Warum eine Bewertung der AfD aus christlicher Sicht?

So ist ein Flyer überschrieben, den wir nach Abbruch der Veranstaltung bei der Tafel in die Hand gedrückt bekamen. Ilse hat Ihnen ja vom Verlauf des Abends erzählt. Durch diesen Flyer und weitere Recherche wurde uns erst klar, welche Brisanz die Einladung an den AfD-Vertreter hatte. Uns fiel wieder ein, dass es schon im Zuge des Kirchentags im Mai Diskussionen um Christen in der AfD gab. Für uns stand damals das Treffen von Angela mit Barack und Heinrich im Mittelpunkt. Sie werden mit uns bei der Lektüre des Flyers sehen, wie ablehnend die ev. Kirche der AfD gegenübersteht. Sie neigt dann auch zur Ausschließeritis und möchte nicht, dass kirchliche Räume für Veranstaltungen der AfD genutzt oder ihre Vertreter zu kirchlichen Veranstaltungen eingeladen werden. Darüber setzte sich die Lydia-Gemeinde am 7. September hinweg. Nun aber zum Flyer im Original.

In Deutschland ist eine neue politische Kraft entstanden, die Partei Alternative für Deutschland. Sie beschreibt sich selbst als liberal, konservativ und demokratisch. Aus politikwissenschaftlicher Sicht ist Sie allerdings klar rechtspopulistisch. Kennzeichen dafür sind
• der Anspruch, Sprachrohr einer angeblich „schweigenden Mehrheit“ zu sein;
• die Berufung auf einen ursprünglichen Volkswillen;
• die harsche Ablehnung politischer Eliten, die sich vermeintlich vom Volkswillen entfernt haben
• sowie eine offene Feindschaft gegen Minderheiten.
Es ist nicht die Aufgabe der Kirche, Parteien zu bewerten. Christen und Christinnen sind mündige Menschen und frei in ihren Entscheidungen. Es ist aber die Aufgabe der Kirche, „in den großen Entscheidungsfragen der Gesellschaft klare und eindeutige Orientierungspunkte“ zu nennen, wie es in der „Demokratiedenkschrift“ der Evangelischen Kirche in Deutschland heißt. Solche Orientierungspunkte sind
• die Menschenwürde eines jeden,
• Nächstenliebe und Solidarität,
• Demokratie und Rechtsstaat
• und nicht zuletzt der Schutz von Flüchtlingen.
Der Evangelische Kirchenkreis Dortmund ist seit Jahren in diesem Sinne aktiv, zum Beispiel durch sein Engagement für Integration und Interreligiösen Dialog oder gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Vielfältig haben sich evangelische Christinnen und Christen auch für Geflüchtete in der Region eingesetzt.
Wir bekennen uns nachdrücklich zum politischen Pluralismus und zur besonderen Rolle von Parteien für die politische Willensbildung. Gerade deshalb fühlen wir uns herausgefordert, Stellung zu der Partei zu beziehen, die eine Alternative für Deutschland sein will.
Basis unserer Beurteilung ist das Grundsatzprogramm der AfD vom Mai 2016. Einige dort vertretene Meinungen sind sicher Teil des pluralistischen Meinungsspektrums. Aber in überraschender Deutlichkeit finden sich nationalistisch-völkische Töne und Positionen, die die Demokratie grundsätzlich infrage stellen.
Eine umfassende Analyse kann eine solche Orientierungshilfe nicht ersetzen, und schon gar nicht die eigene Information mündiger Bürger und Bürgerinnen. Es soll aber im Hinblick auf die 2017 anstehenden Wahlen beim eigenen Urteil helfen und eine christliche Sichtweise vermitteln. Manches im AfD-Programm ist zudem derart provokativ, dass es kaum der Interpretation bedarf. Bitte, lesen Sie es selbst!

DEMOKRATIE
Demokratie in Deutschland ein „illegitimer Zustand“?
„Es hat sich eine politische Klasse von Berufspolitikern herausgebildet, deren vordringliches Interesse ihrer Macht, ihrem Status und ihrem materiellen Wohlergehen gilt. Es handelt sich um ein politisches Kartell, das die Schalthebel der staatlichen Macht, … die gesamte politische Bildung und große Teile der Versorgung der Bevölkerung mit politischen Informationen in Händen hat. Nur das Staatsvolk der Bundesrepublik Deutschland kann diesen illegitimen Zustand beenden.“
Fast am Anfang des Wahlprogramms steht die fundamentale Behauptung, die Demokratie in Deutschland sei weitgehend außer Kraft gesetzt. Vor allem aber wird die politische Situation unverblümt als „illegitimer Zustand“ bezeichnet. Nicht mehr das Volk sei der Souverän, sondern die Berufspolitiker hätten sich selbst an die Stelle gesetzt.
Ergebnis: Die AfD geht davon aus, dass die Demokratie in Deutschland faktisch abgeschafft ist, weil das Volk durch die Politiker von der Macht ferngehalten wird.

Tosulit: Wir haben den Eindruck, dass viele Politiker_innen sehr weit von den Bürgern entfernt sind. Das bringt der parlamentarische Betrieb in Berlin mit sich. Sie treffen sich häufiger mit Lobbyisten als mit ihren Wählern. Dazu werden sie von der Kaste der Journalisten umschwirrt, die mittlerweile dazu gehören und nicht mehr als Kritiker gegenüber stehen wollen. So können wir uns der Feststellung der AfD durchaus anschließen. Bezeichnend war ein Erlebnis in der Altenakademie. Da sagte der Veranstalter zum Abgeordneten Markus Kurth: „Vielen Dank, Herr Kurth, dass Sie uns neben Ihrer vielen Arbeit hier die Zeit geschenkt haben.“ Wir meinen dazu, das genau ist seine Arbeit – der Dialog mit denjenigen, die er vertreten will. Die Altenakademie Dortmund sieht dies offenbar anders und ist mit dieser Meinung nicht allein.

Vertreten die Abgeordneten nicht mehr die Bürger?
Im Weiteren wird kritisiert, auch die Gewaltenteilung in Deutschland sei nicht konsequent umgesetzt. Verwiesen wird auf Minister, die zugleich Abgeordnete sind, oder ehemalige Politiker, die Richter werden. Dies sind Hinweise, die auch in anderen Parteien diskutiert werden. Auch die folgende Äußerung hat durchaus ihre Berechtigung: „Parteien sollen am politischen System mitwirken …, es aber nicht beherrschen.“
Manche Auswüchse der Parteiendemokratie sieht die Evangelische Kirche ebenfalls kritisch. Im Grundsatzprogramm der AfD driftet die Bewertung allerdings eindeutig in den rechtspopulistischen Bereich:
„Die Allmacht der Parteien und deren Ausbeutung des Staates gefährden unsere Demokratie. Diese Allmacht ist Ursache der verbreiteten Politikverdrossenheit und nicht zuletzt auch Wurzel der gesellschaftsschädigenden politischen Korrektheit und des Meinungsdiktates in allen öffentlichen Diskursen.“
So wird aus der Forderung, den Einfluss der Parteien zu begrenzen, plötzlich ihre „Allmacht“ und sogar eine „Ausbeutung“ des Staates. Dies wird dann noch lückenlos verbunden mit der Behauptung, eine „politische Korrektheit“ schade der Gesellschaft und es gebe ein „Meinungsdiktat“ in Deutschland.
Diese Aussagen gipfeln schließlich in eine schwer erträgliche Aussage mit weitreichenden Folgen:
„Die Abgeordneten unserer Parlamente haben ihre Funktion als Mandatare der Bürger verloren. Ihre Loyalität gilt zuerst der politischen Partei, der sie angehören.“
Diese Sätze besagen nichts weniger, als dass das gesamte System der repräsentativen parlamentarischen Demokratie längst zusammengebrochen sei. Denn die Aussage, Abgeordnete seien nicht mehr „Mandatare der Bürger“, wird ohne Einschränkungen formuliert. „Die“ Abgeordneten heißt es, nicht „einige“ oder „viele“. Kritik an der Abhängigkeit der laut Grundgesetz nur ihrem Gewissen verpflichteten Abgeordneten von ihrer Partei ist sicherlich zulässig. Diese Aussagen bestreiten aber grundsätzlich die Legitimität aller Abgeordneten als Volksvertreter. Keine Rede ist übrigens davon, dass es regelmäßig Wahlen gibt.
Halten wir fest: Aus Sicht der AfD vertreten sämtliche Abgeordneten nicht mehr das Volk. Dies passt zu der schon genannten Behauptung, die Demokratie in Deutschland sei faktisch abgeschafft.

Tosulit: Die Kritik der Kirche wirkt schon etwas kindisch. Zum Glück gibt es noch manche Abgeordnete, die ihrem Gewissen folgen. Ersetzen wir aber „alle“ durch „die meisten“, kommen wir der Wahrheit sehr nahe. Wir weisen hier auf den Fraktionszwang hin. Ganz offen wird er praktiziert. Im Zweifel laufen Probeabstimmungen in den Fraktionen. Am Ende würde es reichen, dass im Plenarsaal einer jeder Fraktion sitzt und bei der Abstimmung das Schild mit der Mandatszahl hochhält. Das kommt vielleicht noch und ist vorläufig zu offensichtlich. Darüber, ob die Parteien nun die „Allmacht“ haben, können wir gern streiten. Dass ihre Macht viel zu weit geht, halten wir für unstrittig. Überall haben sie ihre Finger drin – bei der Besetzung hoher Verwaltungsposten, im Rundfunkrat oder bei der Berufung von Richtern. Das ist längst viel mehr als das Mitwirken an der Willensbildung. Die Medien werden immer stärker in den Händen von Eigentümern konzentriert, die bestimmten Parteien nahe stehen. Deshalb wird kritischer Journalismus sehr selten und eine Leitmeinung propagiert.

Warum fordert die AfD Volksentscheide?
„Die AfD setzt sich dafür ein, Volksentscheide in Anlehnung an das Schweizer Vorbild auch in Deutschland einzuführen.“
Die Einführung von Plebisziten auf Bundesebene wie auch die Forderung nach Urwahl des Bundespräsidenten wird seit vielen Jahren immer wieder diskutiert. Die Forderung nach Volksentscheiden hat bei der AfD aber eine tiefere Bedeutung, die sich erst bei genauerem Hinsehen erschließt. Es geht für Sie um nicht weniger als die Wiederherstellung der Demokratie! Während der Begriff der „direkten Demokratie“ nur einmal verwendet wird, ist vielfach und immer wieder vom „Volk“ oder vom „deutschen Volk“ die Rede. Das passt gedanklich zu der schon zitierten Aussage, dass „nur das Staatsvolk der Bundesrepublik Deutschland“ den „illegitimen Zustand“ im Land beenden könne.
Volksentscheide meinen hier nicht nur mehr Bürgerbeteiligung. Sie dienen der AfD dazu, der repräsentativen Demokratie des Grundgesetzes einen vermeintlichen „Volks“-Willen entgegenzusetzen.

Tosulit: Auch die CSU setzt sich für Volksentscheide ein. Unterstellt die christliche evangelische Kirche der christlich-sozialen Union etwa ähnlich böse Motive? Wohl kaum. Der verkommenen repräsentativen Demokratie (siehe oben) Volksentscheide an die Seite zu stellen oder sie teilweise dadurch abzulösen, ist keine Teufelsidee. Es gibt gute Gründe dafür. Doch die Kirche folgt u.a. einem ihrer Oberpfaffen, der Kutte Gauck. Er erklärte die politischen Fragen für zu komplex, als dass das Volk darüber entscheiden könnte. Als ob die Fraktionen nicht auch Experten für verschiedene Themen hätten und deren Meinung folgen. Natürlich in Abstimmung mit der Parteilinie. Abzulehnen ist selbstverständlich, wenn die AfD das Stimmrecht beschränken will auf irgendwelche Ur- oder Biodeutschen. Alle mit Pass und Wahlrecht dürfen natürlich mitstimmen.

NATIONALE IDENTITÄT
Ist die nationale „Identität“ des „deutschen Volkes“ bedroht?
„Unser aller Identität ist vorrangig kulturell determiniert. Sie kann nicht dem freien Spiel der Kräfte ausgesetzt werden. Vielmehr soll ein Bewusstsein gestärkt werden, welches kulturelle Verbundenheit wahrnimmt, fördert und schützt.“ „Die Alternative für Deutschland bekennt sich zur deutschen Leitkultur…“ „Die Ideologie des Multikulturalismus, die importierte kulturelle Strömungen auf geschichtsblinde Weise der einheimischen Kultur gleichstellt und deren Werte damit zutiefst relativiert, betrachtet die AfD als ernste Bedrohung für den sozialen Frieden und für den Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit. Ihr gegenüber müssen der Staat und die Zivilgesellschaft die deutsche kulturelle Identität als Leitkultur selbstbewusst verteidigen.“
Es ist offensichtlich, dass dem Programm der Leitgedanke zugrunde liegt, es gebe eine „kulturelle Identität“ des „deutschen Volkes“. Die Rede davon, die Identität sei „vorrangig kulturell determiniert“, meint dementsprechend, dass beim Einzelnen die Identität als Deutscher von der „deutschen Leitkultur“ abhängt. Das Wort „Kultur“ meint hier nicht zuerst Theater, Oper, Film, sondern steht umfassend für nationale Identität, das, was Deutschland angeblich ausmacht. Dazu passt die Kritik an der multikulturellen Gesellschaft. Andere kulturelle Strömungen in Deutschland werden als „importiert“ bezeichnet, ein kulturelles Miteinander als „geschichtsblind“ kritisiert. Das Ganze läuft auf die Behauptung zu, es gehe um nichts weniger als den sozialen Frieden und den „Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit“.
Das sind eindeutig völkisch-nationalistische, rechtsextreme Positionen. Die Rede von der Identität erfolgt nicht zufällig. Sie verweist auf Gedanken der europaweit anzutreffenden sogenannten „Identitären Bewegung“. Diese ersetzt das eindeutig rechtsextremistische Konzept der biologischen Rassereinheit eines Volkes durch das Konstrukt einer kulturellen Reinheit einer Gesellschaft.

Tosulit: Hier stimmen wir der Kirche vollständig zu. Leider dürften sich sehr ähnliche Äußerungen auch im Bayernplan der CSU oder dem Programm der sächsischen CDU finden. Das macht sie nicht besser. Es beweist aber, dass das Ausgrenzen der AfD falsch ist. Wenn ausgrenzen, dann diese Ansicht von der irgendwie vorbestimmten Identität. Wir wollen hier das weite Feld der Diskussion darüber, was Identität ausmacht, nicht betreten. Hinweisen möchten wir aber darauf, dass es in Deutschland schon ohne Zuwanderung eine vielfältige Kultur gibt. Zwischen einem Bauern auf der schwäbischen Alb, einem in Ostwestfalen und dem Kollegen in Mecklenburg werden sie große Unterschiede finden. Durch Zuwanderung aus Südeuropa oder der Türkei wurde die Vielfalt lediglich größer. Abschließend noch der Hinweis, dass es den Begriff der Leitkultur schon weit vor der Gründung der AfD gab. Ein Lieblingsbegriff der christlich Unionierten. Dummerweise für die Leitkulturler wandelt sich diese im Laufe der Zeit sowieso. Das ist gut so, denn sonst wäre die Kultur tot.

Der Islam gehört nicht zu Deutschland
„Der Islam gehört nicht zu Deutschland. In seiner Ausbreitung und in der Präsenz einer ständig wachsenden Zahl von Muslimen sieht die AfD eine große Gefahr für unseren Staat, unsere Gesellschaft und unsere Werte.“
Hier wird behauptet, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Es stellt sich dann die Frage, ob wenigstens die Muslime hierhin gehören. Aber auch dies darf nicht gelten. Denn zusätzlich werden die Gefahren der „Ausbreitung“ und „Präsenz einer ständig wachsenden Zahl von Muslimen“ beschworen. Es wird der Eindruck einer schleichenden muslimischen Übernahme erweckt.
Man muß feststellen: Die AfD nimmt eine feindliche Haltung zu den Muslimen im Land ein.

Tosulit: Das tut sie und dies ist eindeutig abzulehnen. Zu großer Einfluss des Islam ist genauso Murks wie zu großer Einfluss des Christentums. Der Glaube sollte möglichst wenig mit dem Staat zu tun haben. In der real existierenden BRD klappt das leider nicht so recht.

INTEGRATION UND ASYL
Flüchtlinge – das Ende der deutschen Kultur?
„Eine Völkerwanderung historischen Ausmaßes fordert Europa heraus. … Echte Flüchtlinge will auch die AfD schützen, solange die Fluchtursache im Heimatland andauert. Irreguläre Migranten aber können keinen Flüchtlingsschutz beanspruchen. … Die überkommene Politik der großzügigen Asylgewährung im Wissen um massenhaften Missbrauch führt … zu einer rasanten, unaufhaltsamen Besiedlung Europas, insbesondere Deutschlands, durch Menschen aus anderen Kulturen und Weltteilen. … Die AfD sieht in dieser Entwicklung die entsetzliche Gefahr sozialer und religiöser Unruhen sowie eines schleichenden Erlöschens der europäischen Kulturen.“
Alle von der AfD verfolgten Instrumente gegenüber Flüchtlingen zielen auf stärkere Repression. Die europäischen Außengrenzen sollen abgeschottet werden. Menschen auf der Flucht sollen gar nicht mehr einreisen können.
Wichtig ist, dass angeblich die Politiker – nicht das Grundgesetz – „großzügig“ Asyl gewähren trotz „massenhaften Missbrauchs“. Jede Bitte um Asyl wird dadurch zum Missbrauch erklärt. Mit rechtsstaatlichen Verfahren hat das nichts zu tun. Unverhüllt klingt die Idee eines kulturellen Genozids an. Dies sind Gedanken aus der rechtsextremen Propaganda.
Wir halten fest: Die Aufnahme von Flüchtlingen wird von der AfD vorwiegend als „Missbrauch“ angesehen und führt in ihrer Sicht zu nicht weniger als dem Ende der deutschen Kultur.

Tosulit: Wenn eine Kultur von einer anderen abgelöst wird, war es wohl Zeit dazu. Kulturen wandeln sich und keine ist von sich aus besser als eine andere. Die Menschen machen sich ihre Kultur. Jede sog. Weltreligion ist von Menschen ausgedacht und wurde dann von vielen geteilt. Das Abschotten der europäischen Grenzen fordern auch CDU/CSU, SPD und FDP. Grüne und Linke sind zurückhaltender. Die Fürsprecher nennen Abschotten gern „Sichern der Grenzen“. Das klingt netter. Der miese Afrika-Gipfel in Paris schiebt die Unmenschlichkeiten den Afrikanern zu. Genau wie die Türken werden sie von der EU dafür bezahlt. Eine echte Hochkultur, die sowas macht. Das Asylrecht sollte unantastbar sein. Davon zu trennen ist Einwanderung. Hierzu gibt es Regeln. Angela Merkel geriet in der eigenen Partei stark unter Druck, als sie diese Anfang September 2015 außer Kraft setzte. Seit Jahren blockiert die Union ein Einwanderungsgesetz, in dem sich die Gesellschaft, leider diktiert von den Parteien, einmal über aktuelle Regeln der Einwanderung verständigt. Bis in die 2000er-Jahre hinein behauptete die Union, Deutschland sei gar kein Einwanderungsland. Die christlich Unionierten verharrten noch auf dem Status der Gastarbeiter aus den 60ern.

ZUSAMMENFASSUNG
Die AfD lehnt unsere parlamentarische Demokratie ab. Denn Sie behauptet, in Deutschland sei die Demokratie durch die Herrschaft einer politischen Elite faktisch abgeschafft.
Die AfD vertritt die Auffassung, es gebe keine legitimen Parlamente mehr. Denn Sie meint, dass „die Abgeordneten“ nicht mehr das Volk vertreten.
Die AfD vertritt völkisch-nationalistische Positionen, die rechtsextremer Ideologie sehr nahe sind. Denn Sie behauptet, die „kulturelle Identität“ des „deutschen Volkes“ und der „Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit“ seien gefährdet.
Die AfD nimmt eine feindliche Haltung zu den Muslimen im Land ein.
Sie kriminalisiert pauschal Flüchtlinge. Denn Sie sieht die Aufnahme von Flüchtlingen vor allem als „Missbrauch“.
Die AfD denkt rassistisch, weil Sie behauptet, dass Asylgewährung die europäische Kultur bedroht. Das ist sehr nahe an der Aussage von Rechtsextremisten.
Kurz: Die AfD stellt Demokratie und Rechtsstaat in Deutschland grundsätzlich infrage, verunglimpft pauschal Muslime und Flüchtlinge und vertritt sogar rassistische und völkischnationalistische Positionen. In manchem kommt Sie rechtsextremer Ideologie sehr nahe.

Tosulit: Der Zusammenfassung der AfD-Positionen können wir uns anschließen. Wir werten sie ganz anders als die Kirche. Der Verfall der parlamentarischen Demokratie ist eine Tatsache. Wir haben dies in unserem Blog häufig begründet und sprechen selber von Postdemokratie. Die Äußerungen der AfD zu Volk, Kultur, Identität und Flüchtlingen sind schlimm. Leider steht die Partei damit nicht allein da. Die Union sowie Teile von SPD, Grünen und FDP teilen diese Ansichten. Und auch die evangelische Kirche hält ihren Glauben wohl für den einzig ganz richtigen.

EMPFEHLUNGEN
Aufgrund der vorgenommenen Analyse ausgewählter Teile des Grundsatzprogramms der AfD gibt es grundlegende Zweifel an der demokratischen Orientierung der Partei.
Wir weisen darauf hin, dass grenzverletzende Provokationen und Tabubrüche bewusste Strategie der Partei sind. Das führt immer wieder dazu, dass die öffentliche Debatte einseitig dominiert wird und die Medien instrumentalisiert werden.
Kirchlichen Trägern empfehlen wir, genau zu bedenken, ob Sie kirchliche Räume an die AfD vermieten sollten. Solange die Partei nicht die kritisierten Positionen überdenkt, sollte ihr in kirchlichen Räumen kein Gastrecht gewährt werden.
Die Kirchengemeinden und kirchlichen Dienste bitten wir, genau zu prüfen, ob Sie offiziellen Vertreterinnen und Vertretern der AfD in kirchlichen Veranstaltungen eine Bühne bieten wollen. Eine Einladung nach dem Grundsatz, man wolle demokratisch alle Seiten hören, verkennt, dass diese Partei Demokratie und Rechtsstaatlichkeit infrage stellt, Flüchtlinge und Muslime pauschal verunglimpft und aus bloßen Provokationen mehr Vorteile zieht, als aus einer sachlichen Debatte. Nur um sachliche Auseinandersetzung aber kann es in kirchlichen Diskussionsveranstaltungen gehen.
Grundsätzlich ist zu fragen, ob die AfD für Christinnen und Christen überhaupt wählbar ist. Unsere Leitwerte sind Menschenwürde, Demokratie und Flüchtlingsschutz. Schaut man auf das Grundsatzprogramm, dann erscheint die Wählbarkeit sehr fraglich.
Bürgerinnen und Bürger, die die Partei vielleicht aus Protest wählen wollen, bitten wir zu bedenken, welche Kräfte Sie damit unterstützen.
Ihnen und allen anderen empfehlen wir dringend, zumindest das Grundsatzprogramm von 2016 aufmerksam zu lesen. Es zeigt sehr deutlich, wes Geistes Kind diese Partei ist.
Dieser Flyer ist die Kurzfassung einer ausführlicheren Stellungnahme, die der kreiskirchliche Synodalausschuss für Gesellschaftliche Verantwortung unter Mitwirkung von Superintendent Ulf Schlüter im März 2017 beschlossen hat. Der Langtext ist auf der Website des Kirchenkreises abrufbar.

Tosulit: Deshalb veranstaltete die evangelische Lydia-Gemeinde das Gespräch über die künftige Notwendigkeit von Tafeln auch in deren Räumen. Entgegen der Empfehlung ihrer Vorgesetzten luden sie den Vertreter der AfD dazu ein. Wir begrüßen es, wenn sich die Kirche zu gesellschaftlichen Fragen äußert. Allzu oft vermissen wir Fürsprecher für sozialen und militärischen Frieden. Sie sollte dies aber nicht derart gezielt manipulativ tun wie mit diesem Flyer. Sie sollte ihre Einladungen auf höchster Ebene dringend überdenken. Einen Massenmörder wie Barack Obama zusammen mit seiner Befürworterin Merkel und den Oberevangelen Bedford-Strohm beim Kirchentag auf eine Bühne zu setzen, ist zutiefst verstörend.

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