Im Gleichschritt rechts!

Was machen sich unsere Leitmedien in den letzten Tagen für merkwürdige Gedanken? Hat die Ministerin im ZDF-Interview ihre Kritik an der Truppe etwa übertrieben? Muss sie sich nicht schützend vor die Truppe stellen? Wir haben das in „Einfach genial“ erklärt. Sie hat mit allem Recht und zieht dennoch die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Jeden Tag ein neuer Aktionismus der Kriegsministerin. Erst das Interview, dann der offene Brief, der Besuch in Illkirch und zuletzt der Empfang für die Ordenträger der Truppe. Jetzt kommt das Wochenende der Wahlen und danach kräht kein Hahn mehr nach Franco A. Dass sich die Truppe nach Aussetzen der Wehrpflicht verändert, konnten alle wissen, die sich damit beschäftigt haben. Zugegeben, wir gehörten nicht dazu. „Es gebe »geistige Verbindungslinien« zwischen militärischen und extrem rechten Werten wie Kameradschaft, Korpsgeist, Ehre, Treue und Gehorsam“, erklärt der Kölner Politikwissenschaftler und Bundespräsidentenkandidat Christoph Butterwegge in der Neuen Osnabrücker Zeitung«. »Alles, was die Bundeswehr jungen Männern bietet, wird im rechtsextremen Spektrum geschätzt«. Die Truppe locke Menschen an, »die sich in hierarchischen und autoritären Strukturen wohlfühlen.“ Zu all diesen Kriterien kommt ein einfaches Freund-Feind-Weltbild. Bei der Bundeswehr wird Dir klar gesagt, auf wen Du schießen sollst. Die Nähe zu Waffen spielt auch eine große Rolle. Was im Zivilleben verboten ist, wird bei der Truppe gefordert – das Tragen von Waffen. Wer es weiter bringt, darf Panzer fahren oder Kampfjets fliegen. All dies sind Fakten, die eine bestimmte Gruppe junger Männer anzieht. Dass es nicht genug sind und die Bundeswehr unter Personalmangel leidet, spricht für unsere Gesellschaft. Unsere Politschauspieler nennen die Truppe ja immer noch verniedlichend „Parlamentsarmee“. Das war einmal, als sie noch der Landesverteidigung diente. Der Kabarettist Volker Pispers fasste das mal so zusammen: „Die Bundeswehr ist dafür da, den Russen an der Grenze aufzuhalten, bis das Militär kommt.“ Wenn wir schon eine Armee haben, dann doch bitte so eine. Reste dieser sympathischen Harmlosigkeit sind ja geblieben – siehe „Kriegseinsatz versandet„. Für die Landesverteidigung brauchen wir die Bundeswehr nicht mehr. Sie hat sich zum weltweiten Hilfspolizisten der USA gemausert. Unsere Politschauspieler nennen das „Verantwortung übernehmen“. Der Dienst „im Felde der Ehre“ ist mittlerweile gefährlich geworden. Für all das brauchen wir stramme Jungs und keine diskussionsfreudigen Weicheier. So ist es also nicht nur das Aussetzen der Wehrpflicht, das die Bundeswehr verändert hat. Es ist auch ein vollkommen veränderter Einsatz. Wir werden nicht müde zu betonen, dass alle Parteien außer Die Linke diesem geänderten Einsatz der Soldaten zustimmen. Vorfälle wie die seltsamen Aufnahmerituale bis hin zu sexuellen Demütigungen gerade in Elitetruppen sind idealtypisch für Männerklübchen. Daran kann auch eine Ursula von der Leyen nichts ändern. Wollte sie ja auch gar nicht. Beobachten wir ihre Oberbefehlshaberschaft, macht es ihr richtig Spaß, in Kriegsgebiete zu fliegen und vor ihren oder angelernten Soldaten zu paradieren. Sie wirkt, als bedaure sie es, keinen richtigen Krieg befehligen zu dürfen. Wie sie in den letzten Tagen allzu viele Berichte über ihre Truppe verhindert hat, war politschauspielerisch meisterhaft. Dass die Bundeswehr eher rechts denkt und marschiert, interessiert kaum noch einen. Ein interessantes Vorgehen, die Wahrheit zu sagen und weil die nicht sein darf, von der Öffentlichkeit dafür Prügel zu beziehen.

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