Vorsicht, Profi am Steuer!

Mit unserem Umzug sind noch andere Abenteuer verbunden. Selbstverständlich fahre ich seit Anfang Februar von Scharnhorst aus zur Dialyse nach Hörde. Zeitlich ist die Fahrt genauso lang. Die Strecke wuchs jedoch von acht auf elf Kilometer. Die B236 ermöglicht die gleiche Fahrzeit. Diese Streckenänderung bewog mein Taxiunternehmen erstmal zu einer saftigen Preiserhöhung. Statt 2,13 € nehmen sie jetzt 2,45 € pro Kilometer. Das entspricht einem Zuwachs von freundlichen 15,1 %. Nun ja, meine Krankenkasse akzeptiert die Rechnungen anstandslos. Auf meine Nachfrage nach den Gründen der Änderung reagierte das Taxiunternehmen gar nicht. Mir erscheint es überflüssig, der Sache nachzugehen. Vielleicht war solch eine Preiserhöhung mal fällig.

Viel spannender war die Frage, ob sie meine neue Adresse finden. Naiv ging ich davon aus, dass dies ja Profis sind. Wenn sie die Anschrift auch nicht unbedingt kennen, so haben sie doch den Ehrgeiz, mal eine ungewohnte Adresse zu finden. Für die Fahrer des Unternehmens stellte dies kein großes Problem dar. Sie schlugen sich wacker. Leider aber mussten wir in diesem Fall einen Unterschied zwischen den Geschlechtern beobachten. Vier Fahrerinnen waren am Steuer und hatten allesamt so ihre Probleme. Eine etwa 60jährige Frau fährt nur noch selten. Wie sie zu mir fand, erlebte ich nicht mit. Aus dem schier uferlosen Gewirr der Scharnhorster Straßen herauszufinden, war schwierig. Zugegeben unterhielten wir uns über das neue Haus. Das lenkte ab. Und nach einer kleinen Irrfahrt hatten wir die Hauptroute dann wieder erreicht. Viele Monate später ging es mal in die Gegenrichtung nach Hause. Da hatte sie von ihrem Sohn ein Gerät mit Spracheingabe gekriegt. „Das ist idiotensicher“, hatte er gesagt. Und das war es auch. Nun kommt es ja auch darauf an, auf die Anweisungen der diversen Navis zu hören und ihnen zu folgen. Damit tat sich die älteste Fahrerin des Unternehmens eher schwer. Genau wie ihre Tochter legte sie auch keinen großen Eifer an den Tag. „Wir kommen schon hin“, lautete das Motto. Auch der Hinweis „ganz bis zum Ende der Straße fahren“, nützte anfangs nichts. Kurz vorm Ende zweigt der Weißsteinweg nach links ab. Der hat eine enorme Anziehungskraft. Denn diese beiden Damen wie auch manch Fahrer wollten ihm gern einen Besuch abstatten. Fährt man aber geradeaus, wohnen wir bereits zwei Häuser weiter. Die Heimfahrt im Februar fand naturhalber im Dunkeln statt. Einmal regnete es Katzen und Hunde. Nun dachte ich, eine starke Taschenlampe ermöglicht den Profis das Erspähen der Hausnummern. Eine solche gab es in keinem Fahrzeug. Wahlweise wurde über die komische Straße, die Dunkelheit oder den Regen geschimpft. Keine Fahrerin hatte den Anspruch, ihren Beruf so richtig auszufüllen. Vielleicht bringt dies das tägliche Einerlei mit sich. Offen ging die vierte Fahrerin damit um. Sie hätte sich selber überrascht, gleich beim ersten Mal direkt anzukommen. Das macht sie sympathisch. Manchmal wirkt sie, als komme sie direkt aus einem esoterischen Tempel und schwingt noch so im Takte der Meditation. Dazu auch gern die passende Musik. Sie nimmt ihren Beruf sichtbar nicht so wichtig. Angekommen sind wir immer. Manchmal war ich spürbar froh darüber.

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