Ehrensold

Im Zuge der wieder aufgeflammten Diskussion um Christian Wulffs Altersbezüge fiel uns das Wort auf. Was bedeutet Ehrensold? Er steht zumeist in Zusammenhang mit dem Verleihen einer Auszeichnung, eines Ordens. Das dazu gezahlte Geld ist der Ehrensold. Er kann einmalig gewährt oder auf Lebenszeit ausgezahlt werden. Der Wortteil Ehre bezieht sich vermutlich auf die Leistung, die der bedachte Mensch erbracht hat. Er hat sich oder auch dem Land Ehre gemacht. Der Begriff Sold stammt aus dem Bereich des Militärs. Ein Soldat erhält seinen Sold. Die Bezüge der Beamten in der BRD heißen auch Besoldung. Hier steckt das Wort noch drin. Wir können vermuten, dass hier die enge Verquickung von Militär und Beamtenschaft zum Ausdruck kommt. Beide „Berufe“ sind stützende Säulen des Staates. Durch den Begriff Ehrensold rückt auch der Bundespräsident in die Nähe des Militärs. Beispielsweise wird er mit einem großen Zapfenstreich aus seinem Amt verabschiedet.

In Deutschland darf der Präsident maximal zwei Amtszeiten absolvieren. Am längsten genoss Walter Scheel den Ehrensold. 37 Jahre überlebte er sein Amt. Seinem Begräbnis wohnten wir im ZDF bei. Auch dieses verlief ausgesprochen militärisch. Offiziere aller Waffengattungen trugen den Sarg. So etwas wie die Ehrenkompanie war angetreten. Auf uns als friedliebende Bürger wirkt das völlig unangemessen. Ein friedliebender Staat sollte längst auf die Beteiligung des Militärs an irgendwelchen Ehrungen verzichtet haben. Feierlichkeit lässt sich sicher auch auf andere Weise erzeugen.

Der Ehrensold des Bundespräsidenten entspricht seinem zuletzt erhaltenen Salär mit Ausnahme der Aufwandsentschädigung. Bei Christian Wulff ist von 236.000 € im Jahr die Rede. Hinzu kommen das Büro mit Mitarbeiter und das Auto mit Chauffeur. Im Gegensatz zu Wulff verzichtete Horst Köhler auf seinen Ehrensold. Der Präsident mit der kürzesten Amtszeit (2010 – 2012) ist nun als Prokurist bei einer Bekleidungsfirma tätig. Bislang absolvierte er Repräsentationstermine für die BRD. Nun werden wieder Stimmen laut, Wulff beschädige die Würde des Amtes. Wie oft wir diesen Spruch schon gehört haben, können wir nicht zählen. Er kommt meist vor der Wahl eines neuen Präsidenten. Das Geschacher der Parteien beschädige die Würde. Meist äußern dies die Unterlegenen. Im Herbst 2016 musste die unionierte Christenheit darauf verzichten. Denn sie hatte keinen Gegenkandidaten zu Sigmars Vorschlag Steini. Da die Würde des Amtes nun bereits hundertfach verletzt wurde, schlagen wir vor, es abzuschaffen. So einen obersten Grußaugust brauchen wir nicht. Selten hat ein Präsident die Impulse gesetzt, die ihm zugeschrieben werden. 1985 erklärte Richard von Weizsäcker, dass die Niederlage im 2. Weltkrieg doch ein Segen gewesen ist. Recht hatte er. Nach 40 Jahren war es höchste Zeit, dies mal so zu definieren. Walter Scheel war vielleicht noch ein angenehmer Begleiter der Friedenspolitik Brandts. Das war es dann schon. Niemand würde einen Bundespräsidenten vermissen. Wir wären diese elende Diskussion um die Würde los. Ein bisschen Geld sparten wir ein. Die Bundeswehr verliert eine weitere Aufgabe. Sie wird noch sinnfreier. Es gibt gute Gründe, das Amt des Bundespräsidenten abzuschaffen.

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