Schmierentheater

Am vergangenen Donnerstag, den 15. Dezember 2016, trafen sich die EU-Staatenlenker zum letzten Mal in diesem Jahr. Diesmal in Brüssel. Nur einen Tag lang. Warum verkürzt wurde, können wir nur vermuten. Vielleicht hat der italienische Teilnehmer noch nicht genügend Kondition? Wer es nach Renzis Rückzug war, wissen wir nicht. Wurde nicht erwähnt. Oder vielleicht sollte gar keine Zeit bleiben, um über relevante Themen zu reden. Die Szene beherrschte der vermeintliche Bürgermeister von Ost-Aleppo. Stundenlang berichtete er aus seiner Heimat. Regentin Merkel war hernach so betroffen, dass ihr fast das Herz brach. So sprach sie. Wir wollen der Frage nachgehen, was es mit diesem ominösen Besuch auf sich hat.

Nehmen wir mal an, es gibt diesen Bürgermeister noch. Er hat überlebt. Wie wir hören, steht in Ost-Aleppo kein Stein mehr auf dem anderen. Kein Wasser, kein Strom, kein Telefon. Dann hat so etwas wie eine Evakuierung begonnen. Was könnte einen Verantwortlichen treiben, ausgerechnet in solch einer schwierigen Situation tausende Kilometer zurückzulegen, um mit Menschen zu reden, die keinen Einfluss auf sein Leben haben? Das hat die EU ja nun sechseinhalb Jahre lang nachgewiesen, dass sie keine Rolle spielt. Gut, Frankreich ist ja mit dem IS im Krieg, der da auch in Syrien wohnt. Aber nicht in Aleppo. Auch das Rumgebombe des Westens findet ja angeblich nur woanders statt. Humanitäre Hilfe hat es in Aleppo kaum gegeben. Wenn, dann unter der Fahne der UN. Die EU hat damit nur am Rande zu tun, weil ihre Staaten auch zur UN gehören. Zu Hause hat dieser Mann genug zu tun. Seine Familie braucht eine neue Heimat, Nahrung, Kleidung usw. Als Zweites kümmert er sich um Freunde und Bekannte. Dann hoffentlich auch um die ihm anvertrauten Bürger. Hat so ein Mann nur etwas Verantwortungsgefühl, bleibt er in Syrien, um zu helfen.

Weiter fragen wir uns: Wie ist dieser Mann denn nach Brüssel gekommen? Hat er sich ein Taxi genommen und ist von Aleppo nach Damaskus zum Flughafen gefahren? Gibt es überhaupt Linienflüge von Syrien nach Belgien? So etwas glaubt doch niemand ernsthaft. Es gibt natürlich keine Taxis. Oder es ist nicht so schlimm, wie behauptet wird. Vielleicht mit einem der Busse? Wie weit kommt er damit? Woher weiß der Mann überhaupt, dass am 15.12.16 ein Treffen der EU-Regierungschefs stattfindet?

Zu all dem wird nichts gesagt. Für uns sieht das alles so unglaubwürdig aus, dass es sich nur um eine Marionette handeln kann. Einverstanden? Aber warum haben sie diese Marionette in Brüssel auftauchen lassen?

Wir sehen da zwei Gründe. Zum einen betreiben sie derzeit eine große und scharfe Kampagne gegen Russland. In den Medien wird Aleppo zum Nabel der Welt. Die Gräuel der Syrer und Russen werden als einzigartig dargestellt. Vom Krieg der Türken gegen die Kurden, vom Westen gegen den IS in Syrien oder von vielen gegen den IS in Mossul spricht kein Mensch. Die Russen werden als Barbaren hingestellt, die in New York nett reden und in Syrien bestialisch morden. Gegen Russland ist die Politik der EU gerichtet. Deshalb wurden quasi nebenbei die Wirtschaftssanktionen bis Juli 2017 verlängert. Soweit wir hören, bedurfte es hierzu keinerlei Diskussion. Den Ostländern wird es recht gewesen sein. Auch das versprochene engere Zusammenarbeiten der Militärs passt dazu. Zum Glück klappt das nie und sie wollen das schon seit Jahrzehnten. Aber der Ton macht die Musik.

Nach dem Gipfel sprach Merkel ausschließlich über ihre ungeheure Betroffenheit. Keine anderen Zitate wurden gesendet. Welch mieses Schauspiel! Jeder kennt doch seit Wochen die Lage in Aleppo. Unsere Medien hämmern sie uns geradezu ins Hirn. Sollte das die Regentin nicht mitgekriegt haben? Ist natürlich Quatsch. Und dann tut sie so, als habe sie der persönliche Bericht dieses angeblichen Bürgermeisters wer weiß wie erschüttert. Zweck der Übung war, vom desaströsen Zustand der EU abzulenken. Vor lauter Aleppo und Russland-Schelte kamen sie ja zu nichts. Italien mit seinem Referendum und seinen Banken blieb außen vor. Die nach wie vor miese Lage der Flüchtlinge in Italien und Griechenland blieb außen vor. Ein Verteilen auf alle Staaten findet nicht statt. Von Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit im Süden keine Spur. Vom Trockenlegen der Steueroasen zumindest innerhalb der EU keine Rede. Keine Einigung beim weiteren Umgehen mit der tyrannisch regierten Türkei. Nichts und überhaupt nichts! Und weil das so ist, zogen sie diese Schau mit dem Aleppoaner ab Wie schäbig!

Sie regieren uns allerdings nicht nur nicht, sondern sogar schlecht. Der weltweite Wind beginnt, sich zu drehen. Russland-Schelte war unter Obama vielleicht gerade noch richtig. Mit Trump dürfte das anders werden. Dem könnte die Krim dann piepegal sein. Die schenkt er dem Putin. Der Wladimir wiederum plant eine Friedenskonferenz über Syrien mit Erdogan. Ob die EU eingeladen wird, ist unklar. Aber warum sollte sie? Mehr als Waffenlieferant spielt sie nicht. Das jedoch zuverlässig. Unsere EU könnte ziemlich isoliert dastehen, wenn sich das Dreieck Putin – Trump – Erdogan bildet. Welche Rolle die Chinesen spielen, ist noch offen. Aber unsere EU-Staatenlenker erkennen die Zeichen der Zeit nicht. Sie staunen immer noch mit offenem Mund über diese Wahl Trumps. Sie warnen uns lautstark vor den Fake-News. Was anderes als ein Fake war der Auftritt dieses Mannes in Brüssel? Sie überlegen hin und her, wie sie sich zu Erdogan stellen wollen. Interessiert den das noch? Eher nicht. In die EU will er jedenfalls längst nicht mehr. Die Zeiten sind vorbei. Renzi ist schon weg, die Briten hauen sowieso ab, Rajoy regiert als Minderheit in Madrid, Hollande wird gehen. Und wer bleibt uns erhalten? Natürlich die Regentin aus dem Pommernland. Na dann frohe Weihnachten!

 

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