Männer-WG – Teil 12

Als Ülle in die Küche kommt, sitzt Majo mit einem Brief in der Hand am Küchentisch. Vor ihm seine neue BVB-Kakaotasse mit integriertem Strohhalm. „Frohes neues Jahr. Ey Alter, was geht?“, begrüßt er seinen Freund. „Ey Alter, frohes neues Jahr ist gut. Ich hab so gar keinen Bock aufs neue Jahr. Das alte lief für mich schon so mies. Was liest Du denn da?“, entgegnet Ülle mit hängenden Schultern. „Ey Alter, werd geschmeidiger, dann läufts auch wieder. Ist so ein Brief von einer Katharina-Babette aus Asseln oder so. Sie schreibt, dass sie mit Nevadas Füller aus der Grundschule schreibt.“ „Ist sie denn noch so klein?“, fragt Ülle, während er gekonnt den Kaffeeautomaten bedient. „Ach Quatsch, der Füller ist aus der Grundschule, nicht die Babette-Katharina.“ „Ach das war meiner. Hab ich meinen ersten Vertrag bei Mainz mit unterschrieben. Die Nevada hat gar nichts gespendet. Das hab ich bloß so gesagt. Damit sie nicht so blöd dasteht, weißt Du?“ „Ey krass Alter, was geht denn bei Dir ab? Wieso darf Nevada denn nicht doof dastehen? Seid Ihr wieder …?“ „Ja irgendwie schon. Ich war Silvester bei ihr und ihren Freundinnen. Die sind selbst für eine Party noch zu hohl.“ „Ich bin Reusi, der schönste Mann der Welt!“, klingt es aus dem Badezimmer zu den beiden herüber. „Ey hat der neue Pflaster oder was?“, erkundigt sich Ülle. „Oh mir tun die Augen weh, wenn ich Ülles Torschuss seh!“, singt Reusi so laut, dass ihn alle hören. „Ey der kann die Klappe auch nicht halten. Nur, weil ich das 2:1 gegen die Augsburger so vergeigt habe, nervt der die ganze Zeit.“ „Naja, eine Meisterleistung war das ja wohl nicht.“ „Ey krass Majo, Du hast es nötig. Willst Du wieder Ärger wie vor Weihnachten oder was?“ Ülle ballt drohend die Fäuste. „Oh mir werden die Knie schwach, wenn ich über Ülle lach!“ „Der ist neu“, grinst Majo. „Der ist neu und gleich tot“, knirscht Ülle mit den Zähnen und stellt seinen Kaffee langsam auf den Tisch. „Ey Alter, bleib geschmeidig. Habe ich Dir eben schon gesagt.“ Doch Ülle ist alles andere als das. Wütend trommelt er gegen die Badezimmertür: „Mach auf und hol Dir Deine Prügel ab, Du halbes Hemd!“ „Du musst doch nur den neuen Notfallcode eingeben“, sagt Majo von der Küche her. „Toller Vorschlag, dann kommt wieder diese Tante vom ASB. 27 Notfälle hatten die seit Sommer protokolliert. Weißt Du nicht mehr, wie uns Deine Mutter ins Gebet genommen hat?“ Ülle ist gerade erfolgreich abgelenkt, da hallt es von hinter der Tür: „Der Ülle steht im Strafraum, ganz still und stumm. Er schießt mit seinen Füßen, nur schief und krumm.“ „Woher hat er das nur alles?“, fragt Majo etwas beeindruckt. „Der hat Höhenluft, weil er mit Madelleine eine Woche in Davos war“, schimpft Ülle und wendet sich ab. Auf die Tante vom ASB hat er heute Morgen keine Lust. „Wo hast Du denn Silvester gefeiert?“, fragt er Majo, um das Thema zu wechseln. „Wir waren auf dem Reinoldikirchplatz oder wie das heißt. Katherina-Sophie wollte da unbedingt hin. Ging auch voll krass ab da.“ „War bestimmt lustiger als bei Nevadas Trauerfeier“, murmelt Ülle und setzt sich. „Ja klar, wir haben uns krass mit Böllern und Raketen beschossen. Eine ging so scharf an Katharina-Sophie vorbei.“ Majo zeigt zwei Finger dicht nebeneinander. „Wird höchste Zeit, dass wir nach Spanien ins Trainingslager fahren. Jetzt liegt hier auch noch Schnee. Ist ja nicht zum aushalten, diese Kälte.“ Ülle ist heute wirklich schlechter Laune. Reusi kommt aufgeräumt aus dem Bad. Dabei klopft er sich heftig auf die linke Pobacke: „Das Pflaster muss gut halten. Dann wirkt es länger“, freut er sich. „Hast Du noch alle oder was singst Du da für einen Mist!“, braust Ülle auf. „Ey Alter, sei geschmeidig. Hier auch eins für Dich. Lüfte mal Dein hübsches schwarzgelbes Morgenmäntelchen. Schickes Modell. Hat das Nevada gestrickt?“ Reusi ist in wirklich guter Stimmung und klatscht beiden Freunden fröhlich aufs Hinterteil. Dann holt er sich sein Weihnachtsgeschenk von Madelleine. Ein nachgebildeter Weltpokal für den besten Spieler des Planeten. Leider passt der nicht unter den Thermomix. Reusi muss also aus einer normalen Tasse in seinen Pokal umschütten. Gewöhnlich braucht er drei Tassen Kakao, weil unterwegs in den Pokal immer die Hälfte verloren geht. Auch das Umrühren mit Majos Löffeln entfällt jetzt. Reusi verschließt seinen Pokal, schüttelt ihn kräftig und reckt ihn dann in die Höhe: „“ch bin der schönste und klügste Reusi aller Zeiten!“ „Ey Alter, was ist eigentlich mit Dir los?“, will Majo wissen. „Wieso? Das haben wir im Motivationstraining bei Guru Omar will Haben gelernt.“ „Verstehe. War das auch in Davos?“, fragt Ülle. „Aber klar. Habt Ihr Lust auf ne Schneeballschlacht?“ „Ist denn heute kein Training?“, fragt Majo vorsichtig. „Zeig doch mal das Gelände in Brackel“, schlägt Reusi vor und nimmt einen großen Schluck aus seinem Pokal. Majo legt den Fanbrief weg und greift zu einem seiner Smartphones. Den Code für die Kameras auf dem Trainingsgelände hat er als Favorit abgelegt. Was sie erblicken, versetzt ihnen einen gehörigen Schreck. „Die haben ja schon angefangen“, stößt Ülle hervor. „Drei Neger im Schnee beim Liegestütz“, lacht Majo. „Das heißt doch nicht Neger, sondern Farbige oder besser noch Mitspieler mit schwarzafrikanischem Migrationshintergrund“, doziert Ülle. „Ey krass guck mal. Das sind Auba, dieser Demdingsbums und den da kenne ich gar nicht. Sieht ein bisschen aus wie Roberto Blanko“, amüsiert sich Reusi. „Ist das ein Sondertraining für Neger?“, will Majo wissen. Ülle seufzt. „Uns hat keiner bescheid gesagt. Da können wir jetzt eine Schneeballschlacht machen. Ist sowieso lustiger als das da,“ muntert Reusi die Freunde auf. Langsam, aber sicher, wirken die Pflaster. „Ja los!“, begeistert sich Majo für die Idee. „Und den Pool habe ich zufrieren lassen. Ich kann nämlich jetzt mit der Heiz- und Kühlanlage fürs Wasser umgehen“, jubelt Reusi und stürmt hinaus. Majo springt in den Pool und rutscht auf dem Hosenboden bis ans andere Ufer. Da trifft ihn Ülles erster Schneeball im Nacken. „Ey Alter, Du kannst ja doch treffen“, ruft Reusi und trift Ülle nicht. Dafür aber den Trainer mitten auf die Stirn. Der ist noch vor Mama Götze zur Stelle, um zu sehen, wo seine Lieblingsspieler geblieben sind. Für heute hatte er nämlich Frühfrostabhärtetraining angesetzt.

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