Es gibt sie noch – Flüchtlinge in Griechenland

Obwohl wir seit Monaten fast nichts mehr von ihnen hören, leben da noch Menschen aus dem Nahen Osten in Griechenland und auf seinen Inseln. Das wilde Lager in Idomeni an der Grenze zu Mazedonien wurde geräumt. Das war so das letzte, das wir hörten. Es war irgendwann im Sommer. Schon die Information, wohin diese Menschen gebracht wurden, war dürftig. Der liebe Papst Franziskus I. machte ebenfalls im Sommer einen sehr kurzen Besuch auf einer der Inseln. Er betete. Asyl im Vatikan bot er nicht an. Die Programme der EU, 160.000 Menschen aus Griechenland und Italien auf die Mitgliedsstaaten zu verteilen oder Syrer in die Türkei zurückzubringen und dafür welche direkt aus der Türkei in die EU zu fliegen, laufen tröpfelnd. Sie sind in Vergessenheit geraten. Der Türkei-Deal funktioniert insoweit, als die Türken keine Flüchtlinge mehr übers Wasser nach Griechenland lassen. Das war natürlich das primäre Ziel Merkels. Zuletzt hörten wir die Zahl von 50.000 Flüchtlingen, die auf dem griechischen Staatsgebiet auf das Bearbeiten ihres Asylantrages warten. Schlechtes Wetter zog übers Land. Es brachte die Zustände in den Lagern zum Beispiel auf Lesbos, von denen wir überhaupt mal etwas hören, zum Umkippen. Vor dem Kälteeinbruch war es schon unmenschlich dort. Doppelt belegt sind die Plätze hinter Mauern und Stacheldraht. Neben festen Behausungen müssen Zelte genutzt werden. Jeder, der etwas Phantasie hat, kann sich vorstellen, wie es nach Schnee- und Regenfällen dort aussieht. Viele Menschen haben keinen trockenen Faden mehr am Leib und keine Aussicht auf Wärme. Ärzte ohne Grenzen spricht von drei Toten. Wir glauben, dass es sehr viel mehr Menschen nicht schaffen. Kälte, Nässe, Hygiene gleich null, drangvolle Enge, kaum Sanitäranlagen – wer glaubtt denn, dass alle dies überleben können? Von diesen Toten wird nichts gesagt. Sie wären Flecken auf der weißen Weste der wertegetragenen Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union. Warum geschieht nichts? Wir glauben, die griechische Bevölkerung kann oder will nicht mehr helfen. Wir wollen nicht vergessen, dass dieses Land noch immer unter dem Spardiktat der EU steht. Den Menschen wurden die Renten oder andere karge Sozialleistungen immens gekürzt. Auch vor Behinderten macht das Sparen nicht Halt, wie wir kürzlich in einem Bericht hörten. Stellen Sie sich nur vor, unser Hartz 4-Satz würde von 409 € mal eben auf 200 € gesenkt. Wer würde sich da nicht zuerst um sich selbst kümmern? Warum der griechische Staat nicht hilft, wissen wir nicht. Ob auch er keinen Cent übrig hat, weil u.a. Schäuble das so beschlossen hat? Oder sind die Behörden derart chaotisch organisiert, dass nichts funktioniert? Oder wollen sie in Athen das Elend auf den Inseln womöglich eskalieren lassen, um die Flüchtlinge endlich loszuwerden? Was tut Brüssel? Das können wir Ihnen sagen. Die Europäische Kommission empfahl Deutschland im Dezember, Menschen, die in Griechenland den Boden der EU betreten, wieder dorthin zurück zu schicken. Diese Regelung gemäß des Dublin III-Abkommens war seit 2011 ausgesetzt. Welcher Flüchtling schafft es denn noch via Griechenland bis Deutschland? Viele können es nicht sein. Es geht wohl auch eher darum, dass die Bürokraten der EU die griechischen Behörden für fähig halten, ein vernünftiges Asylverfahren abzuwickeln. Ab 15. März 2017 könnte die Dublin-Regelung wieder greifen. Ein Hohn, wenn wir die Lage in Griechenland sehen. Wenn sie es im Griff hätten, wären die Anträge der bisherigen Ankömmlinge längst bearbeitet und entschieden. Wo genau es klemmt, können wir anhand der kargen Nachrichtenlage überhaupt nicht beurteilen. Vermutlich an mehreren Stellen. Was wir wissen, ist, dass dort Menschen verzweifelt leiden. Wer weiß wie viele von ihnen sich schon zurück ins Kriegsgebiet der Heimat sehnen. Europa hat sie nicht freundlich empfangen. Wir empfinden dafür große Trauer. Wir wünschen diesen Menschen, die Schutz und Beistand suchen, dass sie überleben und eines Tages wieder ein menschenwürdiges Leben finden.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Zeitgeschehen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s