Ein alter Mann, der nicht mehr anders kann

In verschiedenen Beiträgen haben wir bereits erwähnt, dass wir die NachDenkSeiten gern als Informationsquelle nutzen. Nach wie vor können und möchten wir diese Seite empfehlen. Sie erhalten dort Informationen, die der Mainstream nicht liefert. Dazu kommen Anregungen, um einmal anders über die Dinge nachzudenken. Täglich bringen die beiden Hauptautoren Albrecht Müller und Jens Berger einen Artikel zu aktuellen Themen oder solchen, die sie gerade beschäftigen. Dazu kommt eine Zusammenfassung der wichtigsten Meldungen des Tages. In letzter Zeit bedauern wir es jedoch, dass sich die Autoren sehr mit ihrem eigenen Blog beschäftigen.

Vor wenigen Wochen veröffentlichte irgendein Institut eine Landkate Deutschlands, auf der die Presse- und Medienerzeugnisse eingezeichnet und bewertet waren. Die NachDenkSeiten schnitten erwartungsgemäß schlecht ab. Das war spätestens dann klar, als ARD und ZDF immer noch als die seriösesten Sender klassifiziert wurden. Es war leicht zu durchschauen, wer hinter dieser Studie steht. Aus unserer Sicht unnötigerweise versuchten die NachDenkSeiten, uns Leser von der Einseitigkeit der Ergebnisse zu überzeugen. Es war klar, dass es dies gar nicht gebraucht hätte.

Ähnlich ist es, wenn Jens Berger uns in einem langen Artikel beizubringen versucht, dass die Informationen auf wikipedia ebenfalls subjektiv sind. Als Beispiel zieht er die wikipedia-Einträge zu Albrecht Müller und den NachDenkSeiten zu Rate. Auch hier hat Jens Berger recht mit dem, was er ausführt. Nötig wäre es aber nicht gewesen. Es ist allgemein bekannt, dass wikipedia von bestimmten Leuten geschrieben wird. An den Stellen, an denen es um Einschätzungen oder Interpretationen geht, ist das Lexikon auf jeden Fall subjektiv. Ob dies jemals anders war, also zum Beispiel im großen Brockhaus oder so, wissen wir nicht. Wir fühlten uns jedoch maßlos unterschätzt

Erst recht, als Albrecht Müller die „Superidee“ verbreitete, man könne ja sein Abo für die ehemaligen Qualitätsmedien wie Spiegel oder TAZ kündigen. Anlass war der Entschluss eines Lesers, dies nach 47 Jahren Spiegel-Abo zu tun. Reichlich spät, wie wir finden. Natürlich gehört es zur selbst gestellten Aufgabe, uns Leser über Meinungskampagnen und die dazu gehörenden Tricks aufzuklären. Doch wird das im Moment ungewohnt plump und unnötig gemacht. Vielmehr können es sich die Macher der NachDenkSeiten zur Ehre gereichen lassen, wenn sie von bestimmten Autoren als Verschwörungstheoretiker bezeichnet werden. Da müssen sie sich nicht rechtfertigen. Leider fallen sie an diesen Tagen als Kommentatoren des Zeitgeschehens aus. Und das ist sehr schade. Denn sie fehlen uns dann als eine interessante Meinung.

Ganz schwierig wird es für Albrecht Müller, wenn es um die SPD geht. Oft haben wir den Eindruck, er habe die nötige Distanz zu seiner Partei. Nach wie vor ist er Mitglied. Doch vor einigen Wochen wurde uns anhand eines Mailaustauschs zu einem bestimmten Artikel deutlich, dass dem nicht so ist. Nach wie vor hofft Albrecht Müller auf die große Wende aus den Reihen der Sozis heraus. Anlass war sein Aufruf an Erhard Eppler, der seinerzeit 90 Jahre alt wurde. Er solle als einer der grauen Eminenzen für ein Umsteuern der SPD-Politik einstehen. Wir halten eine grundlegende Änderung der SPD für ausgeschlossen, wie wir in einigen Beiträgen deutlich machten. Näher möchten wir auf dieses unschöne Erlebnis gar nicht eingehen. Lieber kommen wir zum Anlass dieses Artikels. Gestern ruft Albrecht Müller die Sozialdemokraten unter seinen Lesern auf, sich einer Petition anzuschließen. Es geht ums Privatisieren der Bundesautobahnen und weiterer Infrastruktur – siehe „Bananenrepublik„. Die SPD-Mitglieder sollen ihre Abgeordneten dazu bringen, die auf der Zielgerade befindliche große Koalition daran zu hindern, entsprechende Grundgesetzänderungen durchzuwinken. Es ist kaum verständlich, wie ein intelligenter Mann noch diese Hoffnung haben kann. Es scheint, als sei der bald 79jährige zu sehr in der SPD-Geschichte verstrickt. Natürlich neigen die Genossen gelegentlich dazu, ihre Anführer zu stürzen. Nur meist zur Unzeit. In den letzten Jahren tun sie dies nicht mehr. Der Noch-Vorsitzende bekam sowohl die Zustimmung zur Vorratsdatenspeicherung als auch zu CETA. Auch die große Koalition genehmigten ihm die Genossen nach der Wahl 2013. Im Augenblick benehmen sich die Sozis wie ein hirnlos euphorisierter Haufen. Ein Schulz taucht auf und alle drehen durch. Er verspricht kosmetische Änderungen am ALG I-Bezug und sie träumen von der sozialen Renaissance ihrer Partei. Glaubt da jemand ernsthaft, die Mitglieder würden ihrer neuen Führung irgendwie in den Rücken fallen? Jetzt im Wahlkampf? Vielmehr steht ein Jubelparteitag mit Inthronisierung des neuen Messias bevor. Da macht es uns betroffen, dass wieder ein NachDenkSeiten-Tag mit solch unnützen Träumen aus alter Zeit verplempert wird. Die Sozis gehören zu den Altparteien und wir dürfen aus ihren Reihen nichts anderes als ein „weiter so“ erwarten. Niemandem wollen wir seine Illusionen rauben. Doch als geneigte Leser beklagen wir ein wenig den momentanen Zustand dieses so interessanten Blogs.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Zeitgeschehen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s