Stärke hervor. Auf gute Beziehungen in Europa und lange Erfahrung kann er verweisen. Im Wahlkampf tat er es nicht und jetzt fordert er die VSE für 2025. „Wer nicht mitmacht, fliegt raus!“, ruft er den Genossen zu. Jawoll, Herr Lokführer. Martin wirkt hilflos. Bürgermeister von Würselen – das passte zu ihm. Ansonsten regieren immer noch dieselben in der SPD. Von Erneuerung keine Spur. Sigmar und Steini haben alles im Griff. Manuela regiert brav Meckpom, Malu das Weinland. Klingbeil klingt schärfer als er ist. Kraft ist zur Ruhrkohle AG abgewandert. Nahles hat noch niemanden gehauen außer den Kunden in den Jobcentern mit härterem Sanktionsregime. Der Seeheimer Kreis könnte sofort in die CDU eintreten. Dort stünde er rechts von der CDA. Stegner ist ein kleiner Stänkerer, der aber jeden Schwenk mitmacht. Einer Partei, die sich binnen Wochen zweimal um 180 Grad dreht, muss schwindlig sein. Erst Kanzler werden, ab 18.05 Uhr scharfe Opposition und jetzt wieder Steigbügelhalter für Merkel. Mir wäre schlecht.

Nun, die Welt braucht ja nur eine stabile deutsche Regierung. Niemand sagt, sie oder Europa brauchen eine gestaltende deutsche Regierung. Stabil wird sie sein, die schwarzrote Koalition. Kraftlos auch. Das wird Macron bald merken. Schieß- und kontrollwütig – das werden wir bald merken. 53 Prozent der Wähler haben diese Leute gewählt. Sind wir es selber schuld? Ich denke nicht. Aber vielleicht sind sie anderer Meinung als ich.

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