Rob16 spielt Müllabfuhr

Einige Wochen sind vergangen, seit unser Roboter im Apfelbaum landete. Zum Glück schien häufig die Sonne. So konnte er seine Akkus wieder aufladen. Zwischendurch besuchte er kurz sein Raumschiff in der Umlaufbahn. Dort überspielte er alle offenen Fragen in den Hauptcomputer. Danach fühlte er sich wesentlich besser. Obwohl Rob16 ja gar nicht mehr fühlen kann. Das hat die Vollrobotisierung auf seinem Planeten ja zum Glück abgeschafft. Völlig entspannt landete er wieder in seinem Apfelbaum, den er mit der Platane am Bruchheck vertauscht hat. Rund um diesen Baum ist weniger Treiben als in Hörde. Kaum jemand kommt vorbei. Das mag daran liegen, dass dieser Baum hinter so einem Haus steht, wie es die Menschen bewohnen. Nur gelegentlich zeigen sich diese Zweibeiner. Eine davon kennt Rob16 irgendwie. Diese tritt besonders früh morgens in Erscheinung. Manchmal schleppt sie diese Kleidung, die sie sonst nur am Körper trug, nach draußen und hängt sie auf Schnüre. So etwas speichert Rob gar nicht mehr. Das sind halt so Angewohnheiten dieser rückständigen Zweibeiner mit Haaren.

Natürlich verfolgt er weiterhin die Nachrichten, die diese Menschen per Funk austauschen. Wenigstens in dieser Hinsicht haben sie kleine Fortschritte gemacht. Früher haben sie diese Nachrichten extra auf Papier gedruckt und überall verteilt. Diese Art der Übermittlung ist auf dem Rückzug. Dafür sorgt dieses Internet, das die Menschen erfunden haben. So erfährt Rob16 von einer interessanten Versammlung. In einem Ort namens Darmstadt treffen sich Leute, die sich mit Weltraumfahrt beschäftigen. Als Rob auf seinem elektronischen Globus nach Darmstadt sucht, meldet sich der Assoziationssektor. Das Wort Lilien und das Bild einer Blume tauchen vor seinem inneren Auge auf. Rob schiebt die Information beiseite. Dass dieser Sektor wertvoll ist, bezweifelt er. Der lenkt doch bloß ab. Darmstadt ist nicht leicht zu finden. Erst nach entsprechender Maßstabverkleinerung findet er es in der Nähe von Frankfurt, wo die Menschen wenigstens einen halbwegs nennenswerten Flughafen betreiben. Rob zündet seine Triebwerke und macht sich auf die Reise. Er merkt nicht, dass er die Fluglotsen am Airport Wickede damit in helle Aufregung versetzt. Es interessiert ihn nicht. Uns übrigens auch nicht.

Rob16 fliegt extra langsam, um sich die Nachrichten zum Treffen genau anzusehen. Aus aller Welt kommen etwa 400 Menschen zusammen. Sie wollen darüber reden, dass rund um die Erde eine Menge Schrott herumfliegt. Trümmer ausgedienter Raketen, alte Satelliten oder Teile davon, die MCDonalds-Schachteln von der Raumstation ISS, Wodkaflaschen aus der MIR und vieles mehr. Rob war das auch schon aufgefallen, als er zur Erde kam. Eigentlich hätte er den Müll beseitigt. Doch eine Sperrschaltung verbietet, sich derart einzumischen. Rob ist ja von Hause aus ein reiner Beobachter. Nun aber scheint dieser Müll im All ein Problem für die Menschen zu sein. Gern hilft unser Roboter den Menschen ja bei der Lösung ihrer Probleme. Drei Tage lang beobachtet er die Zweibeiner in diesem Darmstadt, Lilien findet er übrigens nicht. Dieser Assoziationssektor ist doch wirklich überflüssig. Ein größerer Logiksektor wäre wichtiger. Denn Rob versteht das Ergebnis der Tagung nicht. Es handle sich um ein Problem, das alle raumfahrttreibenden Nationen der Erde angeht. Das soll das Ergebnis sein, wenn sich 400 Menschen drei Tage lang mit dem Thema befassen? Rob begreift es nicht. Für so schwach hätte er die biologischen Gehirne nun auch wieder nicht gehalten. Ein wenig mehr wäre doch zu erwarten gewesen. Als alle fort sind, fasst Rob16 wieder einmal den Entschluss, den Menschen zu helfen.

Er beamt sich zu seinem Raumschiff in die Umlaufbahn. Dies bleibt sowohl für die Fluglotsen in Frankfurt als auch für die Weltraumleute in Darmstadt unbemerkt. Soweit ist die menschliche Technik nicht. Noch lange nicht. An Bord seines kleinen Raumschiffs ist Rob nur von Elektronik und Mechanik umgeben. Das fühlt sich beklemmend an. Anders als früher zeigt sein Funktionsbarometer nur 90 % Leistung an. Er kann sich nicht erklären, woher das kommt. Das muss auch warten, denn Rob programmiert mit Hilfe des Bordcomputers ein kleines Magnetfeld. In diesem sollen versuchsweise etwa 10.000 Trümmerteile eingesammelt und zur Erde gebracht werden. Eine Kleinigkeit für die hochentwickelte Technik von Robs Heimatplaneten. Binnen weniger Minuten ist das Werk vollbracht. Sicher und geräuschlos bringt das Magnetfeld den Schrott nach Darmstadt und lädt ihn vor der Tür dieses Weltrauminstitutes ab. Rob geht davon aus, dass die dort arbeitenden Experten etwas damit anzufangen wissen. Frohen Mutes beamt er sich zurück auf die Erde.

Was er dort vorfindet, überrascht ihn nicht. Er weiß, dass die biologischen Gehirne langsamer arbeiten. Deshalb rennen die Zweibeiner aus dem Haus, umkreisen den Schrotthaufen aus großen und kleinen Teilen und reden alle wild durcheinander. Die etwas weniger Aufgeregten halten wieder diese Bildschirme in der Hand. Einige wenige reden mit ihren Bildschirmen. Bald aber brandet lautes Geheul in der Ferne auf. Kurz darauf rasen erste Roboter auf vier Rädern, die noch von Menschen gesteuert werden, heran. Die bereits vom Karneval bekannten Weißhelme springen heraus. Jeder zweite hat wieder eine Hand mit diesem Stabgerät vertauscht. Maschinenpistole nennen das die Zweibeiner. Die aufgeregten Experten werden in ihr großes Haus getrieben. Bald darauf tauchen Hubschrauber am Horizont auf und umkreisen das Institut. Rob hat mit so viel Aufregung wirklich nicht gerechnet. Keiner kümmert sich um den Schrott, den er geholt hat. Niemand freut sich darüber, dass im Weltall nun wieder mehr Platz ist. Stattdessen rumpeln jetzt diese merkwürdigen Autos ohne Fenster heran. Ihre oben aufmontierten Schießgewehre richten sich auf das Haus der Experten. Rob16 ahnt, dass er diesen Menschen darin keinen Gefallen getan hat. Voller böser Gedanken schaltet er sich in einen Nachrichtenkanal ein, den die Menschen ARD nennen. Dort läuft gerade eine Sendung, die Brennpunkt heißt. „Vor dem Institut der Esa sind am heutigen Vormittag eine Menge Metallteile aufgetaucht, deren Herkunft völlig unbekannt ist. Innenminister de Maizière und Kriegsministerin von der Leyen haben den Notstand ausgerufen und eine Nachrichtensperre verhängt. Das Areal wird großräumig abgeriegelt. Kanzlerin Merkel ist bei ihrem Treffen mit Barack Obama derzeit nicht erreichbar. Kanzlerkandidat Schulz machte sich in Gummistiefeln auf den Weg, weil er etwas von einer Flut gehört hatte. Grünen-Chef Özdemir vermutet, dass es sich um einen heimtückischen Versuch Erdogans handelt, die EU zu destabilisieren. Ministerpräsident Seehofer murmelte etwas von dreckerten Saupreißen, die ihren Müll einfach vor die Tür kippen. Unser neuer Terrorexperte Elmar Brok sagte, es handle sich mit ziemlicher Sicherheit um einen Anschlag des IS, der sich direkt gegen die EU richte, weil die Esa schließlich die europäische Weltraumorganisation sei. Kriegsministerin von der Leyen gab bekannt, dass dies die erste gemeinsame Aktion von Polizei und Bundeswehr sei. Mit dem Verlauf ist sie außerordentlich zufrieden. Die Erstürmung einer harmlosen Kneipe in Offenbach durch ihre Sturmschergen bezeichnete sie als bedauerlichen Zwischenfall, der bei solch einer Großaktion nicht zu vermeiden sei. Innenminister de Maizière nannte das Schließen des Frankfurter Flughafens eine bedauerliche Maßnahme. Die Wirtschaft werde für ihre Ausfälle entschädigt. Für die wartenden Passagiere wurden U-Bahnhöfe der stillgelegten Nahverkehrsbetriebe zur Verfügung gestellt. Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren in alle Richtungen. Wir melden uns in einer Viertelstunde mit dem nächsten Brennpunkt wieder.“ Als Rob16 jetzt Werbung für einen Augenbrauen-Booster empfängt, schaltet er ab. Irgendwie hat er einen großen Tumult verursacht. Dabei wollte er den Menschen nur bei ihrem Problem mit dem Weltallmüll helfen. Wieder zündet er sein Triebwerk, um zu seinem friedlichen Apfelbaum heimzukehren. Er merkt nicht, wie das das Flugabwehrbataillon der aufmarschierten Truppen in Aufregung versetzt. In Ramstein steigen Jagdflugzeuge auf. Doch da ist unser kleiner Roboter längst in Dortmunds Nordosten gelandet.

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