Soldat auf dem Traktor

Wie, Sie kennen Christian Schmidt nicht? Das sollte sich spätestens seit gestern geändert haben. Die christlich-sozial unionierte Jungfrau aus Obernzenn verkündete doch gestern seinen Feldzug. Und zwar den gegen die Verwirrung der Verbraucher. Feldzüge kann Christian gut. Denn er ist von Hause aus ein Militär. Deshalb war er jahrelang Staatssekretär im Verteidigungsministerium, heute Kriegstreiberministerium. Zum Minister für Ernährung und Landwirtschaft wurde Christian nur deshalb, weil der Hans-Peter Friedrich dem Gabriel während der Koalitionsverhandlungen im Herbst 2013 etwas von den Ermittlungen gegen Edathy erzählt hatte. Deshalb ist Friedrich nur noch CSU-Scharfmacher und nicht mehr Minister. Christians Auszeichnungen wollen wir nicht unterschlagen. Der 59jährige erhielt bislang 2004: Kommandeur des Drei-Sterne-Ordens, 2005: Kommandeurskreuz des Verdienstordens der Republik Litauen, 2005: Bundesverdienstkreuz am Bande, 2007: Bayerischer Verdienstorden, 2012: „Honourable Accolade (of first degree) for National Defence“, Ungarn. Aber zurück zum Feldzug gegen die Verwirrung. Bezeichnungen wie „vegetarisches Schnitzel“ oder „vegane Currywurst“ können nicht mehr hingenommen werden. Das führe die Verbraucher in die Irre. Zugegeben, ein bisschen blöd finden wir die Begriffe auch. Wozu braucht ein Veganer einen Schnitzel- oder Wurstersatz? Aber bitte sehr. Dass es sich nicht um Wurst und Schnitzel aus Fleisch handelt, kann jeder erkennen. Vielmehr geht es Christian um den Schutz seiner herkömmlichen Landwirtschaft. Diese Industriellen halten Massen an Viechern unter unwürdigsten Bedingungen und wollen kein Schwein weniger schlachten. Natürlich auch kein anderes, irgendwie essbares Tier. Damit unterstützt er als Christ massiv das Quälen von Geschöpfen seines Herrn. Okay, die Bibel gibt viel her. „Macht Euch die Erde Untertan.“ Alles klar, und quetscht sie aus so gut es geht. Das hatten die damals vergessen. In den Massenställen entsteht natürlich hektoliterweise Gülle. Die kann vor Ort nicht mehr in den Boden gebracht werden. Dann platzte auch noch das großzügigste Messgerät für Nitrat im Grundwasser wegen Skalenüberschreitung. Deshalb wird die Gülle hunderte von Kilometern über Land gefahren, um sie dort zu verklappen. Überhaupt nicht verhehlen wollen wir, dass dabei die Blassen, ehedem Grünen, fröhlich mitmachen. Denn viele dieser Riesenställe stehen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Alle drei Länder werden von den Blassen mitregiert. Na gut, aber das nur am Rande. Ist aus dieser Sicht also völlig egal, wen sie wählen, wenn sie wählen. Jetzt also dieser Feldzug gegen die Verwirrung bzw. für die Schweine bzw. für deren Verzehr nach vorheriger qualvoller Aufzucht. Wir hätten unseren Text auch mit „Agrarpolitik von vorgestern“ überschreiben können. Denn im Laufe des Jahres spielte sich ein weiteres Schauerstück von Steuergeldverschwendung ab. Die EU hat Ende 2015 die Milchquoten abgeschafft. Jetzt kann wieder jedes EU-Mitglied nach Herzenslust Milch produzieren. Ältere unter uns werden sich noch an den Begriff Milchseen aus den 80ern erinnern. Jetzt dachten sich die deutschen Kuhbauern – äh Verzeihung – die deutschen Milchviehhalter, sie könnten kräftig investieren. Sie bauten Hightech-Ställe. Die Kühe und ihr Verhalten werden computerüberwacht. Wer zu wenig frisst oder säuft, kriegt Ärger. Die Kuhbauern dachten, sie könnten kräftig exportieren. Zum Beispiel nach Russland. Das geht nicht wegen der blöden Sanktionen wegen der noch blöderen Krim. Dann vielleicht nach Afrika oder Südamerika? Die haben da ja keine Kühe und deshalb keine Milch. Ein paar Kühe haben sie wohl doch, denn auch das klappte nicht. Jetzt jammerten die Bauern. Wie sie es schon immer taten. Sie saßen auf ihren Schulden und ihrer Milch. Weil es davon so viel gab, sanken die Preise in den Keller. Sie machten die bösen Einzelhandelskonzerne wie EDEKA oder Rewe verantwortlich. Das half nicht. Die Politik sprang ein. In Berlin wie in Brüssel wurden millionenschwere Hilfen für die darbenden Landwirte beschlossen. Im dreistelligen Bereich, versteht sich. Unser Steuergeld wird also für die Fehlinvestitionen der Kuhbauern genutzt. Naja, unter der Ägide unseres Soldaten auf dem Ministersessel. Für gar nicht verwirrend hielt Christian übrigens lange Inhaltsstofftabellen auf Lebensmittelverpackungen. Die könne ja jeder lesen und alles wäre klar. Damit verhinderte er das klare Kennzeichnen von Lebensmitteln mit einer Ampel für Zucker, Salz oder Fett. Nun ja, wir glauben nicht, dass eine Ampel das Kaufverhalten nachhaltig ändern würde. Die Leute wissen schon, was wo drin ist. Aber die Lebensmittelindustrie will die Ampel nicht und somit unser Christian auch nicht. Wir könnten sagen, das kommt dabei heraus, wenn eine Regionalpartei einen Ersatzmann ins Kabinett schicken muss. Das ist aber nicht das Problem. Friedrich hätte genauso gehandelt. Das Problem ist, dass keine einzige Partei auch nur auf dem Papier willens ist, diesen Fleischwahnsinn und das Bauernverhätscheln in Deutschland zu stoppen.

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