Brief an die Grünwähler_innen

Liebe Grün-Wählerinnen und -Wähler,

ich weiß, dass es Euch heute nicht gut geht. Das tut mir sehr leid und deshalb will ich Euch gern schreiben. Ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. Erstmal nenne ich Euch beim offiziellen Namen. Sonst nennen wir Euch hier an dieser Stelle ja liebevoll die Blassen. Wie das kommt? Naja, darauf kommen wir vielleicht noch in diesem Brief. Heute also die Grünen. Und natürlich sprechen wir mit der männlichen Person Plural oder Singular immer alle Geschlechter an. Männlich wie weiblich, alles dazwischen und jenseits dessen.

Anlass unseres Briefes ist der Qualitätsnachweis Eurer Vorsitzenden. Wie, Ihr kennt Simone Peter nicht? Das ist Eure Vorsitzende neben dem Cem. Wegen dessen Dauerpräsenz in den Medien fiel die Simone im vergangenen Jahr kaum mehr auf. Zu aktuellen und allen anderen Fragen hatte sie gerade nichts zu sagen. In diesem Jahr will sie das offenbar ändern. Vielleicht war das ein guter Vorsatz zu Silvester. Und wer nach dem Jahreswechsel als Erster was raustrompetet, der liegt vorn bei der Aufmerksamkeit der Medien. Zum Glück haben wir ja Facebook und Twitter. Da geht das in Sekundenschnelle. Und die Simone hat sich wohl was abgeguckt vom Donald in den USA. Inzwischen hat sie alles widerrufen. Das ist anders als beim Donald. Am 1. Januar aber missfiel ihr der Begriff Nafris. Den hatte irgend so ein Polizist gezwitschert. So nennt insbesondere die Kölner Polizei nordafrikanische Täter oder Intensivtäter. Wofür das i steht, wissen wir bis heute nicht. Nafri kann auch einfach Nordafrikaner heißen. Kölns Polizeipräsident Mathies sah sich jedenfalls genötigt, sich für das Verwenden dieses Begriffes zu entschuldigen. U.a. aus einem Interview mit dem ehemaligen Bundespolizisten Nick Hein wissen wir, dass es in Köln eben überwiegend Nordafrikaner sind, die für Diebstähle und andere Straftaten verantwortlich sind. Ich finde, Nafri klingt nicht so schlimm. Abkürzungen sind im Arbeitsalltag gängig. Fraglich ist eher, ob eine Polizei twittern sollte. Ja und dann fragte Simone, ob der Einsatz angemessen gewesen sei. Wo die Polizei doch vorwiegend Nafris kontrolliert hat. Wohlgemerkt kontrolliert, nicht niedergeknüppelt oder mit Wasserwerfern niedergestreckt wie bspw. in Stuttgart 2010. Aus unserer Sicht ist es absolut notwendig, gefährlich auftretende Menschen oder Gruppen sorgfältig im Auge zu behalten. Es war vorher bekannt, dass Du Dich in Köln wirst ausweisen können müssen. Wir hatten den Eindruck, Simone wollte auch mal was sagen und kennt sich vor allem auf dem Gebiet der politischen Korrektheit aus. Dass sie damit nah bei den Menschen ist, können wir nicht finden.

Diese Distanz zu den Menschen ist es, die uns bei Eurer gesamten Gruppierung auffällt. Da hattet Ihr Euren Parteitag in Münster. Viel ist nicht hängen geblieben. Wir wollen gar nicht auf dem Auftritt von Dieter Zetsche herumreiten. Ein Oberautochef bei den Grünen – naja. Eigentlich nur Indiz Eurer heimlichen Bundesparteiführung aus Baden-Württemberg. Winfried Kretschmann, Fritz Kuhn oder Boris Palmer; dazu ihr Vasall Cem Özdemir. Sie führen die grüne Partei. Mit ihrer Hilfe habt Ihr die Sozis beim Spendenaufkommen überholt. Wer hätte das gedacht? Ansonsten ging es irgendwie um die Vermögenssteuer. So halbwegs habt Ihr die Forderung danach beschlossen. Zumindest ist nicht ausgeschlossen, dass Ihr mit künftigen Koalitionspartnern mal kurz darüber sprecht. Vor allem, um es mal angesprochen zu haben. Wie zu alten WG-Zeiten. Im Gesamteindruck schien es uns, als wollten die Grünen nach der Bundestagswahl im Bund mitregieren. Und das um jeden Preis! Gegen Bundeswehrkriegseinsätze stimmt Ihr ja schon lange nicht mehr. Alter Hut, der Pazifismus. Für die Energiewende seid Ihr natürlich. Aber ein schlüssiges Konzept Fehlanzeige. Stattdessen so ein halbherziges Palaver vom Umstieg auf Elektromobilität. Will heißen, wenn der Zetsche und die anderen Autokonzerne dazu bereit sind, seid Ihr es auch. Großartig. Also dieser Münsteraner Parteitag war was für Eure Kernklientel. Gut situierte Akademiker kurz vorm eigenen Vermögen. Und Eure Darsteller? Reine Machthungrige.

Dann macht Ihr da noch sowas urdemokratisches. Ihr lasst das Volk, also Eure etwa 60.000 Parteimitglieder, darüber abstimmen, wer Spitzenkandidat wird. Die Kandidatin steht dummerweise schon fest, weil es nur eine gibt. Katrin, die Spaßbremse aus Thüringen. Bei den Männern bewerben sich Cem, Anton Hofreiter und Herr Harbek, der wegen der Vogelgrippe früher aus Münster abreisen musste. Nicht, weil er sie hat! Nein, irgendein Hof in seinem Schleswig-Holstein. Also dieses Trio steht zur Wahl. Ich würde ja das Nordlicht wählen. Einfach als Gegengewicht zu BW. Andererseits wirkt BW eben verlockend, weil Ihr da die Macht gekriegt habt. Viele glauben, so ginge das auch im Bund. Diese Kandidatenkür ist hauptsächlich dafür gut, in die Medien zu kommen. Kanzlerin wird Katrin sicher nicht werden.

Macht habt Ihr eigentlich jetzt schon eine ganze Menge. In Baden-Württemberg stellt Ihr den Ministerpräsidenten. Ehemals eine CDU-Hochburg. In zehn oder elf Landesregierungen sitzt Ihr mit drin. Außer der CSU und der AfD gibt es keine größere Partei, mit der Ihr nicht koaliert. Mit den restlichen Piraten hatte es sich nicht ergeben. Sonst wäre das sicher auch kein Problem. Die CSU brauchte in Bayern keinen Partner. Da gibt es bei manchen auch noch so alte Ressentiments. Stellt sich aber die Machtfrage, werden die zu überwinden sein. Trotz dieses überwiegenden Mitregierens suchen wir vergebens nach grünen Schwerpunkten. Früher hätten wir gedacht, es gehe vor allem in der Umweltpolitik voran. Leider hat die Straße immer noch Vorrang vor der Schiene. Das Transportvolumen steigt. Die Bahn schließt kleine Güterbahnhöfe. Sog. Gigaliner mit einer Länge von 26 Metern dürfen auf die Straßen. Im Verkehr also alles beim alten. Zu E-Autos haben wir schon was gesagt. Dann hätten wir erwartet, dass die Landwirtschaft tier- und menschenfreundlicher wird. Pustekuchen. In Soldat auf dem Traktor weisen wir auf die drei großen Flächenländer hin, in denen die Grünen mitregieren und in denen Massentierhaltung besteht. Gerade erst weist der Nitratbericht der Bundesregierung wieder haufenweise Überschreitungen der Grenzwerte des Düngers im Grundwasser aus. Auch vom ungebremsten Aufbau von Überkapazitäten in der Milchwirtschaft haben wir berichtet. Fremdenfreundlichkeit stand ebenfalls auf den grünen Fahnen. Da seid Ihr immer noch harmloser als die Unionierten. Aber wir vermissen z.B. in NRW eine Initiative für Integration, Bildung und Beschäftigung der zahlreichen Flüchtlinge. Absichtlich lassen wir die Friedenspolitik weg. Die wird im Bundestag entschieden. Euer Abstimmungsverhalten lässt jedoch zu wünschen übrig. Häufig standen die Linken allein da für den Frieden.

So allmählich wollen wir zum Ende kommen. Die Grünen waren mal eine gute Idee. Das ist 30 Jahre her. Der Wandel der Partei findet aktuell in Baden-Württemberg seinen deutlichsten Ausdruck. Ihr seid etabliert, habt Geld und wollt Macht. Was unterscheidet Euch noch von den Unionierten oder Sozis? Uns fällt nichts ein. An dieser Stelle empfehlen wir den CSU-Wählern immer das Auflösen ihrer Partei – neuerdings auch die Fusion mit der AfD. Das wollen wir bei Euch nicht machen. Obgleich Ihr natürlich locker in eine der beiden ehemaligen Volksparteien übergehen könntet. Aber Grün ist ein schöner Farbtupfer in der Parteienlandschaft. Deshalb wünschen wir Euch für die anstehenden deutschen Wahlen Eure standesgemäßen 8 %. Mehr Pädagogik halten wir im Polittheater einfach nicht aus.

 

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