Traumduo

Gut 60.000 Mitglieder der Partei Bündnis 90 / Die Grünen durften in einer Urwahl ihr Spitzenduo für die Bundestagswahl 2017 bestimmen. 60 %, also etwa 36.000 Menschen, nahmen dieses Recht wahr. Die Regeln sehen vor, dass eine Frau und ein Mann zu wählen sind. Für den Frauenposten war es leicht. Katrin Göring-Eckardt war die einzige Kandidatin und wurde mit gut 70 % gewählt. Das heißt, auch ohne Gegenkandidatin verweigerten ihr etwa 11.000 Mitglieder die Unterstützung. Bei den Herren der Schöpfung gab es immerhin was zu wählen. Gleich drei Männer bewarben sich um den Platz neben Katrin. Cem Özdemir, Co-Parteivorsitzender neben Simone Peter, machte das Rennen. Er bekam 35,96 % der Stimmen und damit 75 mehr als Robert Harbeck, Umweltminister in Schleswig-Holstein. Etwas abgeschlagen landete Anton Hofreiter, aktuell Fraktionsvorsitzender neben Katrin, mit gut 26 % auf Rang drei. Kluge Köpfe schlagen vor, gerade nach solch einem knappen Ausgang sollte es eine Stichwahl geben. Das sehen die Regeln aber nicht vor und so fühlt sich Cem Özdemir nun als der Sieger und neben Katrin als alleiniger Vertreter der Männerseite. Die Blassen, wie wir sie gern nennen, sind immerhin nicht so vermessen wie die Sozis, ihre Spitzen- auch Kanzlerkandidaten zu nennen. Bei zweien wäre das ja auch etwas merkwürdig.

Die Blassen sind die vorletzte Partei, die ihr Spitzenpersonal bestimmt hat. Für die CDU fand sich Angela Merkel nach „Schweren Gedanken“ bereit, es nochmals zu versuchen. Die Führerschaft der CSU beansprucht selbstverständlich Horst Seehofer. Die Linke bietet mit Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch ebenfalls ein Duo auf. Genauso wie die AfD mit Frauke Petry und Jörg Meuthen. Bei der FDP kennen wir eigentlich niemand anderen als Christian Lindner. Die Sozis zieren sich noch und verkünden die Kandidatur Sigmar Gabriels erst Ende Januar. Gabriel und Merkel sind die einzigen, die sich Kanzlerkandidat_in nennen.

Die Blassen haben mit Katrin und Cem eine deutliche Koalitionsaussage gemacht. Mitregieren heißt das oberste Ziel für die Bundestagswahl. Dies sagte schon der Parteitag in Münster im November. Entsprechend dieser Maxime haben die Mitglieder ihr Pärchen gewählt. Katrin gilt als wertkonservativ und in den christlichen Normen beheimatet. Die hielten sie nicht davon ab, dem Bundeswehreinsatz im Kosovo zuzustimmen. Also viel verlässlicher in der Außenpolitik als Die Linke. Genau wie Cem, der immer nur gegen die Türkei stichelt. Zu Recht und als heimlicher Vertreter ganz im Sinne der Kanzlerin. In der Sicherheitsdebatte fürs Innere kamen beide etwas sanfter als de Maizière daher. Im Kern jedoch auf Linie. Wirtschaftlich treten beide für Freihandel ein. Katrin ist glühende Verfechterin der Agenda 2010. Die Leute würden so endlich mal in Schwung gebracht, meinte sie. Cem war zu der Zeit nicht im Bundestag. So ein bisschen Geld von einem zwielichtigen Herrn Hunzinger sowie das Nutzen dienstlich erworbener Bonusmeilen für private Flüge hatten ihn stolpern lassen. Bis er 2008 für den Parteivorsitz kandidierte, vergnügte er sich im EU-Parlament. Beide wären also auch sehr gut in der CDU aufgehoben. Cem ist von Beruf Erzieher und da ging man 1980 halt eher zu den Grünen. Katrin erkannte die Zeichen der Zeit und machte nach der Wende ihre schnelle Karriere ebenfalls in dieser kleinen Gruppe. Im Osten brauchten sie damals jede Frau bei den Blassen. Dieser dann dritte Koalitionspartner passt vielleicht am besten zu Merkels Union. Obgleich sich FDP und vor allem die Sozis redlich Mühe gaben. Wie groß der alte Fundi-Flügel bei den Blassen noch ist, werden wir an der Mitgliederzahl am Ende dieses Jahres ablesen können. Menschen mit grünen Gründungsideen können nur noch austreten. Ein paar Wähler wird es geben. Wir sagen das Ergebnis der Wahl von 2013 voraus. Damals erhielten die Blassen 8,4 % der abgegebenen Stimmen. Dass dies für Schwarzgrün reichen wird, bezweifeln wir. Die AfD wird die Union zu sehr schrumpfen lassen. Vermutlich rutscht die Lindner-FDP von der außerparlamentarischen Opposition gleich auf die Koalitionsbank.

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