Das wahre Selbst

Heute möchten wir wieder einen Beitrag der Gastautorin veröffentlichen, die sich in diesem Blog mit ihrem inneren Kritiker auseinandersetzte:

Würde…

Soeben sah ich einen Beitrag, ein Gespräch zwischen Hans-Joachim Maaz und Gerald Hüther, in dem es um Träume des Menschen ging. Es erklärt sich fast schon von selbst, dass wir in der westlichen Welt in einem Gesellschaftszustand angekommen sind, in dem sich unsere Träume durch Konsum und Leistung definieren. Höher, schneller, weiter: das ist die Devise! Doch all das sind in Wahrheit nur Ersatzbefriedigungen bzw. Anstrengungen zur Ersatzbefriedigung. Immer mehr Menschen erkennen das! Und doch scheint es ja so viel einfacher zu sein, sich mit den gängigen Konsummitteln unserer Zeit zu berauschen als der bodenlosen Leere in uns selbst ins Auge zu sehen. Würden wir uns dieser Leere, ja unserer Unverbundenheit mit uns selbst stellen, so würde dies begleitet mit einem unbändigen Schmerz, den wir nicht auszuhalten glauben. Klar ist, dass wir den Schmerz immer lieber vermeiden als fühlen wollen… so sind wir Menschen und unsere Gehirne beschaffen. Bis zu einem gewissen Grade ist unsere Vermeidung überlebenswichtig! Doch es lässt sich alles nur bis zu einem gewissen Grade betreibe und dann bedarf es immer neuer Strategien, das aufkeimende Gefühl wieder nach unten zu drücken. Der Prozess der Bewusstwerdung aber ist dann bereits im Gange und unsere Körper sind so klug, dass sie zur Not erkranken, damit wir ungeklärten Themen und inneren Disharmonien ins Auge sehen. Ja, auch ein Übermaß an Verdrängung wirkt irgendwann giftig. So wie alles, was wir im Übermaß betreiben!

Doch noch nie war die Chance der inneren Flucht vor sich selbst so groß und das Angebot der Ablenkungsstrategien so umfassend. In unserer heutigen westlichen Gesellschaft haben wir paradiesische Zustände für Flüchtlinge. Und nein, damit sind nun nicht die armen Menschen gemeint, die vor Krieg und Hunger aus ihrer Heimat fliehen müssen. Damit meine ich die oben beschriebene Gruppe jener, die sich ihrer selbst und der Realität unseres Planeten nicht stellen wollen.

Vielen ist ihre ewige Suche nach Anerkennung, Ablenkung und kurzfristigem Hochgefühl nicht einmal bewusst. Wir haben uns förmlich verloren in unserer Jagd nach äußeren Befriedigungen, die den inneren Hunger betäuben sollen. Und so sehr wir danach streben, so genau wissen wir doch irgendwo ganz tief in uns auch, dass die nächste Beruhigung nicht lange anhalten wird. Wir werden nach dem Abklingen des Rausches wieder beginnen uns zu spüren und erneut erschrecken vor dem, was uns an Gefühlen da entgegenschlägt. Also müssen wir weitermachen; weiter fleißig sein, weiter arbeiten um weiter konsumieren zu können. Es ist ein Teufelskreis und dient in erster Linie der „Betäubungsmittel-Industrie“.

Gefährlich ist das allemal, doch scheint es längst nicht mehr nur ein Phänomen des einzelnen Menschen zu sein. Ein hypnotischer Massenzustand vielmehr, den Hans-Joachim Maaz mit dem Begriff der „Normopathie“ treffend umschreibt. „Mit „Normopathie“ ist eine Anpassung einer Mehrheit von Menschen einer Gesellschaft an eine Fehlentwicklung, an pathogenes psychosoziales Verhalten gemeint, dessen Störung nicht mehr erkannt und akzeptiert wird, weil eine Mehrheit so denkt und handelt. Und was die Mehrheit vertritt, kann ja nicht falsch sein – so beruhigt jeder sein Gewissen durch Autosuggestion und lässt sich zur Anpassung manipulieren. Die große Fähigkeit des Menschen zur Anpassung wird praktisch pervertiert zur Anpassung an kranke gesellschaftliche Verhältnisse. Das wird unterstützt durch das psychosoziale Grundbedürfnis des Menschen, unbedingt „dazugehören“ zu wollen (zu einer Partnerschaft, Familie, Freundes-Gruppe, Verein, Partei, Religion, Nation usw.), um im zugehörigen sozialen Milieu auch entsprechend verstanden und bestätigt zu werden, auch Erfolg zu haben und auf keinen Fall abgelehnt, beschämt, ausgegrenzt und verfolgt zu werden. Eine Normopathie erklärt das pathologische Mitläufersyndrom, wenn eine Mehrheit begeistert in den Krieg zieht, sich als Herrenrasse wähnt, Völkervernichtung zustimmt, Andersdenkende verfolgt, Ideologie über die Realität stellt und im narzisstischen Größenwahn lebt.“ (Maaz, H.J., Das falsche Leben)

So, und nur so, sind die gravierenden Fehlentwicklungen auf unserem Planeten und das Weitermachen wider besseren Wissens in der heutigen Zeit zu erklären. Es scheint, als würde das Gesunde zur Ausnahme und das Kranke zur Regel werden. Es wirkt, als sei die Welt aus den Fugen geraten und niemand muss das mehr korrigieren, weil es ja alle so machen. Wir wollen doch nicht auffallen, wollen dazugehören und weigern uns schon allein deshalb standhaft, komfortable Angewohnheiten und bequeme Rituale zu hinterfragen.

Und doch gibt es sie, die Ausnahmen, die Andersdenkenden. Diejenigen, die sich ihrem inneren Scherbenhaufen stellen und daraus Konsequenzen im eigenen Handeln ziehen… Langsam machen sie sich auf den Weg zu mehr Gefühl, straucheln und zögern dabei, wollen vielleicht oft zurück in das schöne Unbewusste und doch treibt sie etwas in ihrem Inneren an weiterzugehen. Was genau das ist, kann ich nicht erklären. Vielleicht ist es ganz simpel die Rückkehr zur eigenen, wahren Natur! Vielleicht ist es, wie die Hirnforschung es ausdrückt, ein inneres Kohärenzgefühl. Vielleicht ist es, wie die Gläubigen es ausdrücken, die Einheit mit Gott! Vielleicht ist es das Wiederfinden der eigenen Würde! Was es auch ist, es macht Hoffnung und es ist dringend notwendig, in die Welt hinaus getragen zu werden!

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