Lahme Enten dümpeln vor sich hin

Noch sind die Teiche im Land nicht zugefroren. Still liegen sie da unter kühlen Morgennebeln. Kaum ein Vogel begrüßt zaghaft den Tag. Zwei Spaziergängerinnen mit Hund sowie drei Jogger mit Smartwatch haben sich in den Park verirrt. Keine Welle kraust die dunkle Wasserfläche. Kopf und Schnabel der Enten stecken noch im Gefieder. Ein friedliches Bild. Zur selben Stunde schlurfen ihre Artgenossen völlig erschlafft aus dem Haus mit Balkon. Wieder hat eine Nachtsitzung nicht geholfen. Kraftlos sinken sie auf den Rücksitz ihrer Dienstlimousinen. Wolfgang Kubicki wirkt am glücklichsten. Konnte er sich doch zwei frische Hemden von Jürgen Trittin borgen. So hält er das verlängerte Wochenende auch noch durch. Diese Enten haben keine Flügel. Doch nicht nur deshalb sind sie deutlich lahmer als ihre Kollegen auf dem Teich. Auch sie werden von uns gefüttert. Statt mit Brotkrumen mit 500 Euro-Scheinen, die aber bald abgeschafft werden. Ganz schön teure lahme Enten, die wir uns da leisten. Unserer Prognose, dass es bis Ostern dauert, kann nur ein vorzeitiges Scheitern einen Strich dadurch machen. Oder Kubickis Frau, die ihm keine frischen Hemden bringt.

Stolz verweisen unsere Sondierer darauf, dass es entgegen landläufiger Behauptungen eben doch Unterschiede zwischen den Parteien gibt. Deshalb werden sie ja auch nicht fertig. Nehmen wir mal an, sie ringen auf dem Balkon wirklich um Inhalte. Diese unterschiedlichen Positionen und ein Ringen um die bessere hätten wir gern vor dem 24. September erlebt. Sie erinnern sich noch? Da sollte Wahlkampf sein. Der Lokführer wollte Kanzler werden. Einzige Kontroverse war, ob die Flüchtlingspolitik 2015 gut oder schlecht war. Von den kleinen Parteien hörten wir nicht viel. Einzig die AfD konnte bei diesem Thema mittröten. All die Kontroversen hätten wir gern auf offener Bühne erlebt. Vor der Wahl! Damit wir eine gehabt hätten. Ein weiterer Unterschied wäre gewesen, dass wir hätten hören können, was die Parteien wollen. Jetzt ist ja alles furchtbar geheim. Die Journaille wartet brav vor der Tür, um dann morgens gemurmelte Halbsätze zu interpretieren. Ob die Interpretation stimmt, weiß niemand. So erfahren wir gar nicht, worüber sie dort im einzelnen streiten. Eine Politshow ohne demokratische Tünche. Denn eigentlich sind die Sondierungen gar nicht nötig. Wir haben das neulich schon beschrieben. Der Bundestag ist konstituiert. Sogar die AfD durfte Platz nehmen. Gesetze wie zum Beispiel der Haushalt für 2018 oder für die Verlängerung bzw. das Ende von Kriegseinsätzen könnten besprochen und abgestimmt werden. Leider wissen insbesondere die jamaikanischen Abgeordneten noch nicht, wie sie abstimmen sollen. Eben weil ihre Oberen aus den Parteien das auch noch nicht wissen. Wie gesagt, eine Politshow. Vor der Wahl gab es nur zwei ernsthaft erwartbare Mehrheitskonstellationen. Schwarzrot oder Jamaika. Die Sozis werden intern frühzeitig Zeichen gegeben haben, dass sie nicht mehr mitmachen wollen. So wussten unsere Politdarsteller bereits im Sommer, was auf sie zukommt. Oder sie hätten es wissen müssen. Alle dort halten sich doch für regierungsfähig. Wer über die Geschicke eines Landes entscheiden zu können glaubt, der muss in der Lage sein, in die Zukunft zu denken. Ihnen konnte schon am Wahlabend klar sein, wie weit sie aufeinander zugehen wollen. Stattdessen gab es dreieinhalb Wochen Pause. Auch in jener Zeit machte sich offenbar kaum jemand Gedanken. Nur die unionierte Christenheit einigte sich am 7. Oktober auf eine Obergrenze, die nicht so heißt. Niedersachsen wählte und hat inzwischen eine neue Regierung. Seit dem 18. Oktober hampeln sie nun auf dem Balkon rum. Ernst können wir sie aus den genannten Gründen längst nicht mehr nehmen. Daran wird ein Ergebnis, wie immer es aussieht, nichts mehr ändern können.

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