Vergiftete Bilder

Erinnern Sie sich noch an Donalds beautiful babies? Es war Anfang April, da gingen Fotos und Videos von qualvoll sterbenden Menschen um die Welt. An Giftgas sollten sie gestorben sein. In Syrien. Ermordet von ihrem eigenen Staatschef Assad. Wer seine Erinnerung auffrischen will, kann bei „Gefährliche Eskalation“ und „Moskau sichert vorerst den Frieden“ nachlesen. Gerade hatte der Nahost-Kenner Michael Lüders bei Markus Lanz etwas Sachkunde in die Debatte gebracht, legte das Räderwerk unserer gleichgeschalteten Medien los. Alle willigen Zahnrädchen von Will am Sonntag bis Illner am Donnerstag drehten mit. Die Kriegstreiberministerin durfte Unwahrheiten zur besten Sendezeit verbreiten. Durch Trumps Raketenangriff auf eine syrische Luftwaffenbasis war sozusagen der endgültige Beweis für Assads Untat geführt. Gleichzeitig nahmen sie Donald wegen dieser Racheaktion gnädig in die Gemeinschaft der rechtschaffenen Staatenlenker des wertegetragenen Westens auf. Alle Ängste, die USA könnten sich mal raushalten, waren besänftigt.

Genug des Rückblicks. Vor einer Woche veröffentlichte der amerikanische Journalist Seymour Hersh einen Artikel mit seinen Erkenntnissen zum Angriff in Chan Scheichun. Tatsächlich in einem Springer-Blatt, der Welt am Sonntag. Seiner Darstellung zufolge flog die syrische Luftwaffe tatsächlich einen Angriff auf ein Gebäude in Chan Scheichun. Dieses Gebäude war als Treffpunkt ranghoher Kämpfer der Djihadisten ausgemacht worden. Die USA wussten bescheid. Sollten sie doch z.B. verhindern, dass sich eigene Agenten zum Zeitpunkt des Angriffs im Haus aufhalten. Benutzt wurde eine eigens zu diesem Zweck gelieferte Bombe der Russen. Aus Sicht der Militärs gelang der Luftschlag. Vier ranghohe Kommandeure sollen getötet worden sein. Leider lagerten im Gebäude Chemikalien. Möglicherweise für die Landwirtschaft. Diese sind ausgetreten, vermischten sich und wirkten auf die Anwohner wie Giftgas. So entstanden die Bilder elend sterbender Kinder. Soweit die Darstellung Hersh’s. Seine Quelle verortet er in hohen Washingtoner Regierungskreisen. Die WamS hat diese Angabe geprüft und für glaubwürdig erklärt.

Schon damals war die Beweislage dünn, der zufolge es Assad war. Es fehlte jedes Motiv. Gerade hatte Donald gesagt, eine Lösung in Syrien wäre wohl nur mit Assad möglich. Militärisch stand der Führer aus Damaskus glänzend da. Warum also sollte er etwas tun, das den Westen garantiert gegen ihn aufbringt? Eher hatten wohl seine Gegner ein Motiv. Weiter hieß es, Assad habe das ja 2012 schon einmal gemacht. Daran hatten seinerzeit selbst die US-Geheimdienste so viele Zweifel, dass sie Obama von militärischer Vergeltung abrieten. Es kam nur zur Vernichtung großer Chemiewaffen-Bestände der syrischen Armee. Es wurde gesagt, in der Türkei seien Gewebeproben von Opfern untersucht worden. Im Ergebnis war es eine Sarin-ähnliche Substanz, die zum Tode führte. Wie von wem welche Proben in türkische Labors kamen, können wir uns kaum vorstellen. Schließlich handelt es sich um umkämpftes Kriegsgebiet, in dem zahlreiche Gruppen herumschießen. Eine unrühmliche Rolle spielt zum Beispiel die vom Westen bezahlte Info- und Hilfstruppe Weißhelme. Nachweislich setzen sie falsche Meldungen in die Welt und fälschen Fotos. Der erste Verlierer im Krieg ist die Wahrheit. An diesen Leitsatz müssen wir uns halten. Sonst laufen wir garantiert in die Irre. Es gibt in Syrien nicht eine gute und eine böse Seite. Vielmehr gibt es unzählige Aktive vor Ort mit vielen Hintermännern. Die halbe Welt hat ihre Finger drin. Das wissen wir alle.

Leider verkaufen uns unsere eigenen Leute für dumm. Sie lügen uns wissentlich ins Gesicht. So dumm ist Frau von der Leyen bei weitem nicht. Sie weiß genau, dass kaum ein Giftgasangriff vernünftig untersucht und der Beweis einer Urheberschaft geführt ist. Bleiben wir in höchstem Maße misstrauisch auch gegenüber dem, was unsere Politschauspieler erzählen. Das heißt natürlich nicht, dass Gegendarstellungen automatisch wahr sind. Vergessen Sie die Darstellung in unseren Leitmedien. Das Beispiel Chan Scheichun zeigt, wie wenig Interesse sie an einfacher Information haben. Stimmungsmache ist vielmehr das Ziel. Als vorläufigen Gipfel der Unverfrorenheit empfinden wir den Faktenfinder der ARD. Hier maßt sich eine Gruppe von Schreiberlingen an, die Wahrheit finden zu können. Gefunden wird immer die Wahrheit, die die ARD und andere gleichgeschaltete Medien sowieso erzählt haben. Wer etwas anderes zu behaupten wagt, wird diffamiert oder generell für unglaubwürdig erklärt. So geschah es übrigens auch im Fall Hersh. Es wundert uns nicht. Lassen wir diesen Auswuchs an Kampagnen-Journaille einfach beiseite. Sehen wir uns an, welchen Widerhall Hershs Artikel aus der Welt am Sonntag in unseren Medien fand. Keinen. Überhaupt keinen. Nix Talkshows mit Meischberger und Plasberg, nix Brennpunkt nach der Tagesschau, noch eine Meldung in ihr. Gut, ein Brennpunkt wäre übertrieben. Aber Will oder Illner könnten ja Sendungen mit dem Titel „Fallen wir auf eigene Propaganda rein?“ machen. Doch die Karawane zieht weiter und blickt niemals zurück.

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