Sachsen

Als zweites Bundesland möchten wir Sachsen vorstellen. Meine Wahl fiel auf dieses Land, weil ich einige Jahre dort lebte und immer noch eine besondere Beziehung dazu habe.

Der Freistaat Sachsen hat rund 4 Millionen Einwohner. Die Landeshauptstadt und größter Ballungsraum ist Dresden, die bevölkerungsreichste Stadt ist Leipzig, dritte Großstadt ist Chemnitz. Wie bereits als Land der Weimarer Republik bezeichnet sich Sachsen per Landesgesetz als Freistaat. Seit der ersten Wahl nach der Wende 1990 wird das Land von der CDU regiert, entweder allein oder mit Koalitionspartnern (dreimal SPD, einmal FDP).

Ein paar Anmerkungen zur Sprache. Natürlich redet man hauptsächlich sächsisch in Sachsen. Für viele hier im Westen ist das eher eine unverständliche Fremdsprache. Der sächsische Dialekt hat einen schweren Stand. Oft macht man sich über ihn lustig. Kaum zu glauben, dass Sächsisch im gesamten deutschen Sprachraum lange Zeit – vom frühen 16. Jahrhundert bis zum späten 18. Jahrhundert – der Vorzeigedialekt schlechthin war. Er galt als vornehm. Mein Lieblingswort im sächsischen Dialekt ist das „Mohdschegiebschen“. Könnt ihr Nicht-Sachsen erraten, was damit gemeint ist? Im östlichen Teil Sachsens, in der Lausitz, wird außerdem noch sorbisch– eine slawische Sprache – gesprochen und auch an einigen Schulen unterrichtet.

Sachsen ist eine Reise wert. Es gibt nicht nur Dresden und das Elbsandsteingebirge, sondern eine Menge anderer Attraktionen kultureller und landschaftlicher Art. Ein besonderes Schmuckstück ist die Stadt Görlitz ganz im Osten an der Grenze zu Polen. Wer sich informieren möchte, kann das zum Beispiel hier tun:

http://www.sachsen-tourismus.de/

http://www.sachsen-tourismus.de/reisethemen/sachsen-barrierefrei/infos-und-adressen/

Ich wohnte zwischen 1974 und 1981 in der kleinen Gemeinde Neukieritzsch, ca. 25 Kilometer südlich von Leipzig. Zwischen meiner Wohnung und meiner Arbeitsstätte am Leipziger Theater lag also nur eine halbstündige Bahnfahrt. Aber ich bewegte mich in zwei verschiedenen Welten. Neukieritzsch war ein fürchterliches Nest, geprägt vom rechtschaffenen Spießbürgertum. Das Spießbürgertum in der DDR unterschied sich in keiner Weise von dem in der BRD. Der ordentlich geputzte Hausflur und der Unkraut-befreite Vorgarten war der Maßstab, nach dem man die Mitmenschen beurteilte. Den kleinen Wochenmarkt bevölkerten Frauen mit Dauerwelle, gekleidet in „Kittelschürze“, und ausgestattet mit festen Ansichten zu allem und jedem. Als Zugereiste hatte man dort keine Chance. In Leipzig dagegen herrschte eine weltoffene, lebendige und freundliche Atmosphäre. Ganz besonders in Erinnerung ist mir die Herzlichkeit der Menschen. Eine Stadt, die mich willkommen hieß. Ein Ort zum Wohlfühlen. Vor ca. 5 Jahren habe ich sowohl Leipzig als auch Neukieritzsch noch einmal besucht. Überraschenderweise hatte sich trotz der Wende und der vielen dazwischen liegenden Jahre nichts Grundsätzliches geändert.

Woran denkt man noch, wenn man über Sachsen spricht? Klar, die Nazis. Ein Trauerspiel sondergleichen. Was wir davon halten, haben wir u.a. in „Braune Bande“ beschrieben. Ich wünsche all den weltoffenen, herzlichen Menschen, die es in Sachsen eben auch gibt, dass diesem Spuk bald ein Ende gemacht wird. In Dortmund leben wir in einer braunen Hochburg Westdeutschlands. So können wir nachfühlen, wie es diesen Sachsen bzw. Dresdnern geht.

Zum Schluss möchte ich noch zwei berühmte Sachsen nennen, die mir besonders am Herzen liegen. Ihre Bücher begleiteten mich schon in Kindertagen. Es sind Erich Kästner und Karl May.

Erich Kästner lese ich heute noch, denn er ist viel mehr als ein harmloser Kinderbuch-Autor. Sein folgendes Zitat ist leider aktueller denn je:

Glaubt nicht, ihr hättet Millionen Feinde. Euer einziger Feind heißt – Krieg.
Erich Kästner (1899-1974)

Ach, und das Mohdschegiebschen ist ein Marienkäfer!

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sachsen

 

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