Männer-WG – Teil 14

Als Ülle in die Küche kommt, sitzt Majo am Küchentisch. Vor ihm seine neue BVB-Kakaotasse mit integriertem Strohhalm. Schwungvoll rührt er mit einem echten Löffel heftig darin herum. Es spritzt über den Rand. So fällt Ülle was auf: „Ey Alter, was trinkst Du denn da? Das sieht gar nicht aus wie Kakao.“ „Das ist auch keiner“, murmelt Majo in seinen jungenhaft spärlichen Bart. „Ey was geht? Schlecht geschlafen oder was?“ „Lasst mich doch alle in Ruhe“, ist alles, was Majo zu entlocken ist. Neugierig kommt Ülle an den Tisch heran und beugt sich über Majos Tasse: „Das ist wirklich kein Kakao. Soll das etwa Tee sein?“ Majo stößt dem Freund den Ellbogen in die Rippen. „Ey Majo, bleib mal geschmeidig! Ich hab Dir nix getan“, entfährt es dem Älteren. „Ich sag ja – lasst mich alle in Ruhe!“, grollt Majo. „War Dein Pflaster schlecht oder was?“, fragt Ülle und schlurft zum Thermomix. „Ach der ist bloß wütend, weil ihm die Mädels keine Briefe mehr schreiben“, sagt Reusi und deutet auf drei Stapel in der Ecke: „Das hat der Manager gestern sortiert. Der große ist meiner, der kleine ist Deiner und die zwei Briefe da am Rand sind für Majo.“ „Und das macht Dir Sorgen? Steht doch sowieso immer der gleiche Mist drin“, meint Ülle und drückt auf Rüdesheimer Kaffee. Eine gelbe Leuchte blinkt auf und eine Stimme verkündet: „Bitte demnächst Behälter 2 und 4 nachfüllen.“ Ülle steht mit offenem Mund vorm Thermomix: „Ey krass Alter. Seit wann spricht das Ding?“ „Gestern war doch so ein Vertreter da. Vom Hersteller „Murks für Männer“. Der hat ein Update aufgespielt. Jetzt ist das Ding interaktiv.“ „Wieso?“ „Ja, es antwortet auch auf Fragen. Aber nur, wenn Du vorher den Code sagst.“ „Und wie lautet der?“ Reusi druckst herum und wirft Majo einen vorsichtigen Blick zu. „Du kannst es ruhig laut sagen. Ich habe es gestern nämlich mitgekriegt“, zischt der Freund vom Tisch her. „Oh Mann Majo, mir ist gerade nix anderes eingefallen“, windet sich Reusi, „Außerdem solltest Du das gar nicht wissen. Ich wollte den Code gestern noch ändern. Aber dann hat Madelleine angerufen. Die ist doch in Berlin und hat da so einen Auftritt in einem Schloss.“ „Nackt putzen bei Gauck, haha“, höhnt Majo. „Du Blödmann willst es ja nicht anders. Also Ülle, der Code lautet: Majo sitzt draußen.“ Majos Tasse saust haarscharf an Reusis Ohr vorüber und schlägt in den gläsernen Weinkühlschrank der Nobelküche ein. Die Tasse ist unzerstörbar. An den Kühlschrank aber hatte Mama Götze nicht gedacht. Zum Glück ist die Glastür nicht mit dem Alarmsystem verbunden. So wird der Vorfall nicht aktenkundig. Die Tasse war noch randvoll mit heißem Kamillentee. Der schafft es nur bis zu Reusis Füßen, die von zwei Teddysocken geschützt sind, die Madelleine Reusi zu Weinachten geschenkt hat. Vor Schmerz stöhnt der Freund auf und springt zur Seite. Leider direkt in die Scherben. Reusi hat Glück im Unglück. Als er sich die Socken von den Füßen zieht, sind diese millionenschweren Körperteile heil. Aber die Socken hat es förmlich zerrissen: „Ist nicht schade drum“, kommentiert Majo. „Du Blödmann! Ich kriege den Ärger mit Madi“, schimpft Reusi. Ülle Sagt: „Majo sitzt draußen. Was fülle ich in die Behälter 2 und 4?“ Statt Ülle wird Reusi vom Löffel getroffen, den Majo noch in der Hand hielt. „Brandwein und Flüssigsahne“, sagt der Termomix. Ülle ist begeistert: „Majo sitzt draußen. Ich werde es nicht vergessen.“ „So ist es brav“, sagt der Thermomix und brummt zufrieden. „Wenn Du ihn jetzt nochmal ansprichst, passiert hier was“, droht Majo. „Du hast für heute doch wohl genug angerichtet“, stöhnt Reusi, „und wieso war überhaupt Tee in Deiner Tasse?“ „Und wenn Du wie üblich mit einem Twicks umgerührt hättest, hätte der Löffel dem Reusi nicht so wehgetan“, ergänzt Ülle spitzfindig. „Ich will abnehmen und fitter werden. Vielleicht darf ich dann mal wieder mitspielen“, erklärt Majo. „Der Kaffee ist fertig“, säuselt der Thermomix dazwischen. „Danke schön“, sagt Ülle zum Gerät. „Der versteht Dich nur mit Code davor“, sagt Reusi. „Wag es ja nicht!“, drot Majo. Seine Augen suchen schon nach neuen Wurfgeschossen. „Na gut, aber wenn er jetzt beleidigt ist, bist Du schuld“, lächelt Ülle und setzt sich. Währenddessen kommt Reusi zu Fall. Der kleine Roboter, der Flüssigkeiten aufsaugen kann, ist ihm zwischen die Füße geraten. Wütend tritt Reusi gegen das Gerät, das sofort stehen bleibt. Reusi nicht. Der hüpft auf einem Bein und hält sich stöhnend den anderen Fuß. „Vorsicht, die Scherben!“, ruft Ülle. Das bringt unseren Elitekicker aus dem Gleichgewicht und er landet mit dem teuren Hinterteil im Tee. Zornentflammt reißt sich Reusi seine Shorts vom Leib und schleudert das nasse Stück Stoff in Majos Richtung. „Dein Pflaster hängt halb daneben“, lacht Ülle. „Ich hole mir ein neues. Dies hier bringts nicht mehr“, stellt Reusi fest und macht einen Bogen um Scherben, Tee und hilfreichen Roboter. „Bring mir eins mit!“, ruft Ülle und als Majo schweigt, fragt er ihn: „Willst Du heute keins?“ „Eigentlich nicht mehr. Aber egal. Fang ich halt morgen mit der Fitness an: „Reusi, für mich bitte auch eins!“ „Jetzt sag mal Majo, ohne Quatsch, was ist denn los?“ „Ach weißt Du Ülle. Ans Draußensitzen habe ich mich langsam gewöhnt. Aber am Samstag hat der Trainer statt mir einen eingewechselt, den kenne ich überhaupt nicht.“ „Meinst Du diesen Burnic odr wie der heißt?“ „Keine Ahnung wie der heißt. Ey Alter. Der ist 18 und ein Papasöhnchen. Den hat sein Vater noch zum Training gefahren und ihm die Tasche getragen.“ „Ey krass echt?“, entfährt es Ülle: „Hat der etwa keinen Führerschein?“ „Nicht alle haben mit 18 gleich einen Führerschein“, flüstert Majo. Da kehrt Reusi zurück: „Na und – neulich wurde Ülle für mich eingewechselt. Und was hat es genutzt? Nix!“ „Ey Alter, wir haben aber gegen Darmstadt gespielt.“ Majo zieht den Namen verächtlich in die Länge. „Und da kommt dieser Burnic. Nicht zu fassen. Der Trainer hat sie doch nicht alle“, schimpft Majo, „der hat was gegen mich.“ Reusi verteilt die Pflaster und fragt: „Wann kommt denn Hülya wieder?“ „Erst morgen. Die hat heute ein Date mit dem Mor oder wie der heißt.“ „Ey krass Alter. Da arbeitet sie bei den drei Stars des Teams und geht mit so einer Flasche aus.“ „Das ist Integasion. Hat ihr der Manager gesagt“, erklärt Majo. „Der spricht noch immer kein Wort Deutsch. Obwohl er seit Sommer da ist. Deshalb soll sich unsere Hülya um die Integration kümmern“, klärt Ülle auf. „Meint Ihr, der Trainer mag mich noch?“, fragt Majo. „Aber klar. Der hat bloß Ärger mit dem Boss und dem Manager und seiner Tochter. Die hängt nämlich dauernd mit Auba auf Drogenpartys rum“, beschwichtigt Reusi seinen Freund. „Woher weißt Du das?“, will Majo wissen. „Naja die Madelleine hat neulich die Tochter im Stadion getroffen. Die hat sie eingeladen“, plaudert Reusi aus. „“Nimmt der Auba etwa Drogen?“, ist Majo entsetzt. „Na klar! Was glaubst Du, warum der so schnell ist?“, meint Ülle. „Ich würde niemals Drogen nehmen“, erklärt Majo stolz. Ülle klopft ihm daraufhin freundschaftlich aufs Hinterteil mit dem Pflaster. „Ey Alter, wirste jetzt schwul oder was?“, bringt Majo einen Fußballerspruch, den er schon in den Kinderteams gelernt hat. Reusi grinst: „Ey Majo. Nimms leicht. Du bist im Moment in einer Schaffenspause. Künstler wie wir haben sowas. Hat mir neulich Deine Katherina-Sophie erklärt.“ „Und wie komme ich da wieder raus?“, fragt Majo. „Du musst einfach warten, bis der Trainer fliegt. Bei dem Zoff mit dem Boss kann das nur noch bis Sommer halten. Dann ist der weg“, tröstet Ülle. „Ich vielleicht auch“, flüstert Reusi. „Ey krass nein!“, ruf Majo erschüttert. „Ich will ja auch nicht. Aber Madelleine sagt, da kriegen wir noch mehr Geld bei Manchester. Sie muss da ihrem Papa und ihrem Onkel bei ihren Geschäften ab und zu unter die Arme greifen.“ „Überleg Dir das gut. Die treten da auf der Insel viel härter zu als hier bei uns. Das kenne ich aus meiner Zeit bei Chelsea.“ „Ey und habt Ihr gehört, dass wir am Wochenende in einem leeren Stadion spielen?“, lenkt Reusi vom Thema ab. „Ey Alter klar.“, pflichtet Majo bei. „Nur die Südtribüne bleibt leer“, schränkt Ülle ein. „Wieso denn eigentlich?“, will Majo wissen. „Na wegen den Plakaten neulich gegen Leipzig.“ „Wieso, die hab ich mir in Ruhe durchgelesen. Ich fand sie nicht so schlimm. Hab auch nicht alle verstanden“, sagt Majo verständnislos. „Du hattest auf der Bank auch genug Zeit dazu“, stichelt Reusi. Doch ehe Majo auf den Freund losgehen kann, den er eben noch von einem Wechsel auf die Insel abbringen wollte, schwebt Mama Götze in einer Duftwolke in die Küche: „Hallo Ihr lieben Jungs. Ich will mit Euch die Koffer packen. Ihr fliegt doch heute nach Lissabon.“ „Ey krass echt?“, entfährt es Majo. „Mein lieber Mario, sprich doch nicht immer so halbe Sätze. Ich dachte mir schon, dass Ihr das vergessen habt.“

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