Kill-Lists und Kirchentag

Ende Mai wird der diesjährige evangelische Kirchentag stattfinden. Es ist dies anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation ein Jubiläums-Kirchentag. Er steht unter dem Motto: „Du siehst mich“. Wir schauen ein wenig in die Zukunft und stellen uns vor, wie Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, seine einleitenden Worte spricht. Er stellt gerade seinen speziellen Wunschgast, den Ex-Präsidenten Barack Obama, vor.

„Liebe Schwestern und Brüder im Glauben“, meine sehr verehrten Damen und Herren!
Es ist mir eine besondere Ehre, Ihnen den folgenden Gast anzukündigen. Wir freuen uns alle sehr, dass er der Einladung der evangelischen Kirche gefolgt ist. Mit seiner Anwesenheit und seinem Redebeitrag wird er einen Höhepunkt des diesjährigen Kirchentages setzen. Ich spreche von Barack Obama.“

Während Barack Obama mit huldvollem Lächeln die Bühne betritt, brandet Riesenapplaus auf. Obama winkt bescheiden ab…
Bedford-Strohm ist sichtlich begeistert. Er wird direkt ein paar Zentimeter größer im hellen Rampenlicht neben dem so berühmten Mann.

„Nun, ich muss Ihnen Herrn Obama ja nicht groß vorstellen. Sie alle kennen ihn als Ex-Präsidenten der USA, aber auch als praktizierenden Christen und nicht zuletzt als Friedensnobelpreisträger.“

Lang anhaltender Applaus! Obama winkt bescheiden ab…..

„Trotzdem möchte ich ein paar Fakten über ihn erwähnen, die oft zu kurz kommen in der Berichterstattung:
Vor ca. einem Jahr, nämlich am 6. Mai 2016, feierte auch Barack Obama ein Jubiläum. Die USA führten unter seiner Regierung vom Amtsantritt am 20. Januar 2009 bis zum 6. Mai letzten Jahres, insgesamt 2663 Tage Krieg in verschiedenen Ländern. Seit diesem Tag ist er laut Angaben der „New York Times“ offiziell der US-Präsident mit den meisten Kriegstagen. Damit hat er seinen unseligen Vorgänger George W. Bush überholt.“

Lauter Applaus! Obama winkt bescheiden ab…..

„Und das ist noch nicht alles. Während der Präsidentschaft von Barack Obama wurden Tötungen per Drohne zur Staatsdoktrin. Einmal pro Woche, jeden Dienstag, unterschrieb er die sogenannte „Kill List“. Kein einziger Drohnenangriff fand ohne seine Absegnung statt. Damit übernahm er persönlich höchste Verantwortung.“

Hier wird der Applaus etwas dünner und Obamas Lächeln wirkt ein wenig verkrampft.

Bedford-Strohms Begeisterung jedoch ist ungebrochen:

„Barack Obama hat zu Beginn seiner Amtszeit das Waterboarding und andere sog. erweiterte Verhörtechniken verboten.

Lauter Applaus, Obama winkt bescheiden ab….

„Die Mitarbeiter der CIA blieben selbstverständlich unangetastet. Obama hat Geheimdienstlern, die das Waterboarding angewendet haben, Straffreiheit zugesichert. Er begründete diese Entscheidung damit, dass es nicht im Interesse der USA sei, wenn diejenigen strafrechtlich verfolgt würden, die ihre Pflicht getan und sich in gutem Glauben auf die Rechtsauffassung des Justizministeriums verlassen hätten. Ich finde es bemerkenswert, dass Barack Obama in der Frage der Pflichtauffassung eine den Deutschen sehr ähnliche Haltung einnimmt. Wir haben sehr viel gemeinsam, könnte man sagen.
Ja, Barack Obama ist ein Christ, der sich nicht scheute, in einem schweren Amt Verantwortung zu übernehmen. Auch wenn das manchmal bedeutete, unpopuläre Entscheidungen treffen zu müssen. Insofern kann er uns allen als gutes Beispiel dienen. Es geht schließlich um die Verteidigung so hoher Werte wie Menschlichkeit und Freiheit.

Lang anhaltender lauter Applaus, Obama winkt bescheiden ab…

„Denn wir sind alle Berliner!“ mit diesem genialen Schlusspunkt übergibt Herr Bedford-Strohm das Mikrofon an seinen berühmten Gast, den Friedensnobelpreisträger und Christen Barack Obama.

P.S: einen Hinweis auf das 5. Gebot haben wir leider vermisst.

Quellen:

https://www.nytimes.com/2016/05/15/us/politics/obama-as-wartime-president-has-wrestled-with-protecting-nation-and-troops.html?_r=1

http://www.deutschlandradiokultur.de/drohnenkrieg-obamas-toedliches-erbe.1005.de.html?dram%3Aarticle_id=376686

http://www.spiegel.de/politik/ausland/waterboarding-obama-verspricht-cia-folterern-straffreiheit-a-619465.html

 

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