Ich habe es satt – Gedanken zum Lutherjahr

Zu Beginn ein paar Zahlen:

In der BRD gehören amtlichen Statistiken zufolge ca. 55 % der Bevölkerung einer christlichen Kirche an. Wenn man bedenkt, wie viele davon nur auf dem Papier Gläubige sind, können wir getrost eine sehr viel geringere Prozentzahl annehmen. Trotzdem erdreisten sich kirchliche Würdenträger genauso wie die unionierten Hinterwäldler in der Politik, von der deutschen Bevölkerung als homogene Masse von Christen zu reden. Muslime werden wenigstens (als Gefahr) wahrgenommen. Atheisten kommen grundsätzlich nicht vor. Die gibt es in der öffentlichen Diskussion schlicht nicht.

Wir als Nichtchristen mussten gerade das Lutherjahr über uns ergehen lassen. Luther allerorten. Im Fernsehen, im Rundfunk, auf Bahnhöfen und in Reisebüros, auf Plakaten, in Buchläden, in Vorträgen, in Zeitungen, auf Tassen, Taschen, T-Shirts usw. Es wurde Luther-Bier und Luther-Pasta verkauft. Mein persönlicher Favorit ist die Playmobil-Frau mit Luthers Bibelübersetzung in der Hand. Der Kommerzialisierung sind keine Grenzen gesetzt.
Auch den bombastischen Kirchentag haben wir noch in unguter Erinnerung. Dort inszenierten sich evangelische Christen mit den Mächtigen dieser Welt auf einer großen Bühne. Das an den Händen klebende Blut von Obama und Merkel wurde geflissentlich übersehen.

Bitte. Können sie alles machen. Wenn eine religiöse Gruppe sich so gebärdet, könnte mich das kalt lassen. Denn ich muss ja nicht dazugehören.

Aber genau da liegt die Krux. Wir leben in einem säkularen Staat, heißt es. Auf dem Papier besteht eine Trennung zwischen Staat und Kirche. Trotzdem werden mir als Nicht-Christ Dinge übergestülpt, die ich zutiefst ablehne. Ich werde zu Zahlungen herangezogen für eine antidemokratische Institution, zu der ich auf gar keinen Fall gehören will.

Ein paar Beispiele. Es ist nicht hinzunehmen:

  • Dass die nicht gerade schmalen Bischofsgehälter für Tebarz van Elst und Konsorten in Deutschland von uns allen, aber nicht von der Kirche bezahlt werden.
  • Dass in kirchlichen Institutionen geltendes Arbeitsrecht mit Füßen getreten wird.
  • Dass Säuglinge und unmündige Kinder in Kirchen gepresst werden. Nach dem Motto: je früher, desto besser, wenn man vollkommene Schäfchen heranzüchten will.
  • Dass in Schulen und öffentlichen Räumen Hinrichtungswerkzeuge, als religiöses Symbol verbrämt, herumhängen.
  • Dass der Staat sich mittels Kirchensteuer um die Finanzierung von Glaubensrichtungen kümmert.
  • Dass Religionsunterricht in öffentlichen Schulen angeboten wird.
  • Dass sich die Würdenträger unter den Christen dauernd anmaßen, für uns alle zu sprechen.
  • Dass sie sich erdreisten, die Verbreitung humanitärer Werte für sich in Anspruch zu nehmen. Wenn sich humanitäres Denken im „christlichen Abendland“ durchgesetzt hat, haben wir das der Aufklärung zu verdanken. Und dies geschah gegen den erbitterten Widerstand der Kirche.

Die christlichen Kirchen nehmen einen Raum ein, der ihnen in keiner Weise zusteht. Was sie machen, ist nicht illegal. Denn sie haben es verstanden, sich gut zu stellen mit den jeweils Mächtigen und somit die Gesetze in ihrem Sinne zu beeinflussen. Zu allen Zeiten und unter jeder denkbaren Staatsform.

Als Nicht-Christ spreche ich ihnen jedoch die Legitimation ab. Sie sollen mich endlich in Ruhe lassen und ihre absurden Glaubenssätze in ihren Gemeinden verkünden. Also nur bei den Menschen, die sie hören wollen. Ich will es nicht. Ich will die christliche Kirche – und natürlich auch keine andere – schlicht nicht in dieser überbordenden Präsenz ertragen müssen. Lautstark dröhnen christliche Kirchen in unsere Ohren. Jeden Tag, den „Gott werden lässt“. Noch häufiger an Sonn- und Feiertagen. Je nach Wohnort aus mehreren Türmen nacheinander. Wenn Menschen Moscheen ablehnen, weil sie das Rufen des Muezzins nicht hören wollen, kann ich nur schmunzeln. Das Gejohle ist nicht schlimmer als das Gebimmel. Legt diese Lärmquellen still und lasst himmlische Ruhe einkehren.

Nun hat uns ein zum Revolutionär hochstilisierter Luther und der Hype, der um ihn veranstaltet wurde, einen zusätzlichen Feiertag in NRW beschert. So weit, so gut. Wer hat schon etwas gegen einen Feiertag? Bis auf den 3. Oktober und den 1. Mai sind alle unsere Feiertage christlichen Ursprungs. Auch in diesem Bereich wäre ein wenig Phantasie gefragt. Und damit meine ich jetzt nicht muslimische Feiertage. Damit kommen wir ja vom Regen in die Traufe. Wie wäre es denn mit einen Tag des Friedens? Einem Tag der Liebe? Einem Tag der Zukunft? Einem Tag der Vernunft?

Kurzer Nachtrag zum Thema Bischofsgehälter:
In Deutschland zahlen abgesehen von Hamburg und Bremen die Bundesländer die Gehälter der Bischöfe der katholischen und evangelischen Kirchen. Sie geben dafür jährlich insgesamt etwa 485 Millionen Euro aus. Ca. 10.000 pro Monat und mehr „verdient“ ein Bischof, oftmals werden noch Dienstwohnungen und Dienstwagen mit Chauffeur gezahlt. (Es gilt Beamtenrecht)

 

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