Traurige 45 Minuten

Nein, wir beschreiben hier nicht die erste Halbzeit zwischen Darmstadt und Ingolstadt vom vergangenen Samstag. Spannender war das gestrige Erlebnis jedoch auch nicht. Deshalb betrachten wir es als große persönliche Leistung, unserer Regentin zugehört zu haben. Im Bundestag sprach sie zum ersten Mal seit ihrer Selbstinthronisierung vom letzten Sonntag. Wir waren auf Sendung gegangen, um Sarah Wagenknecht zuzuhören, die die Debatte eröffnete. Auf sie folgte Frau Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende.

Zunächst einmal eine Bemerkung zu ihrem Vortragsstil. Nehmen wir eine Skala von eins bis zehn für die Art und Weise, etwas vorzutragen, so bewegt sich unsere Regentin konstant zwischen fünf und sechs. Das ähnelt einer elektronischen Sprachausgabe. Auch diese ist in der Lage, die Stimme je nach Satzzeichen leicht zu verändern. Das kann Angela auch. Mehr nicht. Ihre Lautstärke ändert sich nicht, ihre Betonung nicht und auch nicht die Geschwindigkeit des Vortrags. Deshalb waren es lange 45 Minuten. Neu ist das nicht. Doch können wir von der Startrede einer Kanzlerkandidatin grundsätzlich mehr erwarten.

Inhaltlich fiel es selbst der ARD-Moderatorin schwer, einen roten Faden zu finden. Am häufigsten erwähnte Merkel den Begriff Digitalisierung. Darauf müssten wir uns einstellen. Worauf konkret, ließ sie völlig offen. Geht es ihr darum, dass aufgrund rasanter Robotisierung abertausende von Arbeitsplätzen wegfallen? In der Fertigung und womöglich auch in der Pflege! Geht es ihr darum, die Menschen auf einen sich stark ändernden Alltag vorzubereiten? Oder warnt sie vor „cyber war“, der den mit Panzern weiter ablösen wird? Wir wissen das nicht, denn sie sagte es nicht.

Kommen wir zur Innenpolitik. Da hatte ihr Sarah Wagenknecht gerade viel von der Spaltung in Arm und Reich erzählt. Wie unsere Kanzlerin so ist, widersprach sie nicht mit großer Geste. Vielmehr meinte sie, ja, es gebe noch viel zu tun für die Bezieher von Hartz 4. Doch wer ihr für eine Sekunde glaubte, wurde sofort desillusioniert. Es sei den Menschen in Deutschland noch nie so gut gegangen wie heute. So! Noch Fragen? Damit ist das weiter-so zum Programm erhoben. Aus Merkels Sicht völlig klar. Denn sie hat nichts falsch gemacht.

Außenpolitisch ist uns der Plan im Gedächtnis geblieben, rund um Europa einen Gürtel von Ländern zu legen, in denen Flüchtlinge aufgefangen und -gehalten werden. Neben der lieben Türkei, die ihr übrigens Sorgen macht, geht das rund ums Mittelmeer bis Marokko. Das eine oder andere Abkommen mit afrikanischen Potentaten kommt hinzu. Dafür wird Geld fließen und die liebe EU muss sich die Finger nicht schmutzig machen. Zum Verhältnis mit Russland hat Merkel unserer Erinnerung nach nichts gesagt. Handelspolitisch setzt sie unverdrossen auf Freihandel. TTIP lebt! CETA ist ein Meilenstein mit neuen Standards für den Welthandel.

Diese Frau ist schon müde, noch ehe sie morgens aufgestanden ist.

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