Brief an die CSU-Wähler

Liebe CSU-Wähler,

ich weiß, dass es Euch heute nicht gut geht. Das tut mir sehr leid und deshalb will ich Euch gern Mut zusprechen. Ja ich weiß, die Wahl in Bayern ist mies ausgegangen. Zwei Wochen vorm Wahltag ward Ihr noch dick im Rennen und dann landet Ihr bei schlappen 39 %. Sozusagen sehr deutlich unter Eurer eigenen 50 %-Hürde. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn nicht schon nächstes Jahr im September Landtagswahlen wären. Die sind deutlich wichtiger als so eine Bundestagswahl. In Berlin ist es für Euch normal, als kleinste Partei eine große Klappe zu haben. Auch wenn Ihr selber posaunt, dass es Euch zuerst um bayerische und dann erst um bundesdeutsche Interessen geht. Aus Sicht eines Nichtbayern habt Ihr mit Euren Regionalinteressen im Bundestag gar nichts zu melden. Aus Eurer Sicht ist man mit dieser Ansicht nicht nur a Saupreiß, sondern auch ein Nichtchrist. Denn die christlich unionierten Demokraten halten ja fest zu Euch. Vor allem die in Sachsen. Schon allein deshalb, weil geteiltes Leid bekanntlich halbes Leid ist. Die CDU in Sachsen hatte ja mal Höhenflüge wie Ihr. Und jetzt sind sie nur noch zweitstärkste Partei im Land. Soweit ist es im schönen Bayern noch nicht. Etwas merkwürdig für einen Normaldeutschen ist auch, dass jetzt nicht der Spitzenkandidat Herrmann für das miese Wahlergebnis verantwortlich gemacht wird. Obgleich der noch nicht einmal ein Direktmandat errang. Vielmehr ist es der liebe Horst, den Ihr nicht mehr liebhabt. In der Zeitung beklagte er sich darüber. Ein gestandenes Mannsbuild wie der und heult was rum wie „Hetzkampagne gegen seine Person“. Verhandlungsführer darf er in Berlin noch spielen. Bei diesen merkwürdigen Sondierungen. Pfui, da sollen ja sogar Grüne mit am Tisch sitzen dürfen. Warum macht das eigentlich nicht der gescheiterte Herrmann? Soll das vielleicht ein Zückerchen zum Abschied sein? Weil, bald habt Ihr ja Parteitag und der Söder scharrt kräftig mit den Hufen. Die jungen Schnösel Eurer besten aller Parteien haben ihn bereits auf ihren Schild gehoben. Bei einem Durchschnittsalter von 60 Jahren spielen die aber nicht die entscheidende Rolle. Ist schon klar. Nun sagen die schlauen Journalisten zum Beispiel vom Münchener Merkur oder der Passauer Freien Presse, dass es auf Seehofers Erfolge bei den Sondierungen ankäme. Ein bisschen gemein ist das tatsächlich. Mit Euren 6,5 % soll der Horst da was durchdrücken. Gut, das ist Euch mit der Maut und davor mit der Herdprämie auch gelungen. Stimmt schon. Aber da kommen wir zum nächsten Problem. Was ist denn diesmal Eure Forderung? „Weiter so!“ Gar nicht schlecht. Aber das sagt ja schon die Landpommeranze aus dem Nordosten. „Obergrenze“? Die ist doch auch schon ziemlich ausgenudelt. Außerdem flüchten auch gar nicht mehr so viele Menschen in Euer schönes Bayern. Von Norden her will keiner, weil wir Euch kennen. Im Süden blockieren die Ösis mit ihrem feschen Sebastian die Sache. Auf den seid Ihr schon ein wenig neidisch, gell? So einen strammen Burschen hättet Ihr schon ganz gern. Und der blöde de Maizière verlängert die wieder eingeführten Grenzkontrollen sowieso auf ewig. Nicht einmal das kann der Herrmann für sich verbuchen. Für die Mütterrente seid Ihr. Alle Mütter vor und nach 1992 sollen drei Jahre je Kind angerechnet bekommen. Ganz schön teuer und so richtig reißt das keine Frau vom Stuhl. Wir sehen es ein und Euch nach: Wer vor der Wahl kein Programm hatte, kann nach der Wahl auch nicht so schnell irgendeine Politik aus dem Hut zaubern. Das ist jetzt Euer Kreuz, das Ihr tragen müsst. Da macht Euer Dobrindt erstmal weiter wie immer und beschimpft die Grünen ein bisschen. Vonwegen Schwachsinnszahlen wegräumen ist noch kein Kompromissangebot“. Das ist hübsch, hilft aber auch nicht weiter. Am besten, wir verschieben das Sondieren bis nach Eurem Parteitag. Zeit haben wir ja reichlich. Die blöden anderen Parteien kennen sich nicht einmal mit den christlichen Festen aus. Bis Weihnachten wollen die fertig sein. Ist doch Quatsch. Das Fest im Frühling heißt Ostern. In Bayern weiß das jeder. Bis dahin soll die Regierung stehen. Oder etwa nicht? Ihr habts echt nicht leicht mit den Restdeutschen. Wie oben schon gesagt, das verstehen wir. Macht Ihr in Ruhe erstmal Euren Parteitag, auf dem Ihr überlegt, wer nächstes Jahr neuer bayerischer König werden soll. Danach habt Ihr Euch eine Weihnachtspause verdient. So im neuen Jahr, nach Eurem berühmten Treffen in Wildbad Kreuth, das ja seit 2016 woanders stattfindet, kann weitersondiert werden. Frohe Feiertage. Vergelts Gott.

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