Wo warst Du, Cem Özdemir?

Es ist fünf oder sechs Wochen her. Vielleicht erinnern Sie sich? Da lief der Blassen-Vorsitzende Cem Özdemir zusammen mit wenigen hundert Menschen vor der russischen Botschaft in Berlin herum. Öffentlichkeitswirksam beklagte er in die Kameras und Mikrofone, dass die Friedensbewegung in Deutschland nicht gemeinsam mit ihm demonstriere. Zu der Zeit wurde Ost-Aleppo in Syrien massiv von russischen und syrischen Flugzeugen bombardiert. Unzweifelhaft ein barbarischer Akt gegen die Menschlichkeit. Denn wie in jedem Krieg litten vor allem die Zivilisten unter den Kampfhandlungen. Die Vertreter der deutschen Riesenkoalition überboten sich in ihrer Empörung. Sogar die Regentin erhob ihr Zepter und fragte öffentlich, wo denn angesichts dieser Gräuel die deutsche Friedensbewegung geblieben sei. Dr. Angela Merkel und die Friedensbewegung passen ungefähr so gut zusammen wie Horst Seehofer und die Besonnenheit. Anders als Cem fand sich Angela nicht vor der russischen Botschaft ein. Geradezu nebenbei wurden stattdessen beim EU-Gipfel kurz vor Weihnachten die Sanktionen gegen Putins Reich bis Juli verlängert. Sehr viel Zeit nahmen sie sich für den angeblichen Bürgermeister von Ost-Aleppo. Wir berichteten davon im „Schmierentheater„. Cem Özdemir vermisste vor der russischen Botschaft ebenfalls die Friedensbewegung. Mit Recht. Allerdings fehlte ihm wohl die Zeit, seine Demo zu Ende zu bringen. Denn eigentlich hätte der Demonstrationszug bis vors Kanzleramt ziehen müssen. Am Leid in Ost-Aleppo waren neben Russland und Syrien eben die sog. Rebellen schuld. Sie gaben nicht auf und kämpften bis zur letzten Patrone. Diese – angeblich gemäßigten – Rebellen werden u.a. von Deutschland unterstützt. Mit Waffen, Luftbildern der Tornados und Ausbildern. Uns ist aber keinerlei Bemühung bspw. des künftigen Präsidenten und amtierenden Außenministers Steinmeier bekannt, die Rebellen der Menschen wegen zum Aufgeben zu bewegen. Auch Steini erging sich lediglich in Empörung gegen Russland.

In den letzten Tagen trug sich etwas zu, dass die verkörperte Friedensbewegung Cem Özdemir auf den Plan hätte rufen müssen. Nein, ernsthaft gesagt, hätte das Ereignis die friedlichen Massen zu Protesten mobilisieren müssen. Doch es gibt die Massen nicht mehr. Was geschah? In Bremerhaven wurde die third Amored Brigade der US-Streitkräfte angelandet. Diese Truppe besteht aus 4.000 Soldaten und verfügt über 2.000 Panzer, Haubitzen und gepanzerte Fahrzeuge. Quer durch die Republik bewegte sich diese Kampftruppe mit Hilfe der Bundeswehr nach Polen. Dort wird sie begeistert und mit allen Ehren empfangen. Stationiert werden darf die Truppe in Polen nicht. Das verbietet ein NATO-Russland-Vertrag. Da haben sich die Strategen in Brüssel fix was Feines ausgedacht. Diese Truppe bewegt sich von jetzt an in den sechs NATO-Frontstaaten zu Russland und macht Manöver. In friedensbewegten Zeiten hätte dieser Transport nicht so unbemerkt und ungehindert durch Deutschland rollen können. Die frühen Grünen hätten die Straßen und Gleise höchstpersönlich blockiert. Von ihrem Nachfolger Cem hörten wir zu diesem Ereignis gar nichts. Genauso wenig wie von der Regentin oder der übrigen Empörungsmeute in Berlin. Unsere Mainstream-Medien fanden den Transport nur wenige dürre Worte wert. Eine kurze Meldung, die bald wieder verschwand. Die echte Friedensbewegung war auch nicht da. Leider. Es scheint sie nicht mehr zu geben. Denn selbst in den freien Medien des Internets war von ihr nichts zu lesen.

Die NATO sagt, diese Atlantic Resolve genannte Aktion sei eine Reaktion auf die russische Aggression auf der Krim und in der Ukraine. Sie trage dem gesteigerten Sicherheitsbedürfnis der Osteuropäer Rechnung. Auch die Bundeswehr lässt verlauten, dass die BRD künftig häufiger Transitland sein werde. Die deutsche Bevölkerung solle Vertrauen haben. Transitland für Daten ist die BRD schon lange. Über Ramstein und Stuttgart werden z.B. die Drohnenmorde der USA in Afrika gesteuert. Wie diese 3. Brigade der US-Armee auf Russland wirkt, müssen wir kaum erläutern. Aggressiv bis provokativ. Unsere Politschauspieler geben den Militärs immer mehr Spielraum. Ursula von der Leyen wirkt wie eine echte Kriegsministerin, die endlich mal was befehlen will. Auf verrufenen Seiten wie Russia Today erfahren wir, dass Polen seinerseits seine Armee von 95.000 Mann auf 150.000 Soldaten aufstocken will. Gleichzeitig werden die F16-Kampfflugzeuge der polnischen Luftwaffe mit Mittelstreckenraketen ausgerüstet, die 1.000 Kilometer tief ins Feindesland fliegen können. Von dieser Hochrüstung eines EU- und NATO-Partners ist in unseren Mainstream-Medien nichts zu hören.

All dies macht uns Angst, Wir müssen quasi auf Putins Besonnenheit vertrauen, sich von den wilden Europäern nicht provozieren zu lassen. Wir müssen auf einen Egomanen wie Trump hoffen, dass er mit Russland friedlicher umgeht als sein Vorgänger Obama. Wir hoffen sehr, dass die Europäer bald isoliert dastehen mit ihrem Frontkurs gegen Moskau. Nach dem schlimmen Morden in Aleppo, das keine Seite vorzeitig beenden wollte, schweigen in Syrien jetzt weitgehend die Waffen. Russland organisiert mit der Türkei und dem Iran eine Friedenskonferenz. Die deutsche Friedensbewegung ist nicht mehr da. Die im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der Linken verfolgen eine aggressive Politik gegen Russland. Das ist falsch und gefährlich. Allein dies ist ein Grund, keine der Parteien CDU, CSU, SPD, FDP oder Grüne zu wählen. Ein Konflikt mit Russland bedroht unser Leben tausendmal mehr als der gesamte islamische Terror zusammen. Das heißt nicht, Putin machen zu lassen, was er will. Vielmehr heißt es, ihn als gleichrangigen Gesprächspartner mit legitimen Interessen zu akzeptieren und zu respektieren. Erst dann sind fruchtbare Dialoge möglich, die vor 20 Jahren mal begonnen wurden.

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