Männer-WG – Teil 16

Als Ülle in die Küche kommt, sitzt Reusi am Tisch. „Ey Alter, was geht?“, fragt er etwas erstaunt, weil sonst Majo immer der Erste ist. „Ey was für ein voll krass blöder Abend gestern. Außerdem erreiche ich Madelleine nicht“, murmelt Reusi. „Mama Götze ist doof einen starken Rüdesheimer bitte“, sagt Ülle. Der Thermomix brummt glücklich. „Was willst Du denn von Madelleine?“, fragt Ülle. „Ich will wissen, wo sie ist. Neuerdings macht sich ja der blöde Dembedingsbums an sie ran“, antwortet der Freund. „Sie steht eben auf schnelle Flügelflitzer“, neckt Ülle. „Jaja, Du mich auch“, brummt Reusi. „Wo ist denn eigentlich Majo geblieben?“, fragt Ülle und greift zu seiner duftenden Tasse. „Der ist gerade aus dem Bett gekrochen“, antwortet eine fremde, doch irgendwie vertraute Stimme. Reusi hebt den Blick und ruft aufspringend: „Mensch Kevin ey Alter, was machst Du denn hier?“ Beide liegen sich in den Armen. „Was willste trinken?“, fragt Ülle. „Ach bloß eine Tasse Kaffee erstmal“, sagt Kevin. „Mama Götze ist doof eine Tasse Kaffee bitte.“ Wieder antwortet zufriedenes Brummen. Ülle hat die Maschine im Griff. „Jetzt erzähl mal!“, fordert Reusi. „Ey Alter, ich war mit Kumpels gestern in der City. Voll fett Mountainbike mit Motor und so. Da treff ich den Majo.“ „Ach da war der. Wir haben ihn abends beim Spiel vermisst.“ „Ja wir wollten ja auch gucken. Aber dann mussten wir mit einem Kumpel ins Krankenhaus. Der war mit der Birne vollfett gegen so einen Masten geknallt. Die haben den genäht – ohne Betäubung. Weil da so viele waren.“ „war das denn so gefährlich mit den Fahrrädern?“, fragt Ülle und reicht dem Besucher seinen Kaffee. „Ach was, der hat bloß die Knöpfe am E-Motor verwechselt. Ist eben nicht so helle, der Helge.“, erklärt Kevin und nimmt einen Schluck. „War Majo auch mit im Krankenhaus?“, fragt Reusi besorgt. „Mach Dir keine Sorgen. Den haben wir erst später getroffen.“ „Ob er krank ist, ist nicht so wichtig“, erklärt Ülle, „er darf bloß nicht gesehen werden im Krankenhaus. Weil seine Krankheit doch immer noch geheim ist.“ „Jawoll, das ist sie“, sagt Majo und legt ein Viererpack Pflaster auf den Küchentisch. „Madelleine ist die Schönste einen Kakao bitte“, sagt Majo. Nichts geschieht. Ülle und Reusi greifen schweigend zu den Pflastern und platzieren sie gekonnt. „Nehm Dir auch eins“, fordert Reusi den Freund auf, „ist gut für die Vorbeugung gegen alles. Außerdem machts Laune“, muntert Reusi den zögernden Kevin auf. Majo greift ebenfalls zu und fragt: „Warum geht denn das blöde Teil schon wieder nicht?“ Keiner sagt etwas. „Ey Alter, habt Ihr den Code geändert oder was?“, fragt Majo. Reusi eilt zum Thermomix und flüstert: „Mama Götze ist doof einen Kakao bitte.“ „Ey Majo, warst Du auch beim E-Biking in der City?“, lenkt Ülle ab. „Vollkrass Alter. Echt heiße Reifen waren da“, erzählt Majo begeistert, „und da habe ich unseren alten Kumpel Kevin getroffen.“ „Und da habe ich erzählt, dass zu Hause mein Kinderzimmer renoviert wird und ich auf dem Sofa schlafen muss. Da hat mich Majo eingeladen, die nächsten Tage hier zu wohnen“, erklärt Kevin, der von Stuttgart aus wieder zu Mama gezogen ist. Reusi bringt Majos Kakao an den Tisch. „Ey Alter und wie haben wir gestern eigentlich gespielt?“, fragt Majo, „die haben da nämlich so einen Quatsch erzählt.“ „Vier eins“, flüstert Ülle. „Ist doch voll gut“, jubelt Majo. „Für die Bayern“, zischt Reusi. „Ach so“, sinken Majos Mundwinkel herab. „Ey krass, das wäre uns früher nicht passiert“, trumpft Kevin auf, „und jetzt passiert das nur, weil wir alle nicht dabei sind.“ „Glaube ich auch“, stimmt Reusi zu. „In welchem Zimmer soll Kevin denn wohnen?“, fragt Ülle. „Ey ist doch klar. In Nevadas. Ihr habt doch mal wieder Schluss“, sagt Majo. „Woher weißt Du das?“ „Ich habe Dein Smartphone angezapft.“ Ülle will auf Majo losgehen, da hebt er seine Tasse. Ülle zögert und sagt: „Na gut, dann sage ich Dir auch nicht, dass der neue Code Mama Götze ist doof heißt.“ Im nächsten Augenblick schlägt er sich die Hand vor den Mund. „Was soll das heißen?“, fragt eine freundliche Stimme von der Tür her. „Guten Morgen, Frau Götze. Schauen Sie mal, der Kevin Großkreutz ist zu Besuch“, lenkt Reusi schnell ab. „Das ist nur ein Test für den Thermomix“, sagt Ülle schuldbewusst. „Na den Code werdet Ihr lieben Jungs doch sicher wieder ändern. Hallo, mein lieber Kevin“, begrüßt Mama Götze den Ex-Borussen, „dann macht Euch mal fertig. Ich habe Eurem Trainer versprochen, mit Euch heute nordic walking zu machen. Meine Stöcke kriegt dann der liebe Kevin“, erklärt Mama Götze großzügig. Alle Ausflüchte helfen nicht. Bald schlüpft ein Quintett in Schwarzgelb durch ein Loch in Reusis Hecke hinaus in Wald und Flur.

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