Unsere Werte

Ich habe ein Problem mit unseren Werten. Sie wissen schon, die gemeinsamen Werte, die nach jedem Terrorakt gebetsmühlenartig von Politikern und Journalisten beschworen werden. Nie werden sie genauer definiert, aber es herrscht Konsens, dass es sie zu verteidigen gilt. Mit allen Mitteln.

Früher hatte ich mir vorgestellt, dass mit diesen Werten Ideale wie Freiheit, Solidarität, Humanität, Mitmenschlichkeit, demokratisches und friedliches Miteinander gemeint seien. Zumindest wurde es uns Bürgern so suggeriert.

Zwei Ereignisse in der jüngeren Vergangenheit haben mich eines Besseren belehrt.

Das erste Beispiel stammt aus dem August 2015. Ich meine diesen berühmten Satz von Angela Merkel „Wir schaffen das“. Ich bin wahrhaftig kein Fan von Frau Merkel und konnte es selbst kaum fassen, dass sie mir das erste Mal imponierte. Da sprach jemand mit Zuversicht, sie rüttelte auf, sie motivierte. Man hätte ihre damalige Rede auch als „Ruck-Rede“ interpretieren und sie wegen ihres Verantwortungsbewusstseins preisen können. Das Gegenteil geschah. Wir alle wissen, was passierte. Es fehlte nicht viel und sie wäre über ihr humanitäres Engagement gestolpert und zurückgetreten worden. Ganz speziell ihre ach so christlichen Brüder und Schwestern in Bayern zerrissen sie in der Luft. Christliche Nächstenliebe? Hilfe und Unterstützung? Fehlanzeige. Es begann eine Dauer-Diskussion, in der es nur noch um Zahlen (Obergrenze) und immer weniger um Menschen ging. Sprachlich wurden aus Flüchtlingen im Laufe der Wochen Migranten und widerliche Begriffe wie „Flüchtlingstsunami“ wurden geprägt. Zum Schluss sah es so aus, als wenn die Bürger der BRD eine größere Krise zu bewältigen hätten als die armen Menschen, die mit ein paar wenigen Habseligkeiten und teils schwer traumatisiert ihre Heimat verlassen mussten.

Das zweite Beispiel ist der Raketenangriff Donald Trumps auf einen syrischen Militärflughafen. Ein Akt der Aggression, der die allgemein gültigen Regeln des Völkerrechts völlig ignoriert. Und was passiert? Trump, der bis zu diesem Zeitpunkt quer durch alle Medien als Witzfigur mit viel Geld und wenig Hirn gehandelt wurde, genießt plötzlich Anerkennung und Sympathie beim Establishment und wird für voll genommen. Weil er Bomben geworfen hat, wohlgemerkt. Beim Presseclub am letzten Sonntag (9.4.2017) fiel mehrfach der Satz: „Nun haben die Erwachsenen wieder das Ruder übernommen!“ Etwas Zynischeres habe ich selten gehört zu einem Bombenabwurf. Donald Trump hat gezeigt, dass er inzwischen begriffen hat, worauf es ankommt, wie der Einsatz der „Mutter aller Bomben“ in Afghanistan beweist.

Kurz gesagt: Merkel handelt einmal menschlich und – wenn man so will – christlich. Als Ergebnis gerät sie in die größte Amtskrise ihrer Kanzlerschaft.
Trump handelt als militanter Aggressor unter Missachtung des Völkerrechts und wird daraufhin in den illustren Kreis der erwachsenen Politiker aufgenommen.

Trotzdem werden Politiker und gleichgeschaltete Medien nicht müde, über unsere freiheitlich-demokratischen, humanitären Werte zu schwadronieren. Glauben sie, was sie sagen? Das wiederum kann ich nicht glauben. Und die Menschen, denen unsere Art zu leben als die einzig wahre Gesellschaftsform mit Bomben und Gewalt übergestülpt werden soll, glauben gewiss auch nicht daran.

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