Hannelore sitzt im Zug

Am Montag hielt Martin Schulz in Berlin eine Rede bei der IHK zu seiner Wirtschaftspolitik. Dabei blieb er vollständig im Agenda-Fahrwasser. Lobenswert fand er Politiker wie Ludwig Erhard, Karl Schiller, Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkl. Alles Menschen, die für die herrschenden Verhältnisse der Ungleichverteilung von Vermögen, für den Niedriglohnsektor, das Hartz-Regime oder die böse Schieflage in der EU verantwortlich sind. Mit einem Wort, Schulz skizzierte einen sehr wirtschaftsfreundlichen Kurs für seine Kanzlerschaft. Dazu passte und gehörte am Ende natürlich auch die Absage an ein Bündnis mit der Linkspartei im Bund. Zwei Tage später folgt nun Hannelore Kraft ihrem Parteivorsitzenden. Bislang erklärte Kraft die NRW-Linke lediglich für nicht regierungsfähig. Eine Formulierung, die ein Bündnis zumindest nicht kategorisch ausschloss. Das holte sie jetzt nach. Mit ihr gibt es keine Koalition zwischen SPD und Linken. Eine SPD ohne Kraft wird es in Düsseldorf natürlich auch nicht geben. Deshalb ist klar, dass dies eine Absage ist. Inhaltlich ist das nicht überraschend. Gerade die Ruhr-Sozis haben ein Problem mit den Linken. Vertreten diese doch Positionen, die an der Ruhr einst sehr beliebt waren. Doch die Parteispitze hat es ja Anfang des Jahrhunderts anders entschieden. So ging der konsequente Teil der Ruhr-Genossen zur WASG und dann zu den Linken. Der treudoofe Teil blieb und knirscht seither mit den Zähnen. Augenfällig ist die schon fast hündische Gefolgschaft der Hannelore Kraft für ihren Parteivorsitzenden. Egal, wie der heißt. Bis Ende Januar war es Sigmar aus Goslar, jetzt ist es eben Martin aus Würselen. Da haben wir uns im Artikel über „Nordrhein-Westfalen“ noch über die schwache Stimme aus Düsseldorf im Bund beklagt. Hier wird überdeutlich, woher das kommt. Kraft ist nicht einmal eine Marionette. Sie folgt ihrer Parteiführung auch ohne Fäden auf Schritt und Tritt. Schulz sagt den Linken ab, da traut sich Hannelore das auch. Welch armseliges Bild einer Vorsitzenden des größten Landesverbandes. Welch armseliges Bild einer ehedem stolzen Partei. Nach der Niederlage in Kiel suchen sie ihr Heil in der Abgrenzung von der Linken. Das wirkt wie der Griff nach dem wirklich allerletzten Strohhalm. Wirksam wird das nicht sein. Denn ernsthaft rechnete niemand in NRW mit einer solchen Koalition. Andererseits fragt sich jeder, mit wem Hannelore denn regieren will. Die Grünen schrumpfen auf ihre Kernwählerschaft, die ihnen mit Glück 7 % bescheren wird. Die Lindner-Liberalen haben wiederum Kraft eine Absage erteilt. Die bei 39,1 % vor fünf Jahren noch kraftstrotzende SPD kämpft um den Status der stärksten Partei im Land. Der Schwung aus Kiel könnte Laschets CDU an die Spitze tragen. Die Union hat immerhin eine Machtoption zusammen mit den Liberalen. Ob das klappt, hängt von der Stärke der AfD und davon ab, ob die Linke in den Landtag einzieht. Dass Kraft dann 13 Prozentpunkte Vorsprung wegregiert hat, davon spricht kein Genosse. Früher sagten wir, man brauche im Ruhrgebiet nur einen roten Besen aufzustellen und er würde gewählt. Mehr als ein Besenstil hat diese Hannelore in den zurückliegenden fünf Jahren nicht gemacht. Sie stützte treu und brav ihren Vorsitzenden. Wenn ihr Innenminister Jäger gerade mal wieder Mist gebaut hatte, wechselte sie kurz zu dessen Rücken und stärkte ihn. Die Kohle hat sie so gut verteidigt wie sie konnte. Die Schulpolitik ließ sie von ihrer grünen Freundin Sylvia vermurksen. Ideen für das Land – Mangelware. Einsatz für die bedürftigen Kommunen an der Ruhr in Berlin – Fehlanzeige. Eine integrative Stimme, als es um das türkische Referendum ging – Stille. Auf diese Landesmutti können wir in Nordrhein-Westfalen gut verzichten. Treu und brav sitzt Hannelore Kraft im Schulzzug. Und wo wir den finden, haben wir kürzlich erst beschrieben.

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