Lash Lifting – DddWnb Teil 10

Auf dem Weg zum Theater kamen wir vorgestern an einem Beauty Salon vorbei. Dieser warb mit einem großen Poster für das top-aktuelle Lash Lifting-Angebot. Die Vokabel lash ist im Englisch-Unterricht wohl an uns vorbeigegangen. Weder Thorsten noch ich konnten mit dem Wort etwas anfangen. Aber da hilft ja ein Blick ins Wörterbuch.

Lashes sind also Wimpern, erfahren wir. Und nachdem das Liften von Busen, Po und Gesicht schon von Krethi und Plethi praktiziert wird, ist das Liften von Wimpern anscheinend der neueste Trend.

Eine aufklärende Internetseite zum Thema war (wahrscheinlich unfreiwillig) so komisch, dass wir aus dem Lachen nicht rauskamen. Das fing an mit dem Namen der Autorin. Sie heißt oder nennt sich Magdalena Grausgruber. Um mit dem Namen Grausgruber Schönheitstips unter die Leute zu bringen, gehört schon eine Portion Mut. Aber sei’s drum. Der Name der Autorin ist noch zu toppen. Sie zitiert nämlich in ihrem Text den „Wimpern Guru aus Beverly Hills, Elysee Zhadikpur“. Spätestens an dieser Stelle könnte man den starken Verdacht hegen, auf einer Satire-Seite gelandet zu sein.

Aber nein, das ist alles ernst gemeint. Hier ein paar Auszüge:

  • Bye, bye künstliche Extensions! Dieses neue Treatment aus den USA revolutioniert die Wimpernverlängerung.
  • Das funktioniert dank einer streng geheimen Keratin-Rezeptur
  • Das Treatment dauert eine Stunde und kostet 150 US-Dollar, das sind umgerechnet etwa 136 Euro. Eine Investition, die sich lohnt, denn laut Elysee hält das Ergebnis bis zu drei Monaten
  • „Du wirst tolle Lashes haben“, verrät der Wimpern-Guru aus Beverly Hills.

Also kurz zusammengefasst: Extensions sind out, Wimpern-Dauerwelle ist out, Wimpernbooster ebenso. Frau von Welt schwört auf ein neues Treatment, nämlich das Keratin Eyelash-Lift nach der streng geheimen Rezeptur des Wimpern-Gurus Elysee Zahdikpur aus Beverly Hills.

Wer gern den vollständigen Artikel von Frau Grausgruber lesen möchte, kann ihn unter dem folgenden Link finden: http://www.elle.de/keratin-lash-lift

Nur mal so am Rande. Angesichts der offenbar unvermeidlichen Anglizismen, haben wir uns überlegt, dass wir vielleicht unsere Rubrik DddWnb (Dinge, die die Welt nicht braucht) demnächst „di, di, di dabelju, en, bi“ nennen. Das klingt doch viel wissenschaftlicher und kommt auch so international rüber. Wir werden diesen Gedanken weiterverfolgen.

Aber zurück zum lash-lifting. Und jetzt ganz ernst. Was bewegt Frauen, solch einen Müll mitzumachen? Ich zerbreche mir den Kopf und mir will nichts einfallen. Ist es die pure Langeweile? Will sie attraktiver aussehen? Falls sie hetero ist und Männer beeindrucken möchte, sollte sie wissen, dass die sicher nicht auf ihre Wimpern schauen. Steht Frau wirklich morgens vor dem Spiegel und grübelt darüber nach, ob ihre Wimpern in Ordnung sind oder ein neues Lifting vertragen könnten?

Ist sie so hohl im Kopf, dass sie das für wichtig hält? Oder ist sie ein Opfer der Werbepropaganda? Wahrscheinlich von beidem ein bisschen.

Wer sich intensiv mit seinen nails und lashes beschäftigt, hat natürlich weniger Zeit für andere Gedanken. Wobei ich nicht glaube, dass die Errungenschaften der sog. Beauty-Industrie von vornherein darauf abzielen, die Frauen vom Denken abzuhalten. Das ist eher ein gern mitgenommener Nebeneffekt. In erster Linie geht es selbstverständlich darum, Produkte zu verscherbeln. Irgendetwas, sei es auch noch so sinnfrei. Man muss Frau nur dazu bringen, auch zu konsumieren.

Das ist nicht schwierig und folgt der immer gleichen Strategie:

Man entdeckt eine sogenannte Problemzone, die perfektioniert werden könnte: die Wimpern, die Fältchen, der Po, die Brust, die Fingernägel, und, und, und. Ach ja, es gibt auch noch die Pralinentaschen (wer es nicht glaubt, hier ist der Link: http://www.wunderweib.de/problemzone-pralinentaeschchen-diese-uebungen-helfen-100475.html )
Nun werden diese neuen Problemzonen in den Medien lautstark heraustrompetet. Frau findet Artikel darüber in der Bunten oder Gala beim Friseur, in der Apotheken-Umschau, in den Fernsehsendungen mit Schönheitstipps usw. Da äußert sich auch gern schon mal eine Prominente, wie sie damit umgeht. Das ist auch sehr beliebt.

Je nachdem, wie anfällig eine Frau für eine solche Propaganda ist, betrachtet sie alsbald auch diese neu entdeckte Problemzone ihres Körpers mit Argusaugen. Meine Güte, wie konnte ihr das bisher entgehen? Wie hat sie nur all die Jahre in der Gesellschaft bestanden mit mickrigen Wimpern und Pralinentaschen?

Wir lernen schon in unserer Kindheit, dass äußere Perfektion ein hochwichtiger Maßstab ist. Alle treuherzigen Beteuerungen, dass nur die inneren Werte zählen, sind Phrasen. Hier wird der Grundstein gelegt. Dir wird systematisch eingeimpft, dass du ein Wesen mit optischen Mängeln bist. Und dass es dir deshalb oft nicht gut geht. Aber glücklicherweise gibt es ja Abhilfe. Wenn du dich erst an der einen oder anderen Stelle perfektioniert hast, fühlst du dich gleich viel besser. Dieses Credo hat Frau verinnerlicht. Viele Frauen behaupten „Ich tue das für mich“, wenn ihren Körper „optimieren“. Von einer Freundin, die durchaus nicht dumm ist, hörte ich mal den Satz „Wenn ich ungeschminkt aus dem Haus gehe, fühle ich mich irgendwie nackt“. Das ist ein sehr entlarvender Satz, wenn man die Schminke mal als das betrachtet, was sie ist. Nämlich eine Farbschicht, eine Fassade, die dein echtes Gesicht zukleistert.

Wäre Frau der Meinung, sie sei innerlich wie äußerlich in Ordnung so wie sie ist, wäre sie keine gute Konsumentin. Und das ist im wildgewordenen Kapitalismus unser wichtigster Daseinszweck, oder?

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