Männer-WG – Teil 15

Als Ülle in die Küche kommt, sitzt Majo am Tisch. Vor ihm seine BVB-Kakaotasse mit integriertem Strohhalm. Schwungvoll rührt er mit einem echten Löffel heftig darin herum. „Moin Ülle, wie geht’s Dir nach Deinem Tor gestern?“, scheint Majo guter Laune zu sein. Ülle hingegen lässt die Mundwinkel hängen: „War doch bloß ein doofer Elfer. Außer Auba tut den jeder rein.“ „Und was ärgert Dich so?“ „Dass der blöde Trainer den Pulisic vor mir eingewechselt hat. Als ob der besser wäre.“ „Der hat auch ein Tor geschossen“, verteidigt Majo den jungen Mitspieler. „Ach der hat den bloß reingelenkt. Ey Alter, gestern konnte jeder treffen.“ „Reusi nicht“, stellt Majo korrekterweise fest. „Was Reusi nicht? Ey Majo, willste heute ein Pflaster?“, ruft der dritte Kumpel aus dem Badezimmer. Ülle wirft ein: „Madelleine ist die Schönste bitte einen Rüdesheimer Kaffee. Aber besonders stark.“ „Ich habe sie leider nicht richtig verstanden“, antwortet eine weibliche Schlafzimmerstimme. „Madelleine ist die Schönste einen starken Rüdesheimer bitte“, spricht Ülle besonders laut und deutlich. „Was ist mit Madelleine?“, will Reusi wissen. „Sie ist die Schönste und ich will ein Pflaster!“, ruft Majo mit genervtem Unterton. Der Thermomix brummt zufrieden. Da leuchtet ein rotes Warnschild auf: „Täglicher Alkoholkonsum führt zur Abhängigkeit. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“ „Der spinnt wohl, dieser blöde Apparat. Ist doch bloß Kaffee. Ey Alter, Madelleine ist die Schönste und Du bist doof“, schimpft Ülle. „Ich habe Sie leider nicht richtig verstanden“, sagt der Thermomix. „Ey Alter, da müssen wir noch Madelleines Stimme einspeichern. Dann ist der Spaß komplett“, schlägt Majo vor. Reusi kommt in die Küche und haut ihm aufs Hinterteil. Nicht, ohne vorher die hübsch geblümte Shorts zu lüften: „So, das kommt davon, wenn man meine Freundin verhöhnt. Die ist nämlich sehr sensibel. Und zweitens wolltest Du ja ein Pflaster, nicht wahr?“ „Ist das denn überhaupt gut für Dich. Ich meine Alter, weil Du doch krank bist“, will Ülle wissen. „Papperlapapp ey Alter. Kein Mensch weiß, was ich habe“, sagt Majo dazu. Reusi schlendert zum Thermomix: „Madelleine ist die Schönste einen Espresso bitte.“ „Ey Leute, ich war heut Nacht mal draußen. Hinten an Reusis Pockemon-Hecke. Und da war einer“, erzählt Ülle. „Was machst Du denn nachts in unserem Garten?“, will Reusi wissen und setzt sich zu den beiden. „Ey Alter, ich musste nachdenken. Über Nevada und mich und Überhaupt“, erklärt Ülle. „Was überhaupt?“, bohrt Reusi. „Na ob ich hier bleibe oder das Angebot von Bayern annehme.“ „Ey neulich wolltest Du, dass ich nicht nach Manchester gehe. Und jetzt willst Du weg! Und geh bloß nicht nach Bayern. Das mögen die hier irgendwie nicht. Frag mal Majo!“, ereifert sich Reusi betroffen. „Ich weiß auch nicht, was die hier immer wegen der Bayern haben. Die sind blöd. Aber sonst?“, ist Majo diesbezüglich ratlos. Da kommt Mama Götze zur Tür herein: „Hallo Ihr lieben Jungs. Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Tor, mein lieber André. Majo sitzt draußen einen Latte à la Madelleine bitte.“ „Ey Mama, was soll das?“ läuft Majo etwas rosa an. „‚Aber das muss man doch sagen, wenn man etwas möchte“, wehrt sich Mama Götze. „Wir haben den Code geändert“, wirft Ülle ein. „Und wie geht der jetzt?“ „Madlleine ist die Schönste“, klärt Reusi stolz auf. „Also Madelleine ist die Schönste einen Latte bitte.“ „Ihre Eingabe ist falsch“, sagt die Maschine freundlich. „A la Madelleine bitte“, ergänzt Mama Götze. „Jetzt haben Sie dreimal den Code gesagt“, sagt Ülle. „Bitte äußern Sie Ihren Wunsch. Es droht Systemabsturz“, sagt der Thermomix. „Madelleine ist die Schönste a la Madelleine bitte“, sagt Mama Götze und rudert mit den Armen wild durch die Luft. „Ey Mama, erst den Code und dann den Wunsch. Aber den Code hast Du schon dreimal gesagt“, neckt Majo seine Mutter. Die kommt auf ihn zu: „Sag nicht immer ey zu mir und mit Eurem Madelleine ist die Schönste habt Ihr doch einen Knall“, schimpf sie. Ein schräger Pfeifton erklingt. Auf dem Bildschirm steht: „Sie haben mehrfach den Erkennungscode gesagt, ohne einen Wunsch zu äußern. Das Gerät ist gesperrt. Bitte kontakten Sie den Hersteller.“ „Diesmal hast Du etwas kaputt gemacht und nicht wir“, triumphiert Majo. „Und wir sind Zeugen“, ergänzt Reusi keck. „Seid bloß still, Ihr frechen Bengel“, sagt Mama Götze und zückt ihr rosa Smartphone: „Hallo Jürgen, sag bitte bei Thermomix bescheid, dass ihr Gerät hier bei Majo kaputt ist. Sie sollen noch heute einen schicken.“ „Ey Ülle, ich leihe Dir meinen Strohhalm. Damit Du Tank 4 noch austrinken kannst“, flüstert Reusi. „Nein Jürgen, die Jungs haben nichts angestellt. Das muss an veralteter Software liegen oder was weiß ich“, sagt Mama Götze. „Okay, ich lasse Dich auch mal dran ziehen“, flüstert Ülle. „Das Ding hat 5.000 Euro gekostet oder so. Und ruckzuck ist es hinüber. Nun tu was! Wozu bist Du der einzige Mann in der Familie“, schimpft Mama Götze. „Wieso einziger Mann? Und was ist mit mir?“, will Majo dringend wissen. „Mit wem telefoniert sie denn überhaupt?“, fragt Reusi. „Also Jürgen, Deine Ansichten von Mutterpflichten will ich jetzt nicht hören. Ich kümmere mich schon um meinen Sohn. Mach Du hier die schöne Madelleine wieder heil“, sagt Mama Götze und legt auf. „Beleidigen Sie nicht meine Freundin. Die hat nackt in einem Schloss in Berlin geputzt und dafür einen Orden vom alten Schlossherrn bekommen“, warnt Reusi. „Ach Marco, das war nicht so gemeint. Außerdem geht es ja nur um den Code. Nicht um Deine Freundin. „Was führt Sie denn so früh zu uns? Sonst kommen Sie immer erst, wenn eine Katastrophe schon passiert ist?“, fragt Ülle. „Ich hole Mario zu uns nach Hause. Da kann er am besten gesund werden“, antwortet Mama Götze. „Aber ich bin doch gar nicht krank“, entgegnet Majo. „Mein lieber Junge, das wissen wir noch nicht. Außerdem haben wir zu Hause ein Treffen mit einem renommierten Pendelmeister. Vielleicht kriegt der was raus.“ „Aber hier bei meinen Freunden fühle ich mich am wohlsten“, verteidigt sich Majo. „Oh ja, Frau Götze. Heute Nacht habe ich so einen Fotografen aus Reusis Hecke vertrieben“, sagt Ülle voller stolz, „wir passen sehr auf Majo auf.“ Plötzlich klingt „money money money“ durch die Küche: „Ja Jürgen, hast Du einen Reparaturtermin gemacht?“ „Das mit dem Paparazzi hättest Du nicht sagen sollen“, flüstert Reusi. „Was soll das heißen, da sitzt einer vorm Haus auf einem Nagelbrett und pendelt mit dem Kopf?“, fragt Mama Götze. „Warum denn nicht?“, will Majo wissen. „Weil der hinter Dir her war“, flüstert Reusi. „Heiliger Bimbam, das ist der Guru Goldnimskowski aus Gelsenkirchen-Ückendorf. Ich komme sofort!“, ruft Mama Götze in den Hörer und fährt leiser fort: „Na gut, Ihr lieben Jungs. Ich muss jetzt nach Hause. Und wenn Ihr brav seid, reden wir heute Nachmittag nochmal darüber.“ Schon ist sie verschwunden. „Nach Hause, die spinnt wohl“, schimpft Majo erleichtert. „Und Ahnung von Technik hat sie auch nicht“, lächelt Ülle und drückt auf den rot blinkenden Resetknopf am Thermomix.

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