So bleibt Barrierefreiheit Stückwerk

Einen echt alten Hut haben wir uns angesehen. Drei Jahre ist es her, da waren wir mit der damaligen Aplerbecker Bezirksbürgermeisterin Barbara Blotenberg im Stadtteil unterwegs. Weder sie noch wir sind noch in Amt und Würden. Wir verließen den Blindenverein am Jahresende endgültig. Frau Blotenberg wurde ihr Amt los, als die CDU von den Grünen zur SPD wechselte. Seither heißt der Bezirksbürgermeister Schädel. Ungeachtet dieser Änderungen schauten wir uns eine Kreuzung nahe des Ortskerns an. Diese sollte barrierearm werden. Ein Ziel, das sich Frau Blotenberg auf die Fahne geschrieben hatte. Seit der Änderung der Machtverhältnisse stockt diese Entwicklung laut ihrer Aussage.
Wir fuhren frohen Mutes mit der Linie 420 von Scharnhorst nach Aplerbeck. Nach gut 20 Minuten kamen wir an der „Lübckerhofstraße“ an. Einige Meter weiter kreuzen sich drei Straßen an einer x-Kreuzung. Die Köln-Berliner biegt links ab. Geradeaus betreten wir die Rodenberg- und rechts geht es in die Märtmannstraße. Die damalige Absprache lautete, die Kreuzung bekommt ein Leitsystem. An sechs Stellen weist ein quer zur Gehrichtung verlegter Noppenstreifen auf den Ampelmast hin. Die Märtmannstraße wurde nicht berücksichtigt.

      

Wir fragten den zuständigen Mitarbeiter des Tiefbauamtes nach dem Grund. Leider erhielten wir keine Antwort. Die damalige Absprache ist nur zu 75 % erfüllt.

Trauriger sieht es mit den Ampeln aus, die freilich von einer anderen Abteilung des Tiefbauamtes betreut werden. Drei der acht Masten trugen überhaupt kein Zusatzgerät. Ein einziger bot uns sowohl einen Auffindeton wie auch ein vibrierendes Grünzeichen. Von dem jüngst seitens der Verwaltung verkündeten Standardgerät keine Spur. In „Auf Knopfdruck piep“ beschreiben wir, dass die Grünphase bei neuen Geräten auch akustisch angezeigt wird. An den übrigen vier Masten erlebten wir alle denkbaren Varianten. Mal fehlte das Grünsignal, mal der Auffindeton. Oder beides. Einem Zusatzgerät fehlte gar der Pfeil.

Warum an dieser Kreuzung das Herstellen von Barrierefreiheit quasi auf halbem Wege halt macht, können wir vermuten. Geld ist genug da. Die Steuereinnahmen sprudeln wie selten. Das Wissen ist vorhanden. Eine politische Vertretung der Interessen behinderter Menschen gibt es. Sogar eine städtische Beauftragte. Wie Sie wissen, halten wir beide Institutionen für sehr zahm. Aber auch eine engagierte Behindertenvertretung kann eines nicht ersetzen: den Willen in der Verwaltung. Nur, wenn die Mitarbeiter Barrierefreiheit als ihre Aufgabe begreifen, kann sie gelingen. Wenn sie verstehen, dass diese Aufgabe nicht lästig, sondern gut für die Bürger der Stadt ist. Wenn es ihnen am Herzen liegt, Barrierefreiheit vollständig und nicht nur in Teilen herzustellen.

Vielleicht ist dies an einer anderen Kreuzung in Aplerbeck gelungen. Wir haben dort nicht nachgesehen. Am Samstag (01.07.17) fanden wir folgenden Artikel in den Ruhr-Nachrichten:

„Kreuzungsbereich an der Schwerter Straße ist ein barrierefreies Vorzeigeprojekt

Die sind jetzt alle barrierefrei und auf dem neusten Stand, was Blindenleitsysteme, abgesenkte Bordsteine oder Schutz vor parkenden Autos angeht. Sehr übersichtlich sieht es jetzt aus, aber irgendwas fällt auf im Kreuzungsbild. „Wir mussten eine große Kastanie fällen lassen“, sagt Ingo Magnus (Tiefbauamt). Eine Entscheidung, die nicht vermeidbar gewesen sei, denn zum einen hatte das Wurzelwerk des Baumes schon einen großen Teil des Fußweges in Mitleidenschaft gezogen und zum anderen gruben sich die Wurzeln schon in ein benachbartes Haus und sorgten für Schäden im Fundament.

Kastanie musste weichen

„Die Kastanie war auch einer der Gründe, warum die Arbeiten nicht so schnell beendet werden konnten“, sagt Richard Pidt von der ausführenden Firma Möckel.

Ein anderer Grund war der Winter 2016 und der Umbau der Übergänge im laufenden Betrieb. So wurde während der gesamten Baumaßnahme der Zugang zur Grundschule und der evangelischen Gemeinde (Kindergarten) ermöglicht. Vor allem für die Kinder ist der Kreuzungsbereich aber um einiges sicherer geworden. Zwar konnte die Stadt durch die versetzten Straßen die Ampelschaltung nicht verändern (wie von den Eltern gefordert), aber zumindest ist es durch Absperrbügel gelungen, die parkenden Autos vom Gehweg fernzuhalten. „Es ist eine Art Vorzeigekreuzung geworden“, sagt Ingo Magnus. Zumal neben den barrierefreien Übergängen auch noch zwei Bushaltestellen in der Aplerbecker Schulstraße umgebaut worden sind. Einen großen Anteil am Umbau hat dabei die Bezirksvertretung Aplerbeck. Rund 70 Prozent der insgesamt rund 80.000 Euro, die verbaut worden sind, kamen aus der BV-Haushaltskasse.

Sorge um Weiterbau

Eine, die sich immer für ein barrierefreies Aplerbeck eingesetzt hat, ist Barbara Blotenberg (Grüne). Auf ihre Initiative ist auch der Umbau der versetzten Kreuzung in der Aplerbecker Mark zurückzuführen. Die Kommunalpolitikerin ist zwar mit der Umsetzung zufrieden, sieht aber schwarz für den weiteren barrierefreien Umbau im Stadtbezirk. Was laut Blotenberg an den veränderten Kräfteverhältnissen in der BV liege. So würden Anträge der Grünen zu diesem Thema momentan mehrheitlich abgelehnt.

Autor: Jörg Bauerfeld“

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