Ignoranz oder schon Arroganz?

Anfang Dezember vergangenen Jahres wandte ich mich an die sog. Kundenresonanz der Dortmunder Stadtwerke. Gleichzeitig informierte ich die Ruhr-Nachrichten über meine Sorge bzgl. der Dortmunder Stadtbahnen – siehe auch „Hoffnungsbahn rollt“. Die Zeitung griff das Thema auf, erhielt aber dieselben Ausflüchte zur Antwort wie ich. Daraufhin verfasste ich folgende Mail an die Dortmunder Ratsfraktionen:

“ Zustand der Dortmunder Stadtbahnen

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Zustand der Dortmunder Stadtbahnen macht mir große Sorgen. Anlass hierfür sind die persönlichen Erlebnisse mit der Linie U42 und den von der DSW21 selbst veröffentlichten Schwierigkeiten mit den Wagen der Linie U43. Mit meinem Anliegen habe ich mich selbstverständlich zuerst an die Kundenresonanz des Unternehmens gewandt. Sowohl mir als auch den Ruhr-Nachrichten gegenüber verweist DSW21 ausschließlich auf die angespannte Verkehrssituation vor Weihnachten. Die RN berichteten am 6. Dezember.

Ich lege Ihnen einen Flyer bei, mit dem die DSW21 ab dem 24. August 2016 auf Veränderungen im Fahrplan der Linie U43 hinweist. Technische Gründe werden für das Einschränken des Fahrplans angegeben.

Seit Anfang November nehmen die Verspätungen und Ausfälle auf der Linie U42 zu. Ich wohne direkt an einer der Kreuzungen, die die Bahn auf ihrer langen Strecke queren muss. Hier kommt es zu keinen außergewöhnlichen Situationen. Der schlechte Zustand unserer Bahnen wurde in den RN bereits ausführlich thematisiert. Während meiner Arbeit im behindertenpolitischen Netzwerk bin ich mit dem Einführen neuer Bahnen vertraut gemacht worden. Aus meiner Sicht handelt es sich um einen Fakt, dass unsere Stadtbahnen ausgetauscht oder grundsaniert werden müssen.

Dies wird seitens des Unternehmens mir gegenüber einfach geleugnet. Leider ist dann an diesem Punkt kein weiterer Dialog möglich. So möchte ich heute an Sie appellieren, sich verstärkt um die Stadtbahnen zu kümmern. Sie bieten den Bürgern eine Mobilität, die ich für ein Grundrecht halte. Die DSW21 ist mit der Beschaffung neuer Bahnen offenbar überfordert. Die Stadt als Eigentümer wird helfen müssen. Mit anderen Worten, wir Steuerzahler. Hierfür werden Sie nur dann Zustimmung erhalten, wenn Sie ehrlich mit den Menschen umgehen. Bislang wird nur verschoben und abgewartet. Bitte ändern Sie das!

Mit freundlichen Grüßen“

Im Dortmunder Rat sitzen die SPD (36 Sitze), die CDU (26), die Grünen (15), Die Linke (6), AfD (3), FDP (2), Piraten (2), FBI (1) und die Bürgerliste (1). Die Rechte und die NPD haben ebenfalls einen Sitz. Diese Gruppierungen wollte ich mit meinem Anliegen nicht behelligen, da ich zu ihnen keinen Kontakt haben will. Inhaltlich geantwortet haben genau zwei Fraktionen – die SPD sowie Piraten/Linke. Die AfD sagte zu, sich ums Thema Gedanken zu machen und sich wieder zu melden. Das ist bis heute (20.02.17) nicht geschehen. Von allen anderen Fraktionen erhielt ich keinerlei Reaktion. Die beiden eingegangenen Mails enthielten keine konkreten Hinweise darauf, wie die Investitionen in neue Bahnen gemeistert werden sollen. Lediglich ein ungutes Kommunikationsverhalten wurde zugestanden. Der Zustand der U42 hat sich nach dem Jahreswechsel nicht deutlich gebessert. Dies belegt folgender Leserbrief vom 14. Februar an die RN:

„Leser Udo Villwock zu unserem Artikel Aus Pannen lernen (28. 12.):

Pünktlich kommt nur die Preiserhöhung

Es ist immer eine Freude, wenn die U 42 mal wieder kommt. Doch oft (und das ist mehrmals die Woche) kommt sie nicht. Aber oft kommt sie verspätet. Dennoch wissen alle Nutzer, die nächste Fahrpreiserhöhung kommt mit Garantie! Deshalb bin ich als Ticket-2000-Inhaber auch sehr dankbar, dass wenigsten einmal im Jahr etwas pünktlich geschieht.“

Neun Mails hatte ich abgesetzt. Zwei Antworten habe ich erhalten. Das entspricht einer Erfolgsquote von 22 %. Wenn die Wahlbeteiligung mal derart niedrig ist, möchte ich das Wehklagen unserer Politschauspieler nicht hören. Ich möchte die obigen Stichworte als Frage stehen lassen: Ist das nur Ignoranz oder schon Arroganz? Selbst auf kommunaler Ebene, wo die Vertreter näher an den Bürgern sein sollten als in Land und Bund. Für welche Antwort Sie sich entscheiden – das Ergebnis ist armselig.

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