Böser Bube FDP

Keine 24 Stunden ist es her, da sagten wir, die Sondierer können wir so oder so nicht mehr ernst nehmen. Als wollten sie uns recht geben, benehmen sie sich nach dem Scheitern ihrer Bemühungen wie die Kinder im Sandkasten. Besonders die Blassen. Und das entlarvt ihr wichtigstes Ziel. Sie wollten unbedingt regieren. Nur so ist zu erklären, dass angeblich Kompromisse mit der CSU möglich waren. Nun funkt ihnen die FDP dazwischen und verlässt die Sondierungsgespräche. Da sind die Blassen aber so richtig sauer. „Kurz vor einem Ergebnis standen wir“, behaupten sie. Von vielen offenen Punkten sprechen die Lindners. Wir wissen es nicht. Weil ja alles so geheim war. Die Blassen führen die Front der FDP-Beschuldiger aber lediglich an.
Die unionierte Christenheit samt ihres Medienanhangs sieht das genauso. Alle danken Angela Merkel für ihre großartige Moderation. Laut FDP hat sie am wenigsten zur Kompromissfindung beigetragen. Wissen wir auch nicht. Schnell und flexibel ist sie jedenfalls nicht. Vielleicht doch wichtige Eigenschaften bei solchen Verhandlungen.
Der Deutschlandfunk schiebt der FDP vorsorglich die Verantwortung für die mögliche Stärkung der AfD bei Neuwahlen zu. Sie werfen den Lindners vor, das hätten sie kühl kalkuliert. Ja was denn bitte sonst? Ich hoffe, dass sich die FDP das gut überlegt hat. Wäre ein zornbebender Christian mit hochrotem Kopf irgendwie glaubwürdiger gewesen? Lauter dummes Zeug wird da geredet.
Es kam eben nicht zusammen, was wir uns auch nur schwer vorstellen konnten. Das ist kein Staatsdrama. Zum ersten Mal könnten in der BRD Neuwahlen nach gescheiterten Koalitionsverhandlungen anstehen. Im Alter von dann 69 Jahren kann unsere Republik das verkraften. Dass die Sozis aus Staatsräson einspringen, ist nicht nötig. Die GroKo hatte bei der Wahl 13 Prozentpunkte verloren. Wenn es einen Wählerwillen gibt, ist er an dieser Stelle sehr deutlich. Außerdem kann sich auch eine SPD so schnell nicht neu wiederfinden.
So einfach ist das gar nicht mit Neuwahlen, heißt es. Quatsch! Schröder hat das 2005 unter ganz anderen Voraussetzungen hingekriegt. Der hatte eine Mehrheit, Merkel nicht. Eine Minderheitsregierung wird sie nicht anführen wollen. Pfui, die könnte ja Zustimmung von der AfD kriegen. Und was dann? Schon bei der scheiternden Kanzlerwahl, die vorgeschrieben ist, könnten die Rechten ihren Schabernack treiben. Dass sie bei Neuwahlen profitieren, ist längst nicht sicher. Dieses reflexartige Schuldzuschieben in Richtung FDP jedenfalls ist schäbig. Alle vier Beteiligten sind gleichermaßen fürs Scheitern verantwortlich. Da alles ganz geheim war, müssen wir davon ausgehen.
Wenn Steini mitmacht, gibt es etwa zu Aschermittwoch Neuwahlen. Bis dahin haben unsere Parteien viel zu tun.
Die demokratisch Unionierten müssen gucken, ob sie es nochmal mit Angela versuchen. Immerhin holte sie ein mieses Wahlergebnis und scheiterte bei der Regierungsbildung. Die sozialen Christen suchen nur noch nach der Wüste, in die sie Horst schicken können. Neben dem Söder Markus hat sich der Dobrindt Alexander wichtig gemacht.
Die Sozis suchen sich gerade. Mit dem Verlierer-Lokführer können sie eigentlich in keinen Wahlkampf mehr ziehen.
Die Linke ist mit Flügelkämpfen beschäftigt und stellt sich die Systemfrage. Der geht die Neuwahl am Abend vorbei.
Die Lindners sind weiter für Digitalisierung und sich selbst.
Die AfD sucht immer noch Möbel für die neuen Büros aus. Aus ihren Reihen stammt eine große Verliererin. Frauke Petry hat keine Partei mehr und wird ihr Mandat wohl verlieren. Dabei hat sie gerade ein 5. Kind gekriegt und konnte die 9.000 € Diät gut gebrauchen.

Es ist was los in unserem postdemokratischen Theater. Die Laiendarsteller geraten immer außer Fassung, wenns mal nicht nach Plan läuft. So lassen Sie uns doch beim Improvisieren fröhlich zuschauen.

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