Frau Müller-Kleinwald beim Jobcenter

Ein Büro im Jobcenter einer deutschen Großstadt.

Sachbearbeiter:

Guten Tag, Frau, äh, Müller-Kleinwald. Ah ja, ich sehe, Sie haben alle sieben Seiten des Fragebogens ordentlich ausgefüllt. Wunderbar. Nun, Frau Müller-Kleinwald, ich fasse mal zusammen, was ich Ihren Angaben entnehmen kann:

Sie möchten einen sicheren Arbeitsplatz mit gutem Lohn und Ansprüchen auf Altersversorgung. Der Arbeitsplatz soll gesellschaftlich anerkannt und körperlich sowie psychisch nicht belastend sein. Sie haben allerdings keine abgeschlossene Berufsausbildung? Kein Studium, keine Erfahrung in einer bestimmten Branche, keine Qualifikationen?

Wie soll ich Sie denn vermitteln, gute Frau? Noch dazu in einen Arbeitsplatz mit Zukunftsperspektive und ordentlicher Bezahlung?. Das ist ja hoffnungslos. Entschuldigen Sie bitte, dass ich das so sage, aber so ist nun mal die Realität.

Wie meinen Sie?

Ach, Sie wollen in die Politik? Warum haben Sie das nicht gleich gesagt? Nun ja, in der Politik sieht es etwas anders aus. Dafür haben wir ja die Sonderabteilung Nubepo. Die hat schon so manch schwierigen Kunden in Lohn und Brot gebracht. Und in den meisten Fällen reicht es auch noch für den Belag auf dem Brot, wenn ich das mal so salopp formulieren darf.

In der Politik kann man auch etwas werden, wenn es um die Qualifikationen nicht so doll bestellt ist. Kennen Sie zum Beispiel den Josef Fischer? Nicht? Besser bekannt ist er unter seinem Spitznamen „Joschka“. Von dem haben Sie gehört, oder? Sehen Sie, der Joschka hat nicht mal einen Schulabschluss, keine Berufsausbildung, selbstredend kein Studium. Vorweisen kann er lediglich einen Taxischein, eine abgebrochene Lehre als Fotograf und seinen Dienst als Ministrant in ganz jungen Jahren. Damit hat er es bis zum Außenminister und Vizekanzler gebracht. Inzwischen ist er ein gefragter Berater mit hoch dotierten Verträgen.

Oder die Frau Göring-Eckardt. Die kennen Sie, nicht wahr? Sie hat immerhin die Schule beendet. Mit Abitur sogar. Danach studierte sie so ein bisschen Theologie. Das Studium brach sie ab und anschließend kam nix mehr an Ausbildung. Heute ist sie die grüne Parteichefin. Sie war mal eine glühende Verfechterin der Agenda 2010. Vielleicht verdanke ich auch ihr, dass ich hier auf der anderen Seite des Schreibtisches sitzen darf. Ha, ha…

Aber ich schweife ab. Da gibt es zum Beispiel noch den Volker Beck oder die Claudia Roth. Beide keine Berufsausbildung und…

Was sagen Sie? Sie haben es politisch nicht so mit den Grünen?

Kein Problem, in den anderen Parteien finden wir auch Kandidaten. Nehmen wir Frank Schwabe, Bundestagsabgeordneter der SPD aus Castrop-Rauxel. Er begann zwei Studiengänge, ohne je einen davon zu beenden. Berufsausbildung Fehlanzeige.

Oder Rüdiger Kruse, Bundestagsabgeordneter der CDU für Hamburg. Abitur, abgebrochenes Studium, keine Berufsausbildung. Laut Recherchen von abgeordnetenwatch.de belegt er aber immerhin Platz 18 in der Liste der höchsten Nebeneinkünfte von Bundestagsabgeordneten.

Wie? Sie sprechen Ihr Alter an? Wie alt sind sie denn? Ich seh schon, Jahrgang 1960. Da werden Sie doch erst 57 und sind damit in der Politik ein junger Spund. Schauen Sie sich Herrn Schäuble an: stolze 74, Herr Lammert: immerhin 68, Herr Gauck: 76, Frau Merkel 62, Gerda Hasselfeldt 66.

Ich habe Sie überzeugt? Freut mich, dass ich Ihnen helfen konnte. Also, dann gebe ich Ihnen hier einen Laufzettel mit für die Abteilung Nubepo. Das ist in der 4. Etage, rechter Flur, Zimmer 4013. Ich glaube, Sie können gleich hochgehen zu den Kollegen. Dort herrscht nicht viel Andrang. Verstehe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Vielleicht sollte ich auch mal über einen Wechsel nachdenken. Ha ha, ein bisschen Spaß muss sein.

Sie haben doch noch eine Frage? Ach so, ja, die Abteilung heißt Nubepo, also „Nur die besten in die Politik“. Tschüß dann und viel Erfolg!

Versteht mich bitte nicht falsch, liebe Leser. Ich möchte mit dieser Geschichte nicht sagen, dass Politiker ohne großartige Schul- oder Studienabschlüsse automatisch zu denen gehören, die ihre Arbeit schlecht machen. Unter ihnen gibt es sicher genauso viele gute und ehrliche Abgeordnete wie bei denen mit Abschluss. Wie sehr ein Abgeordneter für seine Wähler eintritt, hat in erster Linie damit zu tun, wie ernst er sein Amt nimmt und wie integer er ist.

Was ich darstellen möchte, sind die völlig unterschiedlichen Bewertungsmaßstäbe. Was in der Politik geht, funktioniert im normalen Arbeitsleben in keiner Weise. Da hat man ohne entsprechende Qualifikationen und / oder ab einem gewissen Alter höchstens die Chance auf eine unterbezahlte Arbeitsgelegenheit, in der man nach Strich und Faden ausgenutzt wird. Da kann man als „Normalo“ schon wütend werden über die Ungleichbehandlung.

Ganz grotesk wird es, wenn man bedenkt, dass ausgerechnet Frau Göring-Eckardt sehr fleißig mit an der Agenda 2010 geschraubt hat. Als Schröder in der rot-grünen Koalition die Hartz-Gesetze durchboxte, redete sie von einem „Frühling der Erneuerung“. Die Agenda 2010 sei „mutig“ und „notwendig für das Gemeinwohl“. Dass die Jobcenter den Hartz-IV-Empfängern künftig Leistungskürzungen androhen konnten, nannte sie ein „Bewegungsangebot“ an die Betroffenen. Eine zynischere Formulierung habe ich selten zu den Sanktionen der Jobcenter gehört.

Wo hätte Frau Göring-Eckardt mit ihren beruflichen Voraussetzungen wohl außerhalb der Politik einen Job gefunden?

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