Ethnische Säuberung in Asien

Die westliche, wertegetragene Gemeinschaft müsste erschüttert sein. Erinnern Sie sich noch, was hier los war, als der IS die Jeziden im Irak tötete, versklavte und vergewaltigte. Frau von der Leyen hisste die moralische Fahne und begann umgehend mit Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak. Das waren die einzigen, die diesen armen Menschen Hilfe bringen können. Zwar darf die BRD keine Waffen in Kriegsgebiete liefern. Aber wer kann sich so etwas tatenlos ansehen? Vor einigen Monaten guckten sie mal nach, ob die Waffen auch noch alle bei den guten Kurden sind. Laut Bundeswehr ja. Ginge es nicht ums Töten, wärs doch ein nettes Kasperletheater. Auch war es überhaupt keine Frage, Jeziden hier in Deutschland aufzunehmen. Da krähte kein Thomas nach „subsidiärem Schutz“. Die könnten jetzt nämlich alle zurück, weil der IS weggebombt ist. Und dies ist nur ein Beispiel, wie unsere Politdarsteller trennscharf zwischen Gut und Böse, rettungswürdigen Menschen und solchen ohne echten Grund zur Flucht unterscheiden können.
Seit Wochen spielt sich in Asien eine menschliche Tragödie nach der anderen ab. Ausgelöst durch einige Anschläge der Rohingya greift das Militär Myanmars diese Volksgruppe heftig an. Etwa 1 Mio Rohingyas lebten bis August in der Region Rakhine im Norden Myanmars. Etwa 1,5 Millionen galten bis dahin als geflohen. Sie leben staatenlos im Exil, doch auch hier sind sie Repressalien ausgesetzt. Auf Betreiben Myanmars kommt es in verschiedenen Staaten zur illegalen Inhaftierung von Exil-Rohingya, so in Bangladesch, Indien, Pakistan, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Thailand und Malaysia. Die Armee Myanmars geht bestialisch gegen die Menschen vor. Sie werden getötet, gequält, erniedrigt, vergewaltigt und verlieren jeden Besitz. Viele Dörfer wurden komplett niedergebrannt. Mittlerweile sind etwa 350.000 weitere Rohingyas nach Bangladesch geflohen. In ein bitterarmes Land, in dem 80 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben. Es ist buchstäblich kein Platz für neue Menschen. Bangladesch ist deutlich weniger als halb so groß wie die BRD (147.000 zu 357.000 qkm). Dafür leben dort doppelt so viele Menschen wie hier bei uns (162 Mio zu 83 Mio). Wälder müssen gerodet werden, um überhaupt Raum für neue, provisorische Flüchtlingslager zu schaffen. Viele Rohingyas kommen irgendwie bei den armen Verwandten unter. Die Ministerpräsidentin fordert ihre Bürger auf, nicht mehr zu helfen. Das klingt nach Viktor Orban. Wir meinen aber, dieser Aufruf entspringt der puren Not. Das UNHCR ist vor Ort und tut, was es kann. Von einer Welle der Hilfsbereitschaft, die den Globus überzieht und besonders im Westen propagiert wird, keine Spur. Zum Glück kommt Kriegsministerin von der Leyen nicht auf die Idee, die Rohingyas zu bewaffnen und auszubilden. Vom Entwicklungschristen Müller ist aber auch nichts zu hören. Ebenso wenig wie vom Obersozi Sigmar, der ja Außenminister spielen darf. Unsere Medien berichten pflichtschuldigst ein wenig. Wir nehmen das zur Kenntnis. Genauso wie die Flüchtlingslager in Jordanien oder im Libanon. Was geht das uns an? Lieber beschäftigt sich unser Spitzenpersonal im Kanzlerduell mit der Frage, ob vor zwei Jahren alles richtig gelaufen ist. Seitdem ist Deutschland ja über jeden Zweifel erhaben. Zufällig beginnt gerade die jährliche UN-Vollversammlung. Fast alle sind da. Nur Aung San Suu Kyi nicht. Sie ist Präsidentin von Myanmar. Erst heute, am 19. September, verurteilt sie das Vorgehen der Armee. Nebenbei ist sie Friedensnobelpreisträgerin. Gut, Sie werden sagen, spätestens seit Massenmörder Barack sollten wir daran keine höheren Maßstäbe mehr knüpfen. Haben Sie auch wieder recht. So wird Myanmar in New York auch kein großes Thema sein. Für unsere Leitmedien sowieso nicht. Für die ist natürlich die Frage am wichtigsten, wie Donald sich bei den UN benimmt. Donald ist ja immer wichtig. Ob es regnet oder schneit. Ob er hustet oder weint. Donald will die US-Zahlungen an die UN kürzen. Hat er im Wahlkampf getrötet. Diese Weltorganisation steht auf tönernen Füßen. Genau wie beim Klimaquark könnten die anderen sich zusammentun und die finanziellen Ausfälle ausgleichen. Tun sie aber nicht. Fürs Klima trompeten kostet ja nichts. Ob Donald seine Drohung umsetzt, werden wir sehen. Den Menschen in Myanmar und Bangladesch ist es gleichgültig. Vielleicht sterben sie etwas eher. Übrigens erzählen unsere Qualitätsmedien etwas von religiösen Motiven. Richtig, die Rohingyas sind Muslime und die meisten Birmesen sind Buddhisten. Im Buddhismus ist es wie in allen großen Religionen. Du sollst nicht töten. Im Zweifel hält sich keiner dran. Auch nicht bei den Buddhisten. Mönche bringen Menschen um. Andererseits sind die Rohingyas nur eine von über 150 Volksgruppen in Myanmar. Sie sind die verfolgteste mit den wenigsten Rechten. Die Religion dient wieder mal als Vehikel. Eine Lösung für das Elend sehen wir nicht. Wir wünschen uns aber eine massive Hilfsaktion für diese armen Menschen. Den Begriff ethnische Säuberung haben wir übrigens von den UN übernommen. Manche sprechen schon von Völkermord.

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