Geehrte Kunden, wir runden

Dieser Wahlspruch stand überm Kassenbereich vieler Geschäfte in Kleve. Wie, Sie kennen Kleve nicht? Die Stadt Kleve liegt am unteren Niederrhein an der deutsch-niederländischen Grenze und hat knapp 50.000 Einwohner. Etwa 80 Einzelhändler der Stadt taten sich zusammen und wollten die 1- und 2-Cent-Münzen aus ihren Kassen verbannen. Vorbild waren die nahen Niederlande, wo dies bereits praktiziert wird. Alle Beträge sollten auf 5 Cent auf- oder abgerundet werden. Gestern fanden wir nun die Meldung, dass der Versuch nach knapp eineinhalb Jahren gescheitert ist. Offizielle Begründung ist, der Aufwand des Erklärens sei zu hoch und halte das Kassieren zu sehr auf. 80 % der Kunden seien mit dem Runden einverstanden. Wir sind nicht so sicher, dass dies stimmt. Vielleicht hören viele Händler auf zu runden, weil die Mehrheit der Kunden dies nicht will. Wir begrüßen das Scheitern ausdrücklich. Als Hintergrund dieser Aktion sehen  wir die Absicht, das Bargeld zu verdrängen und im Endeffekt abzuschaffen.

Kleve war ein Versuch, wie das Abschaffen von Münzen ankommt. Der größte in Umlauf befindliche Geldschein wird auf jeden Fall ab Ende 2018 nicht mehr hergestellt. Das Ende des 500-Euro-Scheins beschloss die Europäische Zentralbank im Mai 2016. Das Einstellen der Produktion Ende nächsten Jahres hängt damit zusammen, dass dann die neuen Scheine eingeführt werden müssten. Offizielle Begründung dafür ist das Eindämmen krimineller Aktivitäten. Auch diese Aktion sehen wir eindeutig im Zusammenhang mit dem endgültigen Ende des Bargeldes.

In diversen europäischen Ländern sind Bargeschäfte auf eine bestimmte Höhe begrenzt. Italien legte die Grenze 2011 auf 1.000 € fest, Portugal folgte ein Jahr später mit derselben Grenze. „Danach ging es Schlag auf Schlag. 2012 folgten noch Bargeldeinschränkungen in Spanien (Grenze 2.500 Euro) und der Slowakei (5.000 Euro), Dänemark (10.000 Kronen), 2013 dann in Litauen (2.900 Euro), Dänemark, Finnland (bei Lohnzahlungen), 2014 in Belgien (3.000 Euro beim Goldkauf) sowie 2015 in Dänemark (Aufhebung des Annahmezwangs), Frankreich (1.000 Euro) und Rumänien (1.100 Euro). Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben.“

Der Vormarsch der Plastikkarten ist mit Händen greifbar. Sehr viele Geschäfte bieten bereits eine Kundenkarte an. Sie erhalten einen Bonus, hinterlassen aber ihr Kaufverhalten als Gegenleistung im Computer des jeweiligen Ladens. In Deutschland noch nicht so verbreitet, ist das Bezahlen mit dem Smartphone weltweit auf dem Vormarsch. Es wird als sehr bequem angepriesen. Auch als sicher, weil wir ja kein Bargeld herumtragen müssen.

Solche Regeln können, müssen aber nicht per Gesetz verordnet werden. Viele Menschen steigen um, weil sie Preisnachlässe erhoffen oder es bequemer finden. Die EZB ist Herrin über unser Geld. Wenn sie beschließt, einen Schein nicht mehr zu drucken, dann ist das so. Wir können uns nicht dagegen wehren. Gleiches gilt auch für die Deutsche Bundesbank in deren Wirkungsbereich BRD. Das legt § 14 Absatz 2 Bundesbankgesetz fest. Gleichzeitig erklärt er unser Bargeld zum „einzigen unbeschränkten gesetzlichen Zahlungsmittel“. Gültige Euroscheine und -münzen können wir in Deutschland also gegen alles eintauschen. Der hier als Quelle zitierte Norbert Häring versucht dies bei der ehemaligen GEZ. Die lässt das aber nicht zu und besteht auf Überweisung. Häring streitet sich derzeit vor Gericht. In der Regel haben wir gegenwärtig noch kein Problem, wenn wir bar bezahlen möchten. Durch das Abschaffen großer Geldscheine wird das zum Beispiel beim Gebrauchtwagenkauf aber sehr viel unbequemer.

Dafür, dass wir denBanken unser Geld leihen, bezahlen wir auch noch. Geld auf unserem Konto ist an die Bank geliehenes Geld. Dennoch zahlen wir Kontoführungsgebühren und andere Abgaben. Die Bank sammelt das Geld der Kunden ein und versucht damit, wiederum Geld zu verdienen. In Zeiten niedriger Zinsen ist das schwierig. Weil die Banken nicht mehr so viel verdienen können, geben sie auch uns keine Zinsen mehr für unser geliehenes Geld. So verliert es ständig an Wert, weil die Preise steigen. Im Reiche des Buchgeldes gibt es nun etwas, dass unter der Matratze nicht geschehen kann. Die Bank kann sog. Negativzinsen berechnen. Zusätzlich zum Verlust durch Gebühren und Inflation kassiert die Bank also z.B. zwei Prozent Zinsen dafür, dass sie Ihr geliehenes Geld verwahrt. Einem solchen Wirtschaftsgebahren sind wir nach dem Abschaffen des Bargeldes fast hilflos ausgeliefert. Dann hilft nur noch der Umtausch in Gold, Immobilien oder Aktien. Das ist keine Fiktion. Weil unser Stat BRD als ausgesprochen sichere Anlage gilt, bekommt Schäuble von Geldanlegrn Negativzinsen auf Staatsanleihen.

Es sind diverse Bemühungen im Gange, das Bargeld zurückzudrängen. Immer mehr gehen wir zum elektronischen Zahlungsverkehr über. Dies lehnen wir nicht aus nostalgischen Gefühlen für die schönen Euromünzen ab. Nein, überlegen Sie doch einmal, wieviel Ihres Alltagslebens hat mit Geld zu tun. Die Miete, der Strom, das Wasser, die Nahrung, die Kleidung usw. Alles wird bezahlt. Ihr gesamtes Leben, das mit Geld zu tun hat, wird zu Daten. Daten sind schon lange nicht mehr sicher. Erst recht nicht, wenn so viele Mitspieler dabei sind. Ihre Bank, der Supermarkt, die Tankstelle, der Kleiderladen, die Kneipe usw. Daten sind der Rohstoff unserer modernen Zeit. Sie müssen gar nicht unserem Staat unterstellen, dass er Interesse an all den Daten hat. Im Zuge der ausufernden Überwachung zur „Sicherheit“ aller Bürger steuern wir allerdings direkt auf diesen Zustand zu. Die werbende Wirtschaft hat heute schon großes Interesse an diesem Rohstoff. Wie das läuft, sehen Sie heute bereits. Forschen Sie im Netz mal nach einem harmlosen Produkt wie einem Toaster. Tun Sie dies hübsch ausgiebig, werden Sie merken, wie Ihnen bei ganz anderen Aktivitäten im Netz entweder Toaster oder andere Haushaltsgeräte angeboten werden. Dies ist keine Zauberei, sondern Rohstoffnutzung. Je mehr Daten Firmen von Ihnen haben, umso gezielter und geschickter können Sie zu Käufen angeregt werden.

Mit diesem Text möchten wir vorm Abschaffen des Bargeldes warnen. In „Datenmassen in der Luft“ haben wir vor gut einem Jahr beschrieben, wie Auto- oder Krankenversicherer vorgehen, um an Ihre, an unsere Daten heranzukommen. Je mehr Mitspieler ihre Daten austauschen, desto präziser wird das Bild von Ihnen und Ihrem Leben. Dass das Datenliefern großenteils so freiwillig geschieht, hat sich kein SF-Autor denken können. Niemand rechnete mit dem Siegeszug eines Gerätes wie dem Smartphone und dem hemmungslosen Nutzen von Netzwerken wie Facebook. Da machen sich viele Menschen freiwillig öffentlich lächerlich und finden sich auch noch toll dabei. Datenmassen gratis für alle!

Wenn Sie immer noch glauben, wir sind Verschwörungstheoretiker und wir leben doch in einem freien Land, hier zwei Hinweise. In China ist ein Punktesystem für jeden Bürger im Kommen, teilweise schon eingeführt. Sämtliche verfügbaren Daten fließen ein. Was sie kaufen, was sie tun, wen sie kennen, wo sie sich herumtreiben, alles. Die soziale Punktzahl spielt dann bei der Behandlung durch Behörden, bei der Arbeitsplatz- oder Wohnungssuche eine große Rolle. Gruselt Sie das nicht?

Jaja, mögen die letzten Zweifler sagen, in China geht das vielleicht. Es war gerade gestern, da forderte Theresa May, man müsse bei der Terrorbekämpfung einen Schritt weitergehen. Gefährder, die noch nichts getan haben, müssten dennoch aus dem Verkehr gezogen werden können. Also passen Sie auf, nicht zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein und Daten zu hinterlassen. Sie könnten ins Visier der Terrorfahnder geraten.

Quellen:

Norbert Häring: Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen

Gesetz über die Deutsche Bundesbank § 14 Notenausgabe

(1) Die Deutsche Bundesbank hat unbeschadet des Artikels 128 Absatz 1 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union das ausschließliche Recht, Banknoten im Geltungsbereich dieses Gesetzes auszugeben. Auf Euro lautende Banknoten sind das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel. Die Deutsche Bundesbank hat die Stückelung und die Unterscheidungsmerkmale der von ihr ausgegebenen Noten öffentlich bekanntzumachen.

(2) Die Deutsche Bundesbank kann unbeschadet des Artikels 128 Absatz 1 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union Noten zur Einziehung aufrufen. Aufgerufene Noten werden nach Ablauf der beim Aufruf bestimmten Umtauschfrist ungültig.

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