„Unser Service bringt Sie weiter“ oder „Taxifahrt mit Hindernissen“

Ein anstrengender, aufwühlender Besuch im Seniorenheim liegt hinter uns. Der nächste Zug Richtung Stadtmitte kommt erst in 45 Minuten und im Bus wird der kleinen Hannah meist übel. Also wollen wir uns heute ausnahmsweise ein Taxi für die Rückfahrt nach Eving leisten.

Wir tun unser Bestes, die Unfreundlichkeit der Dame in der Telefonzentrale zu ignorieren und bestellen einen Wagen zum Kurler Busch. Beim Rausgehen werden wir kurz aufgehalten und als wir auf den Vorplatz des Heims treten, sehen wir gerade noch die Rücklichter eines Taxis. Anscheinend ist es direkt wieder weggefahren.

Bei einem erneuten Anruf in der Taxizentrale entspinnt sich folgender Dialog:

Ich: Ich möchte einen Wagen bestellen in die Kurler Str. 134, zum Seniorenheim.

Zentrale: Sind Sie die, die vorhin schon bestellt hat?

Ich: Ja, der Wagen ist weggefahren.

Zentrale: Der wurde weggeschickt. Ja, was denn nun?

Ich: Der Wagen wurde nicht von mir weggeschickt. Keine Ahnung, was da los ist. Kommt denn noch ein Auto? Können Sie eins schicken?

Zentrale: Nein.

Dieser kurze Dialog gibt zwar den Inhalt, nicht jedoch den unfreundlichen, patzigen Tonfall der Mitarbeiterin wieder. Sie behandelt mich nicht wie eine Kundin, sondern wie eine lästige Bittstellerin. Fassungslos beende ich das Gespräch. Ich kann es nicht glauben, dass jemand in der Zentrale des Stadttaxis an einem Freitagmittag um 12 Uhr zu mir sagt, er könne mir kein Auto schicken. Noch dazu in einem Ton, als handele es sich bei meiner Anfrage um eine Zumutung.

Wir marschieren zur Bushaltestelle. Aber der eine Bus ist gerade weg und der nächste kommt erst in einer halben Stunde. Es nieselt. Hannah ist müde, wir auch. Wir wollen nur noch nach Hause.

Nur deshalb starte ich einen erneuten Versuch beim Taxitelefon-„Service“. Ein wenig hoffe ich darauf, dass eine andere Person das Gespräch annimmt. Diese Hoffnung trügt.

Ich: Können Sie mir bitte einen Wagen in die Kurler Straße 119 schicken?

Zentrale: Sie sind doch die mit der Fahrt vom Seniorenheim. Ja, wo laufen Sie denn rum?

Ich: Was soll das denn heißen?

Zentrale: Der Fahrer sucht Sie überall.

Ich: Fahrer? Welcher Fahrer? Sie haben mir doch gesagt, dass der weggeschickt wurde.

Zentrale: Der Fahrer rennt im ganzen Heim rum und sucht Sie. So geht das aber nicht.

Ich: Ich möchte die Diskussion hier abbrechen und lediglich von Ihnen wissen, ob es machbar ist, dass ein Auto in die Kurler Str. 119 kommt. Geht das?

Zentrale: Ich schicke jemanden. Aber dann bleiben Sie dieses Mal auch da, wo Sie sind.

Ich: Jetzt reicht es. Wie reden Sie denn mit mir?

Meine letzten Worte spreche ich ins Leere, denn die „Service“-Mitarbeiterin hat aufgelegt.

Circa 10 Minuten später kommt tatsächlich ein Auto, das uns nach Eving bringt. Ich muss dazu sagen, dass der Fahrer ausgesprochen höflich und nett ist und versucht, das Benehmen seiner Kollegin wieder wettzumachen. Er legt extra eine CD mit Kinderliedern ein, um die Stimmung ein wenig aufzuhellen. Solche Menschen gibt es glücklicherweise auch.

Aber der Gedanke, dass es sich bei einem Taxi-Unternehmen um einen Dienstleistungsbetrieb handelt, ist offensichtlich noch nicht in alle Köpfe vorgedrungen.

Gerade finde ich auf der Homepage von Stadttaxi Dortmund den schönen, überaus treffenden Werbeslogan:
Unser Service bringt Sie weiter. An 94 festen Halteplätzen stehen Ihnen mehr als 550 Taxen zur Verfügung. Wir freuen uns auf Sie.

Nachtrag am 21.12.2016:
nach einer schriftlichen Beschwerde bei Stadttaxi erhielt ich heute ein Paket mit einer Flasche Wein, Süßigkeiten, einem 10-Euro-Gutschein und einem offiziellen Entschuldigungsschreiben. Manchmal wird man auch positiv überrascht!

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