Auf dem Abstellgleis?

Begleiten Sie uns doch bitte auf eine kleine Zeitreise. Knapp drei Monate rückwärts. In „Weder sozial noch demokratisch“ beschreiben wir, wie der allmächtige Sigmar sich zum Außen-, Brigitte zur Wirtschaftsministerin und Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten und Parteivorsitzenden krönte. Bald darauf geschah etwas Seltsames im Medienland. Zuerst schossen die Umfragewerte der Sozis in die Höhe. Martin überholte Angela in der Beliebtheit. Die Medien sprachen fortdauernd vom Schulz-Effekt. In Bayern hielt er an Aschermittwoch Hof. Die Unionierten schienen nervös zu werden. Es ging auf die Saarwahl zu. Martin hatte plötzlich einen Opa von dort. Anke Rehlinger wurde die Ministerpräsidentschaft zugetraut. 13.000 Menschen traten in die SPD ein. Katherina Barley, Nachfolgerin von Hubertus Heil und Jasmin Fahimi, platzte vor Stolz. Insider sagen, die Willy Brandt-Statue im gleichnamigen SPD-Haus sei um 10 cm gewachsen. Am besten illustriert wird die Stimmung durch das Lied, das die Sozis zum Schulzhype veröffentlichten. Wohlgemerkt, dies ist kein Ulk, sondern echt SPD.

„Glückauf, Glückauf, der Schulzzug rollt.
Und er hat keine Bremsen und fährt mit voller Kraft,
und er hat keine Bremsen und fährt mit voller Kraft
ins Kanzleramt, ins Kanzleramt.
Aus dem Weg, der Schulzzug rollt,
lasst uns Brücken bauen, ja, und dann geht es los
lasst uns Brücken bauen, ja, und dann geht es los
das ist megageil, das ist megageil.
Glückauf, Glückauf, Gott-Kanzler Schulz,
und er rettet die deutsche Sozialdemokratie, und er rettet die deutsche Sozialdemokratie
mit hoher Energie, mit hoher Energie!“

Auf die sprachlichen Feinheiten dieses Textes kommen wir unter Sprachbetrachtungen noch zu sprechen. Richtig einstimmen auf die Zeit vor der Saarlandwahl können Sie sich, wenn Sie das Lied hören. Bitte sehr:

https://www.youtube.com/watch?v=0rrG3SKT3po

Es kam die Wahl. Wer sich nicht recht erinnert, mag unter „Eine Wahl – zwei Pleiten“ nachlesen. Die SPD blieb zehn Prozentpunkte hinter der CDU zurück. Martin Schulz musste die Niederlage in „seiner“ ersten echten Wahl eingestehen.

Seither beobachten wir einen seltsamen Vorgang. So schnell, wie die Seifenblase Schulzeffekt in der Medienwelt war, so schnell war sie auch wieder daraus verschwunden. Kein Wort mehr über euphorisierte Sozis, die sogar einen Wahlsieg über die Union für möglich halten. Keine Silbe mehr von einer Eintrittswelle in die SPD. Sogar der Kandidat selber ist weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Zu den seither aktuellen Themen wie Türkei oder Syrien hörten wir von ihm genau gar nichts. Wir müssen annehmen, dass sich Schulz der herrschenden SPD- und damit Regierungsmeinung anschließt. Das passt auch zu dem, was wir von Schulz als EU-Parlamentspräsident kennen. Der Mann ist keine Alternative zu Angela. Seine minimalen Veränderungen an den ALG 1-Regeln waren schon alles, was wir zu erwarten haben. Wir halten es für bemerkenswert, wie kurzlebig dieser Schulz-Effekt war. Auch die Umfragewerte sinken. Der Schulzzug steht irgendwo. Auf welchem Abstellgleis, wissen wir nicht. Vielleicht in Würselen auf einer stillgelegten Strecke.

Umso erstaunlicher ist das, da in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen bald gewählt wird. Aus dem hohen Norden kriegen wir wenig mit. Als Bewohner von NRW aber auch nicht viel mehr. Es ist nicht so, als tobe eine total motivierte SPD hier durch ihr Stammland und mache Werbung für sich. Ministerpräsidentin Kraft taucht außer auf Plakaten selten auf. Meist stellt sie sich schützend vor ihren Innenminister Jäger, wenn der mal wieder Mist gebaut hat. Genau wie hinter Sigmar steht sie jetzt hinter Martin – eine brave Parteisoldatin. Als mal wieder ganz Deutschland durch den Bombenanschlag auf den BVB-Bus bedroht war, eilte sie publikumswirksam solidarisch ins Stadion. In Umfragen hält sie sich wacker vor der CDU, weil diese mit Armin Laschet sehr lahm daherkommt. Ein kraftvolles Signal für den Bund und damit für Martin Schulz kann von dieser biederen Landesmutti nicht ausgehen.

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