Hoffnungsbahn rollt

Hombruch/Grevel. Am heutigen 1. Dezember verkündet DSW21 den Startschuss für ein neues Bahnkonzept. Als ausgesprochen „innovativ und positiv“ bezeichnet DSW21-Vorsitzender Guntram Pehlke die Bezeichnung „Hoffnungsbahn“. Vor allem zur Adventszeit passe dieser Name sehr gut. Kernidee der Hoffnungsbahn ist das Abschaffen des Fahrplans. Aufgrund des maroden Zustands der Fahrzeuge kann die DSW21 bestimmte Fahrtakte nicht mehr garantieren. Dennoch ist das Unternehmen bemüht, etwa fünf Bahnen stündlich in beiden Richtungen übers Gleis fahren zu lassen. Dabei werden die innerstädtischen, unterirdischen Bahnhöfe bevorzugt angefahren. Das Erreichen der Endhaltestellen Grevel oder Grotenbachstraße wird für etwa zwei Bahnen je Stunde vorhergesagt. Zug um Zug werden die Fahrpläne an den Bahnhöfen der ehemaligen U42 entfernt und durch ein buntes Plakat mit dem aufmunternden Satz „Bahn kommt gleich!“ ersetzt. Im Gegenzug zu der leichten Service-Reduzierung senkt DSW21 die Fahrpreise. Ein Tagesticket gibt es für 1 Euro. Egal, wie oft und wohin Sie fahren. Das Monatsticket gibt es für fünf Euro. „Dies gilt aber nur für die Hoffnungsbahn“, bekräftigt Pehlke. Wegen der meist ruckelnden Beschleunigungs- bzw. Bremsphase hält jede Bahn jetzt so lange, bis jeder Fahrgast einen festen Halt gefunden hat. Das freie Stehen in der Hoffnungsbahn ist untersagt. Entsprechende Hinweise in den Zügen machen die Fahrgäste darauf aufmerksam. „Wir testen jetzt dieses Konzept. Für neue Züge haben wir einfach kein Geld. Wir hoffen, auf diese Weise noch zehn Jahre mit den alten Wagen über die Runden zu kommen“, erklärt Pehlke. Viele seiner Techniker halten das für unmöglich. „Die pfeifen außem letzten Loch“, wird ein Mechaniker zitiert, „Nach 30, 40 Jahren sind die einfach auf.“ Stadtkämmerer Stüdemann (SPD) war zu einer Stellungnahme bereit: „Ja wissen Sie, wir haben uns ja gerade beim Naturkundemuseum um zwei Millionen vertan. Und das bei einer Summe von nur 9,3 Millionen. Wie sollen wir da ausrechnen, wie neue Züge angeschafft werden sollen. Mit unserer Personaldecke. Von zehn meiner Mitarbeiter sind fünf krank, drei auf Fortbildung und zwei Vertretungen aus dem Grünflächenamt. Sagen Sie mir mal, wie ich das berechnen soll. Das geht doch gar nicht.“ Mit dieser Aussage seines Parteifreundes konfrontiert, ging auch DSW-Vorsitzender Pehlke in die Knie: „Wissen Sie, ich hab hier diesen Posten wegen meines Parteibuchs gekriegt. Ich dachte, hier könnte ich in Ruhe dem Ruhestand entgegen dümpeln. Zu Hause hat meine Frau die Aufsicht übers Geld. Die weiß halt, auf welchen Aufsichtsratsposten ich sonst so sitze. Das ist kompliziert. Na und da erwarten Sie, dass ich hier die Finanzen der Stadtwerke im Griff habe! Sie sind wohl vom fetten Affen gebissen!“ Hombruchs Ortsbürgermeister Hans Semmler (CDU) freut sich: „Diese Hoffnungsbahn ist das letzte Zucken der roten Herzkammer der SPD.“ Die Bürger reagieren unterschiedlich. Manche freuen sich über den geringen Fahrpreis, andere fordern Heizpilze für die oberirdischen Bahnhöfe. Da die Finanzen der DSW21 ebenso marode sind wie die Fahrzeuge, könnte die Hoffnungsbahn beispielgebend für die ganze Stadt sein.

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