Die vergessene Stadt

Es brach ihr das Herz, dem Bürgermeister von Ost-Aleppo zuzuhören. So sprach unsere Regentin am Ende des sog. EU-Gipfels in Brüssel am 15. Dezember. Offenbar haben Weihnachten und Silvester ihr Herz wieder zusammenwachsen lassen. Denn genauso wenig wie unsere Hauptmedien kümmert sich die Regentin noch um Aleppo. Warum eigentlich nicht? Standen nicht große Hilfskonvois bereit, die die bösen Syrer und Russen bloß nicht durchließen? Sind die alle nach Hause gefahren, weil das Hilfsgut verdorben ist? Wo bleibt die Hilfsindustrie der NGOs? Ist Aleppo am Ende für den Westen eine failed city, weil sie wieder zum Machtbereich des Präsidenten Assad gehört? Den Eindruck müssen wir gewinnen. Denn während des Bombardements stand die Stadt regelmäßig an erster Stelle bei Presse, Funk und Fernsehen. Jetzt kommt sie gar nicht mehr vor. Es wäre doch jetzt geradezu eine Image-Kampagne für die EU, wenn sie mit Hilfe ihres damaligen Gastes eine große Hilfsaktion für Aleppo anlaufen ließe. Das weit und breit davon nichts zu sehen ist, bestärkt uns nur in der Deutung, dass der Gast von Brüssel ein Schauspieler war. Verlierer bleiben die Menschen in Aleppo. Sie waren es unter Assads Bomben, im Gegenfeuer der sog. Rebellen und jetzt sind sie es, weil echte Hilfe nicht den Propagandagewinn verspricht wie Kriegsberichterstattung über den bösen Feind. Hier zum Thema noch ein Artikel aus „Junge Welt“.

„Im befreiten Aleppo Syrien: Wo sind jetzt die westlichen Medienkonzerne und Hilfsorganisationen? Ich habe keine »Weißhelme« getroffen, Angehörige dieser angeblich humanitären Organisation. Ich traf auch niemanden, der sie in Aleppo gesehen hat oder dem von ihnen geholfen wurde. Doch wo waren sie wenn nicht hier in Ostaleppo, um Zehntausenden nach der Befreiung aus vier Jahren Hölle Hilfe zu leisten? Man fragt sich, warum eine gutherzige humanitäre Organisation, die mehr als 100 Millionen Dollar Unterstützung aus den USA und anderen NATO-Mitgliedsstaaten plus Japan erhielt und angeblich Zehntausende Syrer aus Ruinen rettete, genau zu der Zeit die Flucht ergreift, als auch die abhauen, die die Leute hier Terroristen nennen. Ich sah während meiner Tage in Aleppo auch keine der führenden internationalen humanitären Organisationen. Auf der Straße zwischen Damaskus und Aleppo waren die einzigen humanitären Transporte, die ich sah, russische und syrische. Ich sah keinen der großen internationalen Konvois, auf deren Durchlass die westliche Regierungen immer bestanden hatten. Auch die großen westlichen Medien sind weggeblieben. Sie konnten über die Befreiung Aleppos nicht so berichten, wie sie es einheitlich fünf Jahre lang gemacht haben, als sie monoton vereinfachende Geschichten, wenn nicht gar Propaganda, der großen westlichen und US-Medienkonzerne wiederholten.“

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