Was soll daran gut sein?

Nun ist es amtlich: Frau Merkel wird ein viertes Mal kandidieren und ihrem politischen Ziehvater Kohl damit in Bezug auf die Amtszeit nacheifern. Die Mainstream-Medien überschlagen sich, um die Wichtigkeit dieser Nachricht in die Köpfe der Menschen zu hämmern. Die allermeisten Kommentatoren werten die erneute Kandidatur positiv.

Wir bei tosulit fragen uns, was an dieser Nachricht positiv sein kann.

Beleuchten wir doch zunächst die persönliche Seite:
Frau Merkel wird im nächsten September 12 Jahre im Amt und 63 Jahre alt sein. In dem Alter sollte es nahe liegen zu überdenken, was man mit den wenigen restlichen und (wenn man Glück hat) noch gesunden Jahren anfängt. Ist es wirklich erstrebenswert, sich noch einmal vier lange Jahre hohles Gequatsche im Hohen Haus, zahllose öde Empfänge, nicht enden wollende Langstreckenflüge mit Jetlags, die Seehofers, Trumps und Erdogans dieser Welt, übelste Intrigen und Anfeindungen anzutun? Jeder normale Mensch würde dankend abwinken und stattdessen versuchen, einfach mal zu leben. Es gibt einen einzigen Grund, warum ein Mensch dazu bereit ist, sich auf so etwas einzulassen: der absolute Wille zur Macht. Üblicherweise ist Machtstreben in unserer Gesellschaft positiv besetzt. Man wird oft dafür bewundert. Aber die Frage drängt sich auf, wie erschreckend leer es in jemandem aussehen muss, für den Macht das vorherrschende Motiv ist, das ihn antreibt? Ist dies ein Mensch, dem man die Geschicke eines Landes und seiner Bewohner anvertrauen möchte?

Hinzu kommt ein großes Versäumnis von Frau Merkel, das fast nirgendwo angesprochen wird: nämlich, dass es in der CDU tatsächlich keine Alternative zu ihrer Person zu geben scheint. Das bedeutet doch, dass alle potentiellen Kandidaten weggeekelt oder weggelobt wurden. In der Politik wird immer so gern das Wort Verantwortung bemüht. Es ist unverantwortlich, sich in einer Führungsposition nicht beizeiten Gedanken über die Nachfolge zu machen. Der Chef des immer gern zitierten mittelständischen Familienbetriebs würde bei einer solchen Handlungsweise zu Recht scharfe Kritik ernten. Sicher, wenn man der Meinung ist, selbst unentbehrlich zu sein, kümmert man sich auch nicht um einen Nachfolger. Da steht dann die Machtgier im Wege (siehe oben).

Und die politische Ebene?
Wir möchten an dieser Stelle nicht auf das Tagesgeschehen eingehen, sondern die Frage eher allgemein betrachten. Denken wir an Helmut Kohl, müssen wir nicht weit zurück blicken, um zu erkennen, dass 16 Jahre dieselbe Person in einem Amt Stillstand bedeutet. Das kann nicht gut sein für ein Land. Ist es nicht ziemlich unlogisch zu glauben, dass eine Kanzlerin in der vierten Regentschaft auf einmal damit beginnt, die Probleme zu lösen, die sie zu einem großen Teil mit verursacht hat? Außerdem haben sich in drei Amtsperioden Verfilzungen in alle möglichen Richtungen gebildet. Man nennt das heutzutage euphemistisch Vernetzungen. Das ändert jedoch nichts daran, dass es mannigfaltige Verstrickungen und Abhängigkeiten der Regierenden gibt, die nur durch einen Personalwechsel gekappt werden können. Das gelingt oft nicht vollständig, aber wenigstens besteht bei einem Wechsel die Chance dazu. Deshalb sind Wechsel ungemein wichtig für eine funktionierende Demokratie.

Und ein abschließender Gedanke zu Frau Merkel, der uns schon sehr lange umtreibt. Glauben wir wirklich, dass ein Mensch, der die Alternativlosigkeit für sich zum Credo erhoben hat, in der Lage ist, komplexe Probleme zu lösen?

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