Profi am Steuer, Teil 2

Vor etwa vier Monaten habe ich schon einmal von meinen Erlebnissen mit diversen Taxifahrern erzählt. Damals schnitten die Frauen der Zunft nicht gut ab. Mittlerweile gab es viele weitere Fahrten und diesmal sind es alles Männer, von denen ich erzählen kann.

Neulich gab es einen Wasserrohrbruch unter der Flughafenstraße. Ich las es in der Zeitung und sagte der Zentrale Bescheid. Nun gut, das Taxi kam dann doch pünktlich. Ein Fahrer am Steuer, der nach drei Jahren immer noch erklärt, er sei halt fremd in Dortmund. Etwas fragwürdig, aber bitte sehr. Es gibt ja Navis. Allerdings muss Fahrer sein Gerät bedienen können, um in den Genuss der technischen Segnung zu kommen. „Ich hab dauernd ein anderes“, hörte ich zu diesem Thema. Auf die Möglichkeit eines eigenen hinzuweisen, verkniff ich mir. Der Mann machte ohnehin einen sehr traurigen Eindruck. Das Dumme war, der Rohrbruch war nicht die einzige Baustelle zwischen zuhause und Dialyse. So hoppelten wir erst über einen Bürgersteig und landeten im nächsten Stau. Die Fahrt dauerte dann doppelt so lange. Sicher kann Fahrer dem Navi sagen, welche Straßen es meiden soll. Wenn er es denn kann. Auch ihm erzählte ich von meiner Zeitungslektüre. Ich habe ja Zeit für sowas, meinte er. Er nicht. Es wäre ja so viel los. Meine Stimmung war zu gut. Sonst hätte ich ihm einen Tausch angeboten. Ich fahre statt ihm ein bisschen Taxi, könne dafür aber wieder sehen und habe gesunde Nieren. Hinterher empfand ich seine Einlassung als bodenlos. Als ich ihn bei der nächsten Fahrt darauf ansprach, konnte er sich an nichts erinnern. Während der weiteren Fahrt hatte er zu allem eine konträre Meinung. Aber immer genau entgegengesetzt. Hätte ich das Gras für grün erklärt, hätte er es an jenem Mittag eher blau gefunden. Ich habe mich anschließend mit mir geeinigt, Unterhaltungen künftig zu vermeiden. Als ich ihm das sagte, musste er mich dennoch zweimal fragen, was denn nun mit der Flughafenstraße los ist. Ich wusste es nicht. Ist es nicht eher sein Job als Profi, so etwas zu wissen? Wie ist es um die Kollegialität bestellt, wenn er nicht über Funk fragen mag. Da fahren noch zehn andere Profis rum.

Ich fahre immer mittags hin und 17.45 Uhr zurück. So habe ich es meist mit der Tagschicht zu tun. Natürlich gibt es auch Nachtfahrer. Das ist eine andere Spezies. Sie haben ja auch andere Kunden. An ihrem heißen Reifen, den sie fahren, können wir ablesen, dass nachts die Straßen leer sind. Das erste Exemplar findet sich ganz toll. Das ist bei dieser Spezies normal. Er parlierte in geschliffenen Worten. Über den BVB und seinen Trainer. Er brachte mich zur Haustür. Sehr nett. Ich kramte den Schlüssel aus der Tasche. Noch ganz benebelt von den Borussentheorien. Bis ich was merkte, fuhr er schon weg. Ich war an einer fremden Tür. Nun fiel auf, dass wir im stillen Winkel wohnen. Kein Mensch weit und breit. Ich konnte um ein Haus falsch oder ganz woanders sein. „Suchen hat wenig Sinn“, dachte ich mir. Zum Glück fiel mir mein Mobtel ein, das ich zur Dialyse immer mitnehme. Die Zentralistin fand die Situation auch nicht komisch und pfiff ihren Fahrer über Funk zurück. Er hatte mich am Nebenhaus abgesetzt. Schuldbewusstsein keines. Das kennen Supernachtfahrer nicht.

Das dritte Exemplar kannte ich nicht. Er marschierte in die Praxis und fragte: „Ich soll hier jemanden abholen. Den Namen kenne ich nicht. Aber der ist blind.“ So ging ich mit ihm. Im Wagen klärten wir erstmal, wohin ich fahren will. Sein Navi konnte er soweit bedienen. Glückwunsch. Dann blinkte ein Lämpchen unvorschriftsmäßig. Dreimal fragte er mich, ob ich angeschnallt sei. Wiederholen war für diese Fahrt das Stichwort. Meinen Namen sagte ich ihm dreimal. Wie viele Kilometer es wären, fragte er mich fünfmal. Ich konnte ihm nur den Fahrpreis sagen. Dann durfte ich noch warten, bis er seinen Zettel ausgefüllt hatte. Dass ich nicht unterschreiben muss, brauchte er wieder dreimal. Zum Glück nur mündlich. Auch er kam nicht auf die Idee, all die Infos bei seiner Zentrale zu erfragen. Würde doch einen professionelleren Eindruck machen, oder?

Abschließend erzähle ich gern von einem positiven Erlebnis. Wir hatten uns ein Stadttaxi bestellt, um zu einem Campingplatz in Drüpplingsen zu fahren. Von diesem Örtchen nahe Iserlohn hatte ich zuvor nie gehört. Wir kannten nur die Adresse. Unser Fahrer war sehr freundlich. Er nutzte und beherrschte sein Navi. Das sollte die kürzeste Route suchen. So fuhren wir über Land. Dass er eine Schnapsbrennerei am Wegesrand wiedererkannte, sprach nicht gegen ihn. Ins Gespräch mischte er sich sehr sparsam ein. Andere Exemplare kennen da keine Gnade. Wir verfuhren uns kein einziges Mal. Als er mitbekam, dass wir nachmittags wieder heim wollten, bot er an, uns abzuholen. Zu diesem Zweck tauschten wir Mobilnummern aus. Auch dies klappte auf Anhieb. Ein echter Profi, wie wir ihn uns vorstellen. Weil das so selten ist, haben wir seine Visitenkarte für künftige Ausflugsfahrten zum Beispiel zum Horstmarer See behalten.

Eine Begebenheit fällt mir noch ein. Offenbar haben wir in Dortmund Taxifahrer, die regelmäßig für die Stadtwerke fahren. Wenn denen mal wieder ein Bus oder eine Bahn stecken bleibt. An diesem Nachmittag war es die U44 zum Höschpark. An einer Eisenbahnbrücke war die Oberleitung der Straßenbahn kaputt. Ab Ostentor ging es mit großen Taxen auf Kosten der DSW21 weiter. Dafür haben die Fahrer eigens ein Schild mit der Aufschrift DSW-Fahrt im Wagen. Der Fahrer war freundlich und erzählte, zwei- bis dreimal die Woche fährt er DSW-Fahrgäste, weil da was kaputt ist. Über den maroden Zustand unserer Dortmunder Infrastruktur wollen wir nochmal gesondert schreiben. Dass es so schlecht um unsere Bahnen steht, ahnten wir bislang nur. Sie erinnern sich vielleicht an die Hoffnungsbahn zwischen Grevel und Hombruch?

Für heute war es das mit den neuesten Geschichten von Profis am Steuer. Die esoterische Fahrerin aus der ersten Geschichte ist mittlerweile gekündigt. Schade. Die 81jährige Frau „muss“ immer noch fahren. Ein Elend ist das mit unseren Renten! Es bleibt spannend.

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