Neue Tackerampel in Betrieb

Die Brackeler Straße ist in beiden Richtungen zweispurig ausgebaut. Sie führt vom Borsigplatz in den Stadtteil Brackel. Ein paar hundert Meter jenseits des Platzes ermöglicht eine Fußgängerampel das sichere Queren der sehr zügig und viel befahrenen Straße. Ein Zusatzgerät für Blinde und Sehbehinderte gab es nicht. Die Buslinie 456 konnte nur in eine Richtung genutzt werden. Der nahe Höschpark war nur mit großem Umweg über den Borsigplatz erreichbar.

So starteten wir Mitte März einen Versuch. Aus der Blindenvereinszeit seligen Angedenkens kannten wir noch den zuständigen Mitarbeiter im Tiefbauamt. Nach zwei Mails erfuhren wir, dass die Ampeln am Übergang technisch geprüft werden. So ging der April ins Land. Auf neuerliche Nachfrage erfolgte keine Reaktion. Im Mai adressierten wir eine erneute Anfrage u.a. an die Leiterin des Tiefbauamtes, Frau Uehlendahl. Das brachte Bewegung in die Sache. Der zuständige Mitarbeiter teilte uns mit, die technische Prüfung sei positiv verlaufen. In drei bis vier Wochen könnten wir die Ampel nutzen. Es dauerte dann fünf oder sechs Wochen. Egal, erfreut lasen wir die Nachricht, dass die Ampel über die Brackeler Straße nun barrierefrei sei. Zumindest für Menschen mit Seheinschränkung. Wir waren begeistert. Eine Tackerampel aus dem Nichts. Hurra! Dankesmail ans Tiefbauamt, ist ja klar.  Aus Termingründen konnten wir die Ampel erst gestern am 15.07.17 in Ohrenschein nehmen. Leicht zu finden ist sie nicht. Zum Glück sind wir ja ortskundig. Es gibt einen Auffindeton. Nur ist er auf die leisestmögliche Stufe gestellt und erfüllt nicht seinen Zweck. Statt aus etwa fünf Metern – wie in der DIN vorgeschrieben – ist der Auffindeton erst aus 100 bis 50 Zentimetern Entfernung zu hören.

Vor einigen Wochen war in den Ruhr-Nachrichten vom neuen Dortmunder Standard die Rede. Alle Zusatzgeräte würden künftig wie an der Zillestraße, Ecke Am Hombruchsfeld eingestellt. Wir beschreiben das in „Auf Knopfdruck piep!„. Die nagelneuen Geräte an der Brackeler Straße erfüllen diesen Standard nicht. Die Grünanforderung wird mit einem doppelten Piepton quittiert. Ist die Fußgängerampel grün, vibriert der Pfeil unten am Zusatzgerät. Ein zusätzliches Piepen als akustische Grünanzeige fehlt völlig. Eben dieses Grünpiepen ist der größte Fortschritt beim Dortmunder Standard.

Es handelt sich um vollelektronische Zusatzgeräte. Sie werden komplett per Laptop eingestellt. Technische Probleme sind auszuschließen. Mit Absicht ist die Ampel so schlecht eingestellt worden. Den leisen Auffindeton können Sie sich vorstellen wie gedimmte grüne, gelbe und rote Lichter an der Ampel. Beschweren Sie sich dann, dass Sie gar nichts erkennen können, müssen Sie eben näher rangehen. Zur Not eben aus dem Auto aussteigen. Aber zu grelle Lichter könnten die Nachbarn stören. Es ist schlicht eine Zumutung, wenn in der Zeitung geprahlt und in der Realität blockiert wird. Seit Jahren verweigert sich die Abteilung für Lichtsignalanlagen im Tiefbauamt einem brauchbaren Ausrüsten und Instandhalten der Tackerampeln. Selbst einen einstimmigen Ratsbeschluss für die Zusatzgeräte aus Mitte Mai 2014 ließen die Herren der Verwaltung an sich abprallen. In ihrer ablehnenden Haltung sehr gestärkt werden sie vom Baudezernenten Lürwer. Im Hinblick auf Tackerampeln wird sich in dieser Stadt wohl erst dann etwas ändern, wenn entscheidende Menschen in Rente gehen und Menschen mit anderer Einstellung ihren Posten übernehmen.

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