Jean Claude lebt hinterm Mond

Wir sind weltweit zu lesen. Deshalb möchten wir die Redewendung kurz erklären. „Hinterm Mond leben“ bedeutet keine Ahnung haben und von der Realität nichts mitkriegen. Viele werden einwenden, dass es noch viel schlimmer ist. Juncker kriegt sehr wohl mit, wie es den Menschen in Europa geht. Er übergeht es einfach. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit – wie fast immer – in der Mitte. Der Politbetrieb schottet die Schauspieler sehr ab. Erst recht in der EU. Dort liegen zwischen Wahlvolk und Kommissionspräsidenten mehrere Ebenen. Richtig, er wurde 2014 direkt vom Volk gewählt. Er siegte gegen den Lokführer. Aber wer erinnert sich schon daran? Hören wir Jean Claude zu, tut er dies gewiss nicht. Die Fraktionen im Europarlament sind seltsame Konglomerate. Mit wem da die CDU in der EVP alles kuschelt, wollen wir nicht genau wissen. Die Christen auch nicht. Die PIS in Warschau und die Partei Orbans gehören dazu.
Gestern hielt Jean Claude vor dem Europarlament also die Rede an die Nation. In den USA heißt das so. In Deutschland nennen wir das Neujahrsansprache der Kanzlerin. Manchmal auch Regierungserklärung. Und bei Juncker ist dies eben keine Nation, sondern eine Union. Macht ja nichts, ist fast das gleiche. Jedenfalls in den Augen der Eurokraten. Wenn wir das schon mit den USA vergleichen wollen, also ein wichtiges Ereignis. Die ARD-Korrespondentin war angemessen begeistert. In den letzten Jahren sei der Luxemburger eher nörgelig und depressiv gewesen. In diesem Jahr hat sie was von Aufbruch gespürt. Vielleicht war dies der Puls von Europa? Der harmloseste Vorschlag Junckers ist, sein Amt abzuschaffen. Natürlich nicht ganz. Es soll mit dem von Donald zusammengelegt werden. Also nicht Trump, sondern Tusk. Donald ist EU-Ratspräsident, sitzt also den 27 oder noch 28 Regierungschefs vor. JC ist Chef der Kommissare. Die sind so etwas wie Minister. Nur mit noch weniger Kompetenz, siehe Oettinger für den Haushalt. Günter war eben in der Reihenfolge dran. Tosulit-Leser kennen ja die Abteilung NUBEPO beim Jobcenter. Das steht für „nur die Besten in die Politik“. In Berlin gibt es zusätzlich die Abteilung ALÜBBRÜ. Alle Überflüssigen nach Brüssel. Aber das nur am Rande. Wir sind sicher, dass sich JC für den besseren Mann für den neuen Posten hält. Wir wissen nicht genau, ob er auf diese Weise länger im Amt bleiben darf als unter den herrschenden Regeln. Vielleicht hat er ja genau wie sein Freund Martin, der Lokführer, eine Halbwertszeit. Bei Martin hatten sie die schon trickreich verlängert. In Europa einen Posten zu streichen, der dazu noch hochdotiert ist, halten wir für unmöglich. Schließlich müssen es auch 28 Kommissare sein. Damit jedes Land einen stellt. Nach der Aufgabenfülle für jeden einzelnen kräht kein EU-Hahn. Also das dürfte in den kommenden Jahrzehnten nichts werden.
Dann schlägt Jean Claude vor, den Schengen-Raum zu erweitern. Die Grenzen zwischen noch mehr EU-Ländern, möglichst allen, sollen offen sein. Das dient natürlich dem hemmungslosen Warenverkehr. Jede Lagerhaltung auf die Straße von Danzig bis Faro und Transsylvanien bis Calais. Nebenbei haben wir auch was davon. Vincent kann ohne Grenzhalt Günther besuchen. Aber die Sicherheitslage! Im Moment beäugen sich viele EU-Staaten derart misstrauisch, dass sie alles andere als offene Grenzen wollen. Die Flüchtlinge könnten sich ja von einem ins andere Land schleichen. Und dann haben die sie an der Backe. Oder gar Gefährder und Terroristen. Die Österreicher fahren am Brenner Panzer auf. Die Franzosen schotten sich gegen Italien ab, weil sie in der Grenzregion so einen kleinen renitenten Bauern haben, der diesen fliehenden Menschen auch noch hilft. Die Deutschen machten es vergebens vor dem G20-Mist. Angeblich haben sie dabei fast 700 Menschen gefangen, die per Haftbefehl gesucht werden. Ist schon schlimm, wie viele Straftäter frei rumlaufen. Und ausgerechnet im kontrollierten Grenzgebiet. Wir leidgeprüften Konsumenten der geleiteten Leitmedien müssen uns manchmal schon dummes Zeug anhören! Also mit offenen Grenzen sieht es eher schlecht aus. Die europäische Zusammenarbeit der Kriminalisten wird in den kommenden Jahrzehnten auch nichts werden.
Der dritte Vorschlag wirkt richtig böse. Juncker möchte, dass noch mehr Staaten den Euro einführen. Schmeißen wir die Briten mal vorsorglich raus, haben acht Staaten den Euro noch nicht. Wir fragen uns, ob Juncker das Beispiel Griechenlands keine Lehre ist? Oder ob er weitere Länder will, die den reichen Konzernen ihr Tafelsilber verscherbeln? Soll in weiteren Staaten das Gesundheits- und Bildungswesen den Bach runtergehen? Brauchen wir weitere junge Generationen, die perspektivlos in die Zukunft gucken? Wir empfinden diesen Vorschlag als richtig fies! So weit weg im All kann Juncker auch nicht sein, dass er nicht weiß, wie es den Griechen geht. Und sie sind nicht die einzigen. Trotz leichter Erholung haben viele junge Menschen in Südeuropa noch immer keine Perspektive. Selbst die schwarze Null mahnt zur Vorsicht. Sicher wegen der Banken und nicht wegen der Menschen. Eine starke Währung wie den Euro wirtschaftlich schwachen Ländern wie Bulgarien zu empfehlen, disqualifiziert JC für jedes europäische Amt. Doch der Mann ist bestens vernetzt und kennt die Schwarzkonten so vieler Leute, dass ihm nichts passieren kann.
Mit dieser Rede dokumentiert Jean Claude Juncker den Zustand der EU auf beeindruckende Weise. Seine Vorschläge gehen meilenweit an der Realität der Bewohner des alten Kontinents vorbei. Diese Institution lässt sich nicht reformieren. Sie muss aufgegeben und auf das reduziert werden, was sie einst sein sollte. Eine Wirtschaftsgemeinschaft. Da können sie pulsieren wie sie wollen. Es hilft nicht.

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