Fußball – ein Spiegel der Gesellschaft

Haben Sie gehört von der abgesagten Feier für die Wolfsburger Fußballerinnen, die nicht nur die Deutsche Meisterschaft, sondern auch den DFB-Pokal gewonnen haben? Nein? Das wundert uns nicht. Denn so unwichtig die Frauen dem Verein sind – so unwichtig sind sie auch der Presse.

Die Fakten sind schnell erzählt:
Die Wolfsburger Frauen gewannen zum dritten Mal die Deutsche Meisterschaft. Dazu auch noch den DFB-Pokal. Aber die vorgesehene offizielle Feier für das Frauen-Team am Wolfsburger Rathaus wurde abgeblasen, weil die grottenschlechte Männermannschaft noch um den Klassenerhalt herumhampelte. Der „gesamte VfL“ konzentriere sich „in diesen Tagen natürlich komplett auf die Relegation“ der Männermannschaft, so die Begründung.

Das muss man sich mal umgedreht vorstellen: die BVB-Oberen sagen die Feier für den DFB-Pokalsieger mit der Begründung ab, dass das Frauenteam des Vereins noch um den Bundesliga-Erhalt kämpft. Undenkbar, oder? Können Sie sich die Reaktionen in den Medien, in den Fan-Gemeinden und auf den Dortmunder Straßen vorstellen? Diese Entscheidung würde nicht mal ein Herr Watzke überstehen.

Und bei den Wolfsburger Frauen? Nichts – gar nichts. Ein, zwei lapidare Meldungen unter ferner liefen. Das war’s. Sie sind nicht wichtig, die Fußballfrauen. Das ist eben wie im wahren Leben. Frauen sind nicht mehr vom Spiel ausgeschlossen, sie dürfen mitmachen, denn irgendwie ist man ja für Gleichberechtigung. Man ist ja schließlich politisch korrekt. Frauen dürfen auch erfolgreich sein, aber bitte nicht erfolgreicher als die Männer. Wo gibt es denn so was! Da hört es auf und man muss ihnen mal wieder zeigen, wer das Sagen hat, damit sie nicht zu übermütig werden.

Was hindert Frauen daran, mit aller Wut zu protestieren, wenn sie eine solche Missachtung erfahren? Das ist in den Vereinen auch wieder wie im wirklichen Leben. Es sind die Männer, die die Regeln machen. Und mit denen darf man es sich nicht verderben, sonst ist man bald weg vom Fenster. Dann ist es vorbei mit der Karriere, sei es im Fußballverein oder in irgendeinem anderen Job. Frauen, ganz besonders die erfolgreichen Frauen, spielen nach den von Männern kreierten Regeln. Dafür verbiegen sie sich bis zur Unkenntlichkeit und halten sich – und das ist nun der Gipfel der Ironie – auch noch für emanzipiert. Die Männer können sich auf die Schulter klopfen ob ihrer Großzügigkeit. Lässt man doch die kleinen Dummchen jetzt mitmachen auf dem großen Spielfeld. Wie gesagt, man ist ja glühender Verfechter der Gleichberechtigung.

Nur manchmal fällt die Maske. Das passiert gern, wenn Frauen zu erfolgreich werden. Dann entlarven sich die männlichen Entscheider als die reaktionären Machos, die sie in Wahrheit sind. Im Fußball wie im wirklichen Leben.

Quelle:

http://www.spiegel.de/sport/fussball/dfb-pokal-der-frauen-vfl-wolfsburg-besiegt-sc-sand-a-1149531.html

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Eine Antwort zu Fußball – ein Spiegel der Gesellschaft

  1. Thorsten2 schreibt:

    Sofern der Artikel ab der Passage „Das ist eben wie im wahren Leben …“ wirklich ernst gemeint ist, kann ich mir eine kleine Anmerkung nicht verkneifen: Die Anerkennung einer Sportart in der Öffentlichkeit bzw. Gesellschaft steht in direktem Zusammenhang mit der Popularität. Hier entscheidet sich auch, ob es um das große oder das kleine Geld geht. Fußball ist in Deutschland Volkssport; aber gemessen an den Stadion-Zuschauerzahlen ist Männerfußball ca. 45x populärer als Frauenfußball (Quelle: Statista Saison 2016/2017). Die zugegebenermaßen wenig wertschätzende Verschiebung der Feierlichkeiten jedoch mal wieder als ein typisches Beispiel für die Unterdrückung der Frau in einer männerbeherrschten Welt zu sehen schießt dann doch maßlos über das Ziel hinaus …

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