Beauftragter gegen dusselige Politikervorschläge

Ich finde, dieser Posten muss dringend geschaffen werden und bevor sich niemand bewirbt, nehme ich dieses Amt gern. Die Aufgabe des Beauftragten ist es, unsinnige Vorschläge zu erkennen und zu benennen. Das ist nicht schwierig. Kniffliger wird sein, herauszustellen, was eigentlich dahinter steckt. Denn die Worte des Vorschlagenden, in unserem Fall Bundesinnenscharfmacher Thomas de Maizière, sagen selten das, was ihn motiviert. Es kann sich zum Beispiel um einen Test handeln. Das Thema wird einfach mal in den Raum gestellt und geguckt, wie die Öffentlichkeit darauf reagiert. Erfüllt ist so auf jeden Fall der Zweck, dass der Vorschlag schon mal da war. Beim zweiten Versuch wirkt er dann nicht mehr so arg. Gern lenken unsere Darsteller auch von schlimmerem Geschehen ab. Im Augenblick sehen wir nichts dergleichen. Das Versagen des EU-Gipfels oder Merkels fehlende Menschlichkeit können nicht übertüncht werden. Dritte Motivation kann sein, dass sich der- oder diejenige ins Gespräch bringen will. Stimmt, um Thomas war es etwas still geworden. Doch so nötig hat er es eigentlich nicht.

Die Medien sind noch leichter zu durchblicken. Ihnen wäre unser neuer Beauftragter ein Dorn im Auge. Er nimmt ihnen ein Thema weg. Ihnen ist es nämlich total egal, wie sinnvoll ein Vorschlag ist. Entweder ist der Vorschlagende populär oder der Vorschlag blöd genug, um sich daran festbeißen zu können. In unserem Fall sind beide Kriterien gegeben. So werden Sendezeit und Auflage gefüllt. Jetzt vor Weihnachten geht die Politik langsam in Ferien. Immer weniger ereignet sich. Ein neuer Anschlag steht nicht ins Haus. Der alte gibt wenig her. Da sind sie froh, wenn sie ihre Talkshows und Leitartikel mit etwas füllen können.

Für die letzte, die es nicht mitgekriegt hat, Thomas de Maizière schlägt einen Beauftragten für Antisemitismus vor. Ähnlich den Beauftragten für Drogen, Behinderte, Migranten usw. Als Donald nämlich Jerusalem aus US-Sicht zur offiziellen israelischen Hauptstadt erklärte, demonstrierten in Berlin arabische Menschen. Dabei wurden Israel-Fahnen verbrannt. Und das treibt den Blutdruck der politisch Korrekten in die Höhe. Israelische Fahnen brennen auf deutschem Boden! Das ist Staatsräson und geht gar nicht! Das ist, als ob deutsche Fahnen brennen. Und noch schlimmer. Strafbar ist das nicht. Denn es handelt sich um keine offiziellen Fahnen. Also welche zum Beispiel von Botschaftsmasten. Dann ist der bunte Stoff Symbol und unantastbar. Alles mit Israel ist bei uns aber ganz schlimm und deswegen. Da haben wir uns die Judenfeindschaft mit den Migranten ins Land geholt. Denkste, sagen die noch Korrekteren, 20 % der Deutschen sind latent antisemitisch. Aus welcher gekauften Umfrage sie das wissen, wird nicht gefragt. Sofort erinnert sich das Medienheer an die pöbelnden Fußballjungs, die in Berlins Kreisklasse die Spieler einer rein jüdischen Mannschaft beschimpften. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland fordert den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland zu Reaktionen auf. Die israelische Regierung zeigt sich irritiert bis empört. Weil auch unser kommissarischer Außenminister, der schlaue Sigmar, gesagt hat, dass er und alle Europäer Donalds Anerkennung gar nicht gut finden. Gut, was die EU sagt, juckt weder Donald noch einen Sandfloh in Negev. Aber immerhin.

Doch wir armen Bundesbürger haben nun den Salat. Weil seit Monaten ohne neue Regierung, haben wir die alten Blödmänner und –frauen noch immer am Hals. Thomas wollte mal sagen, dass er auch noch da ist. Vielleicht wollte er ja Tillich-Nachfolger in Sachsen werden. Doch er ist dem dortigen Landesverband der CDU zu links. Deshalb macht das jetzt der Kretschmer von der polnischen Grenze. Doch bei allem Verständnis für seine persönliche Situation, würde ich als Beauftragter gegen dusselige Vorschläge den Thomas kräftig verwarnen. Weil ein paar wütende Araber in Berlin Stoffstücke anzünden, weil ein paar andere auf dem Fußballplatz oder Schulhof pöbeln, brauchen wir alle jetzt eine Özoguz für Antisemitismusfragen. Religion ist bei uns offiziell Privatsache. Der Staat hat damit nichts zu tun. Er kommt nur dann ins Spiel, wenn das Strafgesetzbuch berührt wird. Und dafür haben wir Staatsanwälte und die Polizei. Dieses Eindringen erfundenen Glaubens, und nichts anderes sind Religionen, in die Gesellschaft ist abzulehnen. Grundelement jeder Religion ist Toleranz. So sollten sich religiöse Menschen gegenseitig aushalten und müssen uns nicht behelligen. Wir stehen doch kurz vorm „Fest der Liebe“. Also bitte.

P.S. Kriege ich die Stelle?

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